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Der Israelit · 1889-06-27 · Heft 51 (27.6.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 51 (27.6.1889)
Date
1889-06-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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•^«23£»*5B8rS^rliger Name, dieselbe auch ferner nicht verlassen, und möge sie der göttlichen Gnade immer würdig bleiben!" Bl. Berlin, 24. Juni. Herr Rabbiner Dr. Vo g e lstein aus Stettin hielt am letzten Sabbat in der neuen Synagoge eine „Gastpredigt". — Das Kgl. Polizeipräsidium hat den Antrag der jüdischen Gemeinde genehmigt, daß die Repräsentanteuwahlen in fünf auf die verschiedenen Stadttheile vertheilten Lokale vor sich gingen. Unter diesen Umständen wachsen die Aussichten der 75er Commission einer Anzahl ihrer Candidaten bet den Wahlen zum Siege zu verhelfen. — Der Abgeordnete Böckel wird von dem Stöckerblatt „Das Volk" ein „vom Größenwahnsinn befallener Mensch" genannt, der die „deutsch-soziale" Partei, wenn er nicht ausgetreten wäre, „auf den Hund gebracht hätte." — Der österr. antisemitische Abgeordnete Türk gab hier diese Woche zwei Gastrollen im Hetzen. Er schilderte die „Verjudung" Oesterreich- Ungarns und zog gegen Stöcker los. Unter höhnischem Gelächter rief die Versammlung „Ehren- Stöcker! Ehren-Stöcker!" So wird einer dieser Ehrenmänner von dem andern abgethan! Nun unsere österreichischen Glaubensgenoffen werden sich gleich uns über die Maßlosigkeiten derHetzpatrone außerhalb und innerhalb des jüdischen Lagers mit Göthe zu trösten wissen: „Es will der Spitz aus unserm Stall uns immerfort begleiten, doch seines Bellens lauter Schall beweist nur, daß wir reiten!" Briefen (W.-Pr.). Herr Dr. Eppenstein aus Krotoschin ist von der hiesigen Gemeinde zum Rabbiner gewählt. Herr Dr. E. ist ein Schüler von Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pefth. In der Ortschaft Pade wurde der jüdische Grundbesitzer David Reiner einstimmig zum Richter gewählt. Frankreich. Paris. Monatsbericht (Mai) der „All.Jsr. Univ. (Israeliten Rußland). Die Revue des Deux- Mondes vom 1. Mai 1889 hat eine bezügliche und hervorragende Arbeit von Anatole Leroy-Beaulieu, unter dem Titel: „Die religiöse Freiheit in Rußland" herausgegeben. Die Arbeit ist im III. Band des Werkes von Herrn Anatole Leroy-Beaulieu, welches „Das Reich des Czars und die Russen" (Paris, Hachette 1883) genannt ist, wieder abgedruckt. Im Folgenden einige Auszüge aus der Studie des Beaulien über die Lage der Juden in Rußland: „ ... Es scheint nicht, daß die antisemitischen Meutereien vom Anfang der Regierung Alexanders III. ein ganz spontaner Ausbruch der Volkswuth gewesen wäre. Die Mittel der kaiserlichen Regierung sind nicht zu schwach, daß ähnliche Bewegungen ungestraft zum Ausbruch kommen könnten, oder daß das Volk es wagen dürfte, oder dazu berechtigt ist, sich seiner Wuth zu überlassen. Der Aufstand gegen die Juden war zum Theil der Rückschlag der antisemitischen Agitation in Deutschland. Was in dem einen Lande sich auf Zeitungsartikel und Wahlreclame beschränkte, endet in dem andern in Gewaltmaßregeln gegen Besitz und Person. Die russische Presse hatte ihrerseits auch einen Feldzug gegen die Juden begonnen, eine jener fremden Körperschaften, die die moskowitische Patrioten ungern unter sich dulden. Die Hauptstädte hatten begonnen. Die Provinz war nachgefolgt. Die Thatsache war um so ernster Natur, als die Angriffe von Blättern ausgingen, die unter der Abhängigkeit der Verwaltung standen und in der Provinz zum wenigsten der vorherigen Ceusur unterworfen waren. Es war einige Monate nach dem tragischen Ende Alexanderll.; die Verwirrung war überall; das erregte Rußland suchte instinktiv einen Sündenbock, auf den sie ihre Sünden und ihre Wuth schleudern könnte. Einige junge Israeliten beiderlei Geschlechts hatten sich an den Verschwörungen gegen den Czar betheiligt. ( Die Presse bezeichnte die Juden, diese räudigen, diese Aussätzigen", der Volkswuth. Den Juden ließ das Volk seine patriotische Rache und seine Privatrache austoben. Die erschöpfte Behörde bethört durch den Schatten der Verschwörungen, ließ alles geschehen und schloß die Augen, indem sie — besonders zu Anfang — eind Schwäche zeigte, die. an Mitschuld grenzte. Fast sah es aus, als wären die Männer, die in jenen ängstlichen Stunden am Steuer saßen, glücklich gewesen eine Ablenkung zu finden für die politischen Sorgen und die terroristischen Verschwörungen. Unentschlossenheit oder Berechnung, schienen sie glücklich, die revolutionäre Bewegung plötzlich durch eine halb nationale, halb religiöse Bewegung ersetzt zu sehen. Ju vielen Städten fanden die antisemitischen Meutereien an ( bestimmten festgesetzten Tagen statt, fast überall in der nämlichen Weise, um nicht zu sagen, nach demselben Programm. Wenn sic die religiöse Freiheit genießen, wenigstens in so weit sie sich mit der russischen Gerichtsbarkeit verträgt, sind die Israeliten weit davon entfernt, die bürgliche Freiheit und Gleichheit zu besitzen. In dieser Beziehung stehen sie bedeutend

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