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Der Israelit · 1889-09-09 · Heft 72 (9.9.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 72 (9.9.1889)
Date
1889-09-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1265 Worte seines Herrn, allein die englischen Blätter meinten, daß sich der Schah mit diesen Worten blos aus der Affaire ziehen wollte, während thatsächlich alles beim Alten bleiben werde. Als nun die beiden persischen Juden aus Urmia Rachim Valad Baba und Jichaia Valad Jsmael in Budapest eintrafen, wandten sie sich an Professor Vämbery, um durch seine Vermittlung eine Audienz beim Schah zu erwirken. Die Armen machten die weite Reise, wohl wissend, daß sie niemals mehr in die Heimath zurückkehren dürfen, wenn sie nicht dem Zorn der Beamten verfallen wollen. Die Beiden opferten sich aber für ihre Glaubensgenossen, denn sie wußten, daß in Teheran ein beschwerdeführender Jude nicht vorgelassen werde. Vämbery versprach das Gesuch der Juden dem König der Könige zu unterbreiten und der Gelehrte hielt auch redlich Wort. Am zweiten Tage des Aufenthaltes des Schah war ein Saal in den Appartements Nasfr ed-dm's — wie Egyenlösed meldet — der Schauplatz einer erregten Scene. Der Gesandte Neriman Khan überreichte dem Schah das von Vämbery empfohlene Gesuch, doch kaum hatte der König der Könige dasselben gelesen, rief er den Premierminister Mirza Ali herbei und fragte ihn, indem er ihm das Gesuch vor's Gesicht hielt: „Was soll das bedeuten? Mir sagt Ihr, daß die Juden keine Ursache zur Klage haben und siehe da, jene Menschen unternehmen — weil Ihr sie zu mir nicht vorlafset, eine Reise von vier Monaten, um ihre Beschwerde mir einzuhändigen." Mirza Ali ward leichenblaß und lispelte einige Worte der Entschuldigung, aber Schah Nassr ed-din rief ihm in barschem Tone zu: „Untersucht die Sache! Uebrigens werde ich auch dabei sein." Der Zorn des Schah hat den ganzen Hof verstimmt, aber umsomehr Freude verursachte er den beiden Bittstellern, welche nun auch Muth geschöpft haben, wieder heimzukehren. Feuilleton. Aussprüche christlicher Helchrten üöer Israeliten. Gegenüber den täglichen Angriffen und Herabsetzungen, die wir von antisemitischer Seite erleiden müssen, welche an uns nur Fehler und Mängel finden und uns alles Gute und Schöne absprechen, namentlich aber jede Wissenschaftlichkeit und originales Schaffen, ist es gut unseren Feinden, den Spiegel vorzuzeigen, den christliche wirkliche Autori- ' täten und bedeutende Männer in ihren Werken von uns machen. Beim Lesen solcher bin ich kürzlich auf folgende Stellen gestoßen, die von uns ein ganz anderes Bild entwerfen, als es der Neid von Taugenichtsen und unwissenden Nullitäten thut, der zum eigenen Schaffen unfähig, zum bloßen Nörgeln sich berufen fühlt. Der französische Abt Sägur sagt in seinem Werk „Histoire des juifs“: „Die Israeliten haben die Kenntniß der orientalischen Sprachen nach Europa gebracht und zum Fortschreiten der Civilisation mächtig beigetragen. Eine große Anzahl Christen besuchten die Akademien von Padua, Bologna, Mantua, Ravenna und dort bekamen sie Geschmack zu den orientalischen Sprachen. Ihre Schüler beschränkten sich nicht bloß auf das Glaubensstudium: sie kultivirten mit dem größten Erfolg die Künste und Wissenschaften, insbesondere die Medizin. In Frankreich schuldete die in ihrem Entstehen so berühmte Fakultät von Montpellier diesen israelitischen Gelehrten ihren Ruhm und ihre Erfolge, und die Arbeiten derselben haben verdientermaßen sich das Recht auf die Erkenntlichkeit der Fakultät erworben. Die Fackel der Literatur war den Händen der Israeliten anvertraut; sie durchlebten Jahrhunderte der Finsterniß und der Verfolgung, aber erlöschen ließen sie sie nicht. Wenn sie auch nichts Anderes gethan hätten, als die Liebe zum Lernen wach zu erhalten, so hätten sie sich auch noch Rechte auf unsere Achtung verdient; aber ein Volk, welches so viele große Philosophen, Astronomen, Grammatiker, Aerzts zählt, muß mit Ehrerweisung in den Annalen der Litte-' ratur und der Wissenschaften genannt werden, zumal wenn wir uns erinnern, daß gerade in den Zeiten des Elends und der Beschämung, als die Ignoranz und der Fanatismus Europa gegen ihre Nation aufstachelten, der größte Theil dieser großen Geister sich mit ihren gelehrten Abhandlungen beschäftigten, ohne auf Belohnung hierfür zu rechnen, ohne einen andern Zweck als denjenigen nützlich zu sein." So schreibt ein gelehrter Christ und Geistlicher. -i- * * „Wir dürfen niemals vergessen", sagt der berühmte Historiker Michel et in seinem Buche „Reform«" (pag. 14), das immense Recht, welches die Israeliten des Mittelalters auf die Dankbarkeit der Welt sich erworben haben. " .. Christlicher Fanatismus und muselmännischer Fanatismus waren ohne vorhergegangene Verständigung einig, um das Denken zu bekriegen. Wo verbarg

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