Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1889)
- Date
- 1889-06-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX. Jahrgang. Zweite Beilage ju JK 51 öes „3s raelit“ & „3 efdjurun“. Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Berlin. Die Baruch Auerbach'schen Waisen- Erziehungs-Anstalten haben ihren 56. Jahresbericht herausgegebcn. Das durch den Heimgang Kaiser Friedrichs erledigte Protektorat über die Knaben- Anftalt hat die Kaiserin Friedrich übernommen. Von der wohlwollenden Theilnahme weiter Kreise begleitet, haben die Anstalten sich auch in dem abgelaufenen Jahre gedeihlich weiter entwickelt. In denselben wurden 50 Knaben und 26 Mädchen erzogen, von denen die ersteren größtentheils, die letzteren fast ausschließlich den Unterricht in höheren Schulen genossen. Besondere Erwähnung verdient aus dem Erziehungsbericht die seit 1885 alljährlich eingerichtete Ferienkolonie, in welcher die meisten Zöglinge die Sommerferien verleben. Entsprechend der Bestimmung der Anstalten als eines Elternhauses für Waisen wird für die entlassenen Zöglinge in reichstem Maße Sorge getragen. Die zu Gunsten der Zöglinge vorhandenen Stiftungskapitalien betragen 239,019.84 M.; unantastbares Vermögen besitzen die Anst."ten 717,316.38 M. bezw. 360,284.87 M. — Der Jahresbericht des Reichenheimschen Waisenhauses \ idmet dem am 3. Februar d. I. verschiedenen Mi. liede des Kuratoriums Carl Simon Meyer an hi vorragender Stelle einen warmen Nachruf. Im Rechnungsabschluß für das Jahr 1888 figurirt die Einnahme und Ausgabe mit 50,493,39 M.; der Bestand in Effekten und Hypotheken betrug am Schluß des Rechnungsjahres 544,850 M. Für die Beköstigung wurden insgesammt 15,562.84 M. ausgegeben. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pesth. Der Stadtrath dotirte für vier isr. Wohlthätigkeits-Anstalten einen jährlichen Unterstützungsbeitrag von 750 fl. Dieser Beschluß hat in allen Kreisen der verschiedenen Confessionen den besten Eindruck gemacht. R u m ä n i e n In Verlad starb dieser Tage ein jüd. Lehrer im Alter von 128 Jahren. Erwähnenswerth ist, daß der Verstorbene bis zum letzten Tage seines langen Lebens selbst fein Brod verdient und niemals fremde Hilfe in Anspruch genommen hat. Frankreich. Im Pariser Salon hatten dieses Jahr 86 jüdische Künstler, darunter 27 Damen, ausgestellt; 47 sandten Gemälde. Türkei. Konftantinopel, 21. Juni. Herr Salomon Hirsch, der kürzlich als Vertreter der Bereinigten Staaten beim Sultan ernannte Gesandte, wird morgen mit dem Orientzuge hier eintreffen. Sein Vorgänger, Herr Strauß, der am Montag das Goldene Horn zu verlassen gedenkt, ist bereits vom Sultan in Abschiedsaudienz empfangen worden. Arabien. Tor, am Fuße des Berges Sinai. Dank der egyptischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Kedtvieh", welche den Localverkehr im Rothen Meere besorgt und die auch hier, trotzdem Tor nur ein kleines, armes arabisches Dorf ist, eine Station hat, gehört der Besuch des Berges Sinai heute nicht mehr zu den Seltenheiten, zumal jetzt, wo unter den Beduinenstämmen der Sinai-Halbinsel wieder ein leidlicher Frieden herrscht und die Straßen daher an Sicherheit bedeutend gewonnen haben. Zumeist sind es jedoch Pilger aus Rußland, der Balkanhalbinsel, Griechenland, Syrien rc., d. h. zumeist Anhänger der griechisch-orthodoxen und der griechischkoptischen Kirche, die nach diesem historisch berühmten Berge, auf dem einst ein Licht aufging, das noch heute allen civilisirten Völkern des Weltalls als Leuchte auf dem Pfad des Lebens dient, und ewig als solche leuchten wird, wallfahrten, da ste in dem daselbst befindlichen und noch von Kaiser Justinian 567 erbauten Katharinenkloster, das ausschließlich von griechischen Mönchen bevölkert ist, eine vortreffliche, sichere und auch billigere Herberge finden, eine Wohlthat, auf die die Bekenner der andern Kirchen, ebenso auch die Juden und die Mohamedaner verzichten müssen. In dem Refectorium des genannten Klosters prangt an deffen Stirnseite das lebensgroße Bild des Czaren Alexander IIL, des weltlichen Oberhauptes der