Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 76-77 (24.9.1889)
- Date
- 1889-09-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1344 Gelehrten, das warme Herz für alle Zweige der Wohlthätigkeit und den frommen Sinn des Dahingeschiedenen, dem das Gotteshaus zur Lieblingsstätte wurde. — Wie man vernimmt, hat der Verstorbene einen namhaften Betrag dem orthodoxen Rabbinerseminar als Legat hinterlassen.*) — Noch einer dritten Person, die in den letzten Tagen aus dem Leben schied, muß ich gedenken. Vor einigen Tagen wurde Frau Dr. Holdheim aus dem Friedhose Schönhauser Allee, an der Seite ihres vor ca. 25 Jahren verstorbenen Gatten zur ewigen Ruhe gebettet. Die Neugierde trieb mich nach dem gen. Friedhofe, um die Trauerversammlung zu mustern. Ein kleiner Verwandtenkreis hatte sich eingefunden. Von Verehrern des „großen Reformators" habe ich keinen einzigen entdecken können. — Das Judenthum trägt eben kein Verlangen nach Reformen und hat für ihre Helden keine Sympathien. Die Getreuen, die unentwegt auf seinem Boden verharren, fühlen sich in ihm wohl und behaglich, und die seine Pflichten als schwere Bürde empfinden, bedürfen keines Wegweisers, der ihnen die Pforte des Abfalles und der Verleugnung alles Heiligen öffnet. N. D. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 16. September. Gestern Vormittag um 11 Uhr fand die feierliche Einweihung des neuen israelitischen Tempels in Währing, Wienerstraße Nr. 39, statt. Das neue Gotteshaus ist von dem Architekten Modern in byzantinischem Style erbaut. Entsprechend dem Kostenauswande von 60 bis 79,000 Gulden, ist es ein mehr gefälliges als imposantes Gebäude mit einer Gallerie und circa 400 Sitzplätzen. Bet der Einweihung sah man unter den Anwesenden den Bezirkshauptmann Statthaltereirath H a bi ch e r, Bezirksrichter Dr. Io n az, Sanitätsrath Dr. Witlacil, Vice-Bürgermeister Gerl ach mit vielen Gemeinderäthen, andere Honoratioren des Bezirkes und Ortes, sowie die Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde in Währing, Emanuel Hoffmann, Anton Koretz und Dr. Bernhard Lederer. Prediger Dr. I e 1 l i n e k hielt die Festrede. Bezirks-Rabbiner Dr. Brüll sprach das Gebet für den Monarchen und das Kaiserhaus. Budapest. Auf Wunsch des Königs von Schweden wurde der hervorragende Gelehrte, der ausgezeichnete Kenner der arabischen Sprache, der Sekretär der Pesther israelitischen Religionsgemeinde, Herr Dr. Ignaz Goldzieher, von der ungarischen *) Einmalhunderttausend Mark. Red. Regierung als Vertreter Ungarns zum Orientalisten- Congreß nach Stockholm entsendet. Welch' seltene Ehre unserem Goldzieher daselbst zutheil geworden, beweist der Umstand, daß der König von Schweden blos zwei Goldmedaillen vertheilte und die eine davon eigenhändig dem ungarischen Gelehrten überreichte! Diesbezüglich kommt aus Stockholm folgender Bericht: Graf Landberg verlas den Beschluß der Commission in Bezug auf die vom König von Schweden ausgeschriebenen Preise. Die Gegenstände dieser Preisausschreibung waren: „Geschichte der semitischen Sprachen" und „Die arabische Civilisation vor Mohamed". Die Schwierigkeit der gestellten Aufgaben brachte es mit sich, daß in dieser kurzen Zeit (seit 1886) keine dieser beiden Fragen gelöst werden konnte. Von europäischen Gelehrten ist nicht eine einzige Arbeit eingelaufen. Aus dem Orient kamen sechs Arbeiten. Keine hat nur im entferntesten den Anforderungen entsprochen. Trotzdem hat der König beschlossen, dem Verfasser einer dieser Arbeiten Schukri-el Alusi aus Bagdad, die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft zu verleihen. Der König hat ferner beschlossen, eine goldene Medaille zu verleihen an den berühmten Semitisten Th. Nöldeke in Straßburg und den Kenner der arabischen Literatur Dr. Goldzieher in Budapest. Erstere wurde dem deutschen Botschafter überreicht, wobei der König sein Bedauern ausdrückte, daß Professor Nöldeke aus Gesundheitsrücksichten den Congreß nicht besuchen konnte; die zweite wurde dem anwesenden Dr. Goldzieher vom König eigenhändig überreicht. — Die Ansprache des Generalsekretärs des Orientalisten - Congresses des Grafen Carlo Landberg an Dr. Goldzieher bei der Überreichung dieser goldenen Medaille des Königs Oscar II. lautet wörtlich: „Vor siebzehn Jahren traf ich in Damaskus mit einem jungen Gelehrten aus Ungarn zusammen, der ausgezeichnet arabisch sprach; in den Bazaren, in den Läden, in den CafLs überall sah man ihn. Ein Lieblingsschüler unseres schmerzlich vermißten Cheykh in Leipzig, hat er sich seines Meisters würdig gezeigt und neue Gesichtskreise, Islams Sprache, Literatur und Religion betreffend, eröffnet. Sehr entzückt von der arabischen Sprache, in welcher er außergewöhnliche Kenntnisse besitzt und tiefer in des Islams Geheimnisse eingeweiht, als jemand Anderer zeichnet Herr Ignaz Goldzieher sich gleichzeitig durch eine seltene Bescheidenheit aus. Von seinem stillen Heim in der kleinen 80116utcza in Budapest sendet er uns Meisterwerk auf Meisterwerk. Ganz kürzlich hat er eine Arbeit über die prä-islamitischen Araber veröffentlicht, ebenso originell, wie gut geschrieben. Diesem Manne der