Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 76-77 (24.9.1889)
- Date
- 1889-09-24
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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xxx. Ja-rg-ma. Zweite Beilage M Ml% & 77 öes „Ksraplit“ & „Ieschurun". Leitender Artikel. Die Internationale Kleischerzeitung über das Schächte«. Bei dem Kreuzzuge, der augenblicklich in mehreren Ländern durch einige übereifrige Thierschutzvereme gegen das Schächten in Scene gesetzt wird, ist es von Interesse den Gegenstand des Streites einmal von ganz unparteiischer, fachmännischer Seite beleuchtet zu sehen. Es geschieht dies in der zu Leipzig erscheinenden „Internationalen Fleischerzeitung" vom 19. August d. I. in einem trefflichen Aufsätze: „Verschiedene Tödtungsarten", aus dem wir hier einige Auszüge folgen lassen. „Seit die Thierschutz-Vereine begonnen haben, sich mit der Schlachtfrage zu befassen, ist man eifrig bestrebt, ein möglichst wenig schmerzhaftes Tödtungs-Verfahren für Schlachtthiere ausfindig zu machen. In diesem Bestreben ist allerdings vielfach über das Ziel hinausgeschossen bezw. sind Apparate konstruirt und Tödtungsarten vorgeschlagen worden, welche theils das Gegentheil des angestrebten Zweckes erreichen, theils so umständlich zu handhaben sind, daß von denen, welche sie auwenden sollten, immer wieder dem alten Verfahren der Vorzug gegeben wird. Die größte Agitation machte sich von jeher gegen das Schächten geltend. Wir wollen nicht untersuchen, wieviel hierbei auf Konto der religiösen Unduldsamkeit und wieviel auf Rechnung des Mitleides mit der wehrlosen Kreatur zu setzen ist, wir wollen auch ^ugeben, daß der Anblick der Prozedur des Schächtens für zartbesaitete Naturen ein schrecklicher ist — sicher ist aber auch, daß selbst bei Am Wendung der besten Tödtungs - Apparate oft viel größere Thierquälereien Vorkommen, als beim Schächten; doch davon später. Wenn von einzelnen Thierschutz-Vereinen auf Grund eines Vortrages des Thierarztes Vauwerker in Kaiserslautern beantragt worden ist, auch diejenigen Thiere, welche nach mosaischem Titus geschlachtet werden, vorher durch den Kopfschlag zu betäuben, so müssen wir dies als ein Verlangen bezeichnen, welches nur in der größten Unkenntniß der betreffenden rituellen Bestimmungen seinen Ursprung haben kann.*) Mit demselben Rechte könnte man auch von einem strenggläubigen Juden verlangen, daß er Schweinefleisch esse, wenn nur das Schwein geschächtet wurde. Nach jüdischen Religions-Gesetzen ist jedes Thier, welches eine lebensgefährliche innere Verletzung erlitt, vom Genüsse ausgeschlossen, es ist „trephe". Als eine innere Verletzung muß aber die Zertrümmerung der Schädeldecke und theilweise Zerstörung des Gehirnes, wie sie durch den Kopfschlag herbeigeführt wird, unbedingt angesehen werden. Ist denn aber der Halsschnitt wirklich für das Schlachtthier eine so qualvolle Prozedur, daß er einen Eingriff in die religiösen Satzungen, die, wenn auch nicht von allen, so doch von dem größten Theile der Juden gehalten werden, rechtfertigt? Diese Frage ist von denen, welche jene gegen das Schächten gerichtete Bewegung anregen, natürlich gleich von vornherein bejaht worden — wir wagen aber, einige Zweifel dagegen geltend zu machen, und zwar an der Hand von Aussprüchen der ersten Autoritäten auf diesem Gebiete. Der große Physiolog Fick schreibt: „Der Tod durch Verbluten kann sicher kein qualvoller genannt werden, er dürfte etwa mit der Empfindung zu vergleichen sein, die ein durch verminderten Blutdruck im Gehirn ohnmächtig werdender Mensch hat." Professor Gerlach (Director der Thierarznei-Schule zu Berlin): „-Die Tödtung durch den Kopfschlag ist nie so sicher, als der Halsschnitt, auch der Geübteste kann einen Fehlschlag thuu." Professor Friedr. Roloff (Direktor der Thierarznei-Schule zu Berlin, Mitglied des Reichs-Gesundheitsamtes): „Es ist anzunehmen, daß der Tod durch Verbluten schmerzloser ist, als der Tod durch den Kopsschlag oder Genickstich." Bauwerker selbst, einer der größten Gegner des Schächtens, sagt, „daß bekanntlich das Oeffn.en der Pulsader der leichteste Tod sei." A. Chauveau, Professor an der Thierarznei-Schule zu Lyon: „Die Tödtung durch Blutverlust ist eine der am wenigsten grausamen, welche man kennt, *)Wir verweisen auf die Schrift von Dr. Ehrmann: „Thierschntz und Menschentrutz", welche alle für und gegen das Schächten geltend gemachten Momente eingehend erörtert. — Dieselbe ist durch die I. Kauffmann'fche Buchhandlung in Frankfurt a. M. zu dem Preise von 1.50 M. zu beziehen. Auch die Gutachten der gefeiertsten Autoritäten Europa's zu Gunsten des Schächtens sind in dieser Schrift enthalten.