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Der Israelit · 1889-09-16 · Heft 74 (16.9.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 74 (16.9.1889)
Date
1889-09-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. und :♦ ZelWrlftM Mdevuig jV. CeMes lmü Md. Dens MHWs.Melrde md KGle. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe IudenHum. Herausgegeben von V17. Lehmann in Mainz. an- Montag, den 16. September S«4S (18$0). :,/'S MT^ Da mit dem l.October 1889 ein neues Quartal begüurt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich Sei d« Post das Abonnement §**5)° zeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine UMchMWW' «Wüe Leitende Artikel. Der Sociakismus. Seine Theorie und Praxis nach Bibel uud Talmud. Von Rabbiner Heinrich Galandauer. Im Nachstehenden soll nun nachgewiesen werden, daß in der Bibel und im Talmud der Soeialismus in der Theorie empfohlen, in der Praxis hingegen als unzulässig betrachtet wird; ferner, daß die Bevorzugung einzelner Personen oder Klassen daselbst nicht allein auf der Geburt, oder auf der Macht oder auf dem Besitze beruht, sondern auf der Intelligenz. Gleich beim ersten Menschenpaare verleiht die Bibel die Herrschaft dem Manne über dem Weibe, indem sie zu Eva spricht: Und er (Adam) soll über dich herrschen. (Genesis, Cap. 3, V. 16.) Wir sehen hier, daß eine vollkommene Gleichstellung nicht einmal bei einem einzelnen Menschenpaare möglich und daß eine Bevorzugung des Einen gegenüber dem Andern nothwendig ist. Der Vorzug des Mannes aber beruht hier nicht auf seiner Stärke, sondern auf seiner Intelligenz, auf dem Verdienst in der Ausübung seiner Pflicht, welche ihm gebietet: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot genießen." (Das. Eap. 3, V. 19.) Beim ersten Brüderpaar Kajin und Abel, wo der Eine über dem Andern durch Frömmigkeit und Gottgefälligkeit hervorragt, zeigt es sich deutlich, wohin es führt, wenn die Bevorzugung der Intelligenz mit Neid und Mißgunst betrachtet wird. In der Erzählung vom babylonischen Thurmbau hingegen erkennen wir die ersten Bestrebungen des Socialismus. Die ganze Menschheit sollte ein Volk sem, ei«M. für Alle, ein Strebe«WW^ZyDMiDWWEeu, wozu Sondeoeftrebunges? ^HWk^'MlMHGe^Wlker und Nationalitäten, trüfftipr nur Unglück und Elend über SM bringen? Wäre es nicht heilvkU-«NWU Me Welt, wenn nur ein Weltenreich rrWW^MWt. welches die ganze Menschheit umfaßte, wo WDW» kommenste Gleichheit unter den Bürgern herrsWk; Gleichheit an Macht, Gleichheit an Würde, Gleichheit an Besitz, Gleichheit in Pflicht und Recht? Welcher Jammer würde der Welt erspart bleiben, der durch grausame Kriege, durch Knechtschaft und Herrschaft hervorgerufen wird, wenn die ganze Menschheit durch die wahre Einheit und Gleichheit sich ruhig und sicher des Daseins erfreuen könnte! Das wäre wahrlich ein messiianisches Reich, welches die Propheten in ihrer flammenden Begeisterung verkünden! Hier sind wir wieder bei dem Punkte angelangt, den wir in den einleitenden Worten zu dieser. Abhandlung berührt haben. So verlockend uns hier der Socialismus scheint, so unmöglich ist seine Durchführung. Die Herren Architekten beim babylonischen Thurm scheinen die Sache sehr optimistisch aufgefaßt zu haben. Sie vergaßen gänzlich, daß zu einer Gleichheit, wie sie sie wollten, zuallererst eine Gleichheit in der Gesinnung, in der Denk- und Gefühlsweise nöthig wäre, was aber ganz unmöglich ist. Um die vollkommene Gleichheit herzustellen, müßten entweder alle Menschen gleich hoch in ihrer Fähigkeit sein, oder gleich niedrig in ihrer Unfähigkeit bleiben, da aber das Erstere unmöglich, und das Letztere nur durch die äußerste Gewalt möglich wäre, so ergibt sich, daß die vollkommene Durch-

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