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Der Israelit · 1889-09-16 · Heft 74 (16.9.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 74 (16.9.1889)
Date
1889-09-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1301 muth geschützt zu sein, mußte Israel von dem Reichthum des Landes das Erste Gott darbringen und vor Ihm in Demuth sich beugen und aussprechen orrt TTün. Letzten Vers wandte Redner wieder auf seine Beziehung zur Gemeinde, die ihn berufen, an und schloß mit einem kurzen Gebet für Staat und Gemeinde, Vorstände und Mitglieder, Lehrer und Schüler, seine mit Begeisterung aufgenommene, formvollendete Antrittsrede. Nachdem noch Psalm 150 als Schlußgesang mit Instrumentalbegleitung intonirt worden war, schloß die erhebende und zur allseitigen Zufriedenheit abgelaufene Feier. Nach einer Pause von etwa 10 Minuten wurde nnyn gebetet. Dem Vorstande wurde vielseitige Anerkennung für das vortreffliche Araugement gezollt, bei welchem derselbe durch gütige Mitwirkung von etwa zwanzig jungen Herren aus der Mitte der Gemeinde als Festordner willkommene Unterstützung fand. Feuilleton. KaKöi Mieser AMenast. ii. Als Rabbi Elieser verhaftet wurde, beraubten ihn die Schergen aller Kostbarkeiten, die er bei sich trug; auch der Diamantring, den er von dem verstorbenen König erhalten hatte, wurde ihm abgenommen. Glücklicherweise war, von seinen früheren Reisen her, ein Goldstück in seinem Talith katan eingenäht. Als der Kerkermeister zu ihm in die Zelle trat, um ihm Wasser und Brod zu bringen, sprach Rabbi Elieser: „Du weißt, mein Freund, daß ich unschuldig bin und daß nur die Bosheit meiner Feinde mich in's Unglück gestürzt hat. Nimm mir die Ketten ab, die mich sehr belästigen, und ich werde Dich reich belohnen." „„Ob Du unschuldig bist oder nicht,"" cntgegnete der Kerkermeister, „„kann ich nicht beurtheilen. Das geht mich auch gar nichts an. Ich habe mich nur nach den Vorschriften zu richten, die man mir gegeben hat."" „Ich werde Dich reich belohnen, wenn Du mich von den schrecklichen Fesseln befreist." „„Wie wirft Du mich belohnen können? Wenn Du diesen Kerker verlassen wirst, so wird man Dich zum Tode führen." „Nicht doch, der allmächtige Gott wird mich dem Leben und der Freiheit zurückgeben. Aber ich rede nicht von der Zukunft; ich werde Dich gleich belohnen, sobald Du mir die Ketten abgenommen haben wirft." „„Und worin soll diese Belohnung bestehen."" „Ich werde Dir einen goldenen Denar geben." Die Augen des Kerkermeisters funkelten vor Begier. Trotzdem zögerte er. „„Woher wirst Du,"" fragte er, „„einen goldenen Denar nehmend"" „Das ist mein Gcheimniß. Nimm mir die Ketten ab, und, wenn ich mein Wort nicht erfülle, so kannst Du mich wieder mit ihnen belasten." „„Das ist wahr, das werde ich auch thun."" Bei diesen Worten schritt er auf den unglücklichen Gefangenen zu und befreite ihn von der schrecklichen Last. Mit wahrhaftem Wonnegefühl reckte und streckte Rabbi Elieser die geschundenen und verkrümmten Glieder. Dann'ließ er sich von denk Kerkermeister ein Messer geben, öffnete seine Kleider und schnitt aus dem Talith katan das Goldstück heraus, nach welchem der Kerkermeister begierig griff und es an sich riß. Schleunigst verließ er die Zelle, die Thüre hinter sich ins Schloß werfend. Der Gefangene war wieder allein. „Gelobt seist Du," sprach er „Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du die Bande der Gefesselten lösest! Wie danke ich Dir, daß Du mir den freien Gebrauch meiner Glieder zurückgegeben hast! Nun werde ich die Tephillin, die ich bei meiner Verhaftung unbemerkt zu mir gesteckt habe, anlegen und meine Gebete zu Dir emporsenden." Und Rabbi Elieser betete in heißer Andacht wie nie zuvor. — Nachdem er sein Gebet vollendet hatte, nahm er sein karges Mahl ein. Dann fing er an in der Thorah zu forschen, ohne Buch, aus dem Gedächtnisse eine Mischnah nach der anderen citirend und dabei die dazu gehörigen Abhandlungen der Gemara seinem Geiste vorführend. So verrannen die Stunden, und als der Abend sich herabsenkte, warf er sich auf sein hartes Lager und verfiel in einen festen, traumlosen Schlaf. Gestärkt erwachte er am anderen Morgen. Verwundert blickte er beim Erwachen in der Zelle sich um. Er wußte anfangs nicht, wo er sich befand. Erst all-' mählich wurde er sich des schrecklichen Ereignisses. des vergangenen Tages bewußt. „Gerecht ist Gott," 'sprach er, „in allen Seinen Wegen und liebevoll .in allen Seinen Thaten. Auch mir werden diese traurigen Ereignisse zum Heile gereichen. All die Pracht und die Herrlichkeit, die Gott mir verliehen hatte, hat Er von mir hinweggcnommen, Sein, heiliger Name sei gepriesen immer

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