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Der Israelit · 1889-06-17 · Heft 48 (17.6.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 48 (17.6.1889)
Date
1889-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. M 48. Israelit «>.» Zeschurun. Irttslhüst m Mkllllljt m. GMks unö iiiö. Kebells in Alls. (SSemeinDe lllld Klylllk. Kentrat-Hrgan für das ortliodore ZudenIHum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 17. Juni 5649 (1889). Leitende Artikel Mainz, 16. Juni. Gestern vor einem Jahre brachte uns der Telegraph die erschütternde Nachricht vom Hinscheiden des edlen, heißgeliebten Herrschers, des Märtyrers auf erhabenem Throne. Wiewohl die traurige Katastrophe lange vorausgesehen war, fo bemächtigte sich doch tiefer Kummer jedes Gemüths, als sic eintrat. Im besten Mannesalter war Er hinweggenommen worden: der gewaltige Held, der vollkommene Mann mit dem edelsten Herzen, der Stolz und die Freude des ganzen deutschen Volkes nicht nur, sondern aller Menschen, die ihn persönlich gekannt oder seinen Ruf vernommen hatten. Mit von Thränen überströmten Augen, mit tiefbekümmertem Herzen sprachen wir: „Gott hat ihn uns gegeben, Gott hat ihn uns genommen — der Name Gottes sei gepriesen!" Ja, gepriesen sei der Name Gottes! All' die Befürchtungen, die sich an den Tod des Heißgeliebten knüpften, find, Gott sei Dank, nicht eingetroffen. Gleich dem Unvergeßlichen, ist Sein erhabener Sohn und Nachfolger, Kaiser Wih e lm II., ein Freund und Erhalter des Friedens, ein hochherziger, edler, gerechter und milder Herrscher, ein Vater Seines Volkes, der in den Fußstapfen Seiner glorreichen Ahnen wandelt. Gott schütze, segne Ihn und Sein erhabenes Haus und lasse Ihn bis in's höchste Alter das Glück und den Wohlstand Seiner Völker fördern. Unmittelbar an das Angedenken an Kaiser Friedrich knüpft sich das Gedenken an die erhabene Frau, die in der Blüthe der Jahre einen solchen Gatten verloren, an die treue Genossin seines ruhmreichen Lebens, an die hingebende Pflegerin am hoffnungslosen Krankenbette! Ein solcher Verlust kann nicht vergessen werden, eine solche Wunde vernarbt nie ganz. Möge der allgütige Gott der hohen Frau Trost spenden und Ihr Herz sich erfreuen lassen an dem Glücke und den Ruhmesthaten der Kinder und Enkel. „Gerecht ist Gott in allen Seinen Wegen und liebevoll in allen Seinen Thaten!" So sprach einst König Josias, als die Pfeile der Feinde seinen Leib derart durchbohrten, daß er einem Siebe glich, König Josias, von dem der Prophet Gottes weinend sprach: „Wir hatten gehofft, in seinem Schatten zu wohnen nnd seiner Liebe uns zu erfreuen." So wollen auch wir sprechen in der Erinnerung an unfern unvergeßlichen, heißgeliebten Kaiser Friedrich. Der Antisemiten-Hag in Mochum. Während der verflossenen Pfingsttage waren die Antisemiten aller Parteien und aller Schattierungen in Bochum versammelt unter der Führung der Herren Dr. Böckel, Marburg, Dr. K ö n i g, Witten, Dr. Förster und Liebermann von Sonnenberg, Berlin, Stehlich, Cassel,Fritsch, Leipzig?c. 2c. Die Herren schlugen zuerst einen andern Parteinamen vor, da der Name „Antisemit" bereits sehr, sehr anrüchig geworden. Sie werden sich nunmehr die „d euts chsociale Partei" nennen. In Bezug auf ein politisches Programm konnte man sich nicht einigen; dagegen waren sämmtliche Anwesenden eines Herzens und eines Sinnes, da, wo es sich um die Vergewaltigung der Juden handelte. Das aufgestellte und angenommene Programm lautet: „Als ihr Ziel faßt die deutsch-sociale (antisemitische) Partei die Aufhebung der Gleichberechtigung und Stellung der Juden unter Fremdenrecht in Deutschland in's Auge. Die Ausführung

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