Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1889)
- Date
- 1889-06-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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v. * 'V'! »--• 862 Weise den Ausspruch ben Soma's an den des Propheten Jirmijahu anlehnt. Rabbenu Schimeon bar Zemach Duran sagt: Wenn sich Jemand rühmt, so kann dieses nur den Zweck haben, daß die Menschen ihn ehren. Der Prophet warnt, daß sich Niemand seiner Weisheit, seines Heldenmuths und seines Reichthums rühme, wenn er nicht im Besitze der tiefinnigsten Gottesfurcht ist dnd dn o jrm ^nnon „nur derjenige mag sich seiner Weisheit, seines Heldenmuthes und seines Reichthums rühmen, der aus der Thora gelernt hat, Mich zu fürchten, wie auch Jonathan ben Usiel übersetzt. 'nVm j;te& D'an „der weise ist und lernt zu erkennen die Furcht vor Mir", ntmy Van ’D 'n dkj ’nscn r&to '2 pwa npisfl vswv non. Es soll der Mensch wandeln in den Wegen Gottes, nvn ist die Liebe. Wer kann seinen Mitmenschen wohl mehr Liebe bewähren als der wahrhaft Weise? Er kann den Menschen die Wege weisen, die zur Tugend und zur Gottesfurcht emporführen, er kann Frömmigkeit auf Erden verbreiten pt*n oy p» *3 TDr% denn der Unwissende vermag nicht wahrhaft fromm zu sein. dd»d ist das Recht. Die Aufgabe des Starken, des Helden ist es, das gebeugte Recht wieder aufzurichten, den Schwachen gegen seine Ueberwältiger in Schutz zu nehmen, cinzutretcn für das gefährdete Recht der Wittwen und der Waisen. nonL ist das Wohlthun. Zum Wohlthun soll der Reiche seine Reichthümer verwenden, die Hungrigen sättigen, die Nackten bekleiden, die Kranken pflegen, Lehrhäuser errichten. „Denn daran habe Ich Wohlgefallen, spricht der Ewige." So der Mensch aus der Thora gelernt hat, Gott zu fürchten, dann mag er sich seiner Weisheit, seiner Kraft und seines Reichthums durch Thaten rühmen, und all das Große, was er vollbringt, wird seinen Ruhm auf Erden verkünden. Der von der Gottesfurcht getragene, wahrhaft Weise wird sich bemühen, von jedem Menschen zu lernen, um seine Weisheit zu mehren. Der wahrhaft starke, von der Gottesfurcht getragene Held wird nicht stolz sein aus feine physische Kraft, in Bezug auf welche ihn viele Thiere des Waldes übertreffen; er wird vielmehr seine Kraft anwenden, die eigene Leidenschaft zu bezwingen. Salomo vergleicht den Langmüthigen zu einem Helden, weil die Bezwingung der Leidenschaft einen immerwährenden Kampf voranssetzt. Wem es aber gelingt, den eigenen Geist derart zu beherrschen, daß er ihn immer in seiner Gewalt hat, der ist dem Eroberer einer Festung zu vergleichen — der Feind ist vollständig unterworfen und vermag den Kampf nicht wieder aufzunehmen. — Auch dessen, was man im Gewöhnlichen unter Reichthum versteht, darf der Besitzer sich nicht rühmen, denn darin wird er häufig von nichtswürdigen und verachtungswürdigen Menschen übertroffen; im Gegenteile, groß sind die Gefahren des Reichthums, der viele Menschen dazu bringt, in Stolz fich zu überhcben und ihres Vaters im Himmel zu vergessen. Nur der darf sich seines Reichthums rühmen, welcher es gelernt bat, genügsam zu sein und sich mit dem zu freuen, was Gott ihm beschieden hat. Der wahre Reichthum besteht darin, daß man im Stande ist, die nothwendigen Bedürfnisse zu befriedigen. So Jemand in der Lage ist, für sich und die Seinigen in auskömmlicher Weise zu sorgen und sich daran erfreuet, so ist er reich. Wenn aber Jemand Millionen besitzt und sein Herz ist von Habgier erfüllt, er will immer mehr und mehr erringen und besitzen, so ist er arm, unaussprechlich arm, denn unberechenbar sind die ungeheuren Summen, die ihm noch fehlen und die er erringen möchte; sie steigern sich stets mit dem Anwachsen des Besitzes. „Wer das Geld liebt, wird des Geldes nicht satt", und je niehr er hat, desto mehr er will; so wird er immer ärmer in demselben Maaße wie seine Reichthümer anwachsen. Denn wie der Reichthnm, der wirkliche Neichthum, nichts anderes ist als die Fähigkeit, das zu erlangen, was zur Befriedigung unserer Bedürfnisse nothwendig ist, so ist die Armuth, die wirkliche Armuth, nichts anderes als die Unmöglichkeit, das zu erringen, was man für die Befriedigung für nothwendig hält. Woher soll nun der arme Millionär die Milliarden nehmen, ohne deren Besitz er nicht glücklich, nicht zufrieden sein zu können vermeint? Bist du aber zufrieden und freust dich mit dem dir zum Theil gewordenen Loose, genießest du die Früchte deines Mähens, dann Heil dir und wohl dir, Heil dir in dieser Welt und wohl dir in der zukünftigen Welt. — So nun Jemand die hohen Güter der Weisheit, der Heldenstärke und des Reichthums besitzt, so wird er sich doch nur dann der allgemeinen Ehrerbietung seiner Mitmenschen zu erfreuen haben, wenn er die Menschen ehrt, das heißt, wenn er diese hohen Güter im Dienste und zum Nutzen seiner Mitmenschen verwendet, wenn der Weise sich bestrebt, die Unwissenden zu belehren und ihnen dadurch den größten Liebesdienst zu erweisen, wenn der Starke sich der Unterdrückten annimmt und so das gefährdete Recht sichert, wenn der Reiche von seinem Ueberflusse den Armen mittheilt und durch Wohlthun sich auszeichnet. „Denn an diesem habe ich Wohlgefallen, spricht der Ewige." Wer so nach den höchsten Gütern der Menschheit strebt und sie so verwendet, der wird geehrt werden von Gott und Menschen. (Fortsetzung folgt.)