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Der Israelit · 1889-09-09 · Heft 72 (9.9.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 72 (9.9.1889)
Date
1889-09-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Beilage M^72-es„IsraM"L„Ieschurun Leitender Artikel. Die Entgegnung des Br. M. Ellinger in New-Uork auf die Hirsch schen Artikel im „Jsraelit-Jeschnrun" gegen den U. O. B. B. Von Jsaac Hirsch. (Fortsetzung.) Sollen wir nach einer solchen Leistung mit dem Ordensanwalt noch darüber Abrechnung halten, daß er den geistreichen Einfall hat, mich für einen Mann zu erklären, „welcher in dem Judenthum keine Religion der That, sondern die Religion des Glaubens sieht?" Einen solchen Unsinn spricht Herr Ellinger in demselben Athem aus, in welchem er uns zu bedenken gibt, „daß ein wahrer Jehndi nicht ein Verdammungsurtheil aussprechen soll, ohne sich genau informirt zu haben", in demselben Athem, in welchem er erklärt, daß es ihm als gutem Ben-Berith nicht im Traume einfalle, mit mir eine Lanze über meine Religionsanschauungen zu brechen, um zum Schluffe iu gesperrten Lettern dem gesetzestreuen Judenthum die Verleumdung entgegeuzuschleuderu: „was hat die von Herrn Hirsch vertretene Richtung für das Judenthum gethan? Andere mit Bann belegt" Angesichts dieses von hochoffiziöser Ordensstcllc gegen das Judenthum gewagten Attentats, möchten wir doch an diejenigen Ordensbrüder, denen dasselbe als das unverletzliche Heiligthnm gilt, ernstlichst zu bedenken geben, ob sie dem U. O. B. B. angehören können. Was der Orden Judenthum nennt, ist aber kein Judenthum, ist nicht das am Sinai geoffenbarte Gottesgcsetz, auf welches ein jeder von einer jüdischen Mutter Geborene verpflichtet ist, zu welcher Zeit und in welchem Lande auch immer er leben mag. Das Judenthum kennt keine Scheidung zwischen Lehre und Gesetz dergestalt, daß es dem Juden frei stünde sich vom Gesetze zu emancipiren und etwa einiße ethische Lehren des Judenthums für das ganze Judenthum zu erklären. Die Aufgabe Israels besteht in der Erfüllung des Gesetzes, 'n niüö m die Gebote Gottes zu hüten, ror, vnpn und seine Satzungen, amyb, sie durch die That zu verwirklichen, onwyi cmoan lautet die Mahnung Moses, dies Gottesgesetz als den heiligsten Schatz zu hüten und zu wahren, es zu lernen, um es zu erfüllen; osra'ai oanoan N’n »a, denn das allein ist unsere Weisheit und unsere Einsicht D’iayn vor den Augen der Nationen, „welche alle diese Gesetze hören werden und es dann aussprechen: es ist doch eine weise und einsichtsvolle Nation dieses große Volk." Nur also genügen wir unserer hohen priesterlichen Mission. Wenn der Ordensanwalt auch von „der heiligen Sache des Judenthums" redet, an welcher wir Verrath üben sollen, weil wir — den Ordensbestrebungen entgegengetreten, dann verräth er eben, daß er keine Ahnung hat „von der heiligen Sache des Judenthums" und daß während seiner mehr als dreißigjährigen Ordensangehörigkeit innerhalb des Ordens das jüd. Ideal nicht offenbart worden ist. Er bestätigt damit vollinhaltlich Alles, was wir gesagt haben. Ein Mitglied des U. O. B. B., welcher von meinen bescheidenen Leistungen in Sachen des Ordens nicht sonderlich erbaut war, weil er durch dieselben den Einfluß der Orthodoxie auf das Ordensleben gefährdet wähnte, bemerkte auf meinen Einwand, daß die Verleugnung der Wahrheit unter allen Umständen unrecht sei und ein vermeintlich guter Zweck nicht das schlechte Mittel heiligen könne, außerdem aber auch für die Bethätigung der jüdischen Wahrheit in den Logen kein Raum sei, da die Erörterung religiöser Fragen doch -grundsätzlich innerhalb des Ordens ausgeschlossen sei: was wollen Sie? Das Judenthum, wie Sie und ich es verstehen — der Herr zählt zu den Orthodoxen — ist in diesen Kreisen fast ein völlig unbekannter Begriff, und es ist schon ein Großes, daß man sich durch die Vereinigung wenigstens als Juden fühlt, wenn auch nur in oem Sinne, daß man ein solcher der Abstammung nach sei. Die Loge, der ich angehöre, nimmt z. B. so viel Rücksicht auf ihre wenigen gesetzestreuen Mitglieder, daß bei gemeinsamen Mahlzeiten sogar schon „gebenscht" wird. Ist das nicht ein Bedeutendes? Wenn ein so tiefer Stand des jüdisch-religiösen Bewußtseins in den deutschen Logen sich kundgibt, so scheint in Amerika es nicht besser bestellt zu sein. Der ergraute, einflußreiche und gefeierte Ordensbruder Moritz Ellinger, in welchem der heilige Ordensgeist ganz besonders lebendig sein soll, bekundet wenigstens eine erschreckliche Unbekanntschast mit dem Judenthum. Gibt es einen erstaunlicheren Blödsinn als die Behauptung, daß das orthodoxe Judenthum nichts

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