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Der Israelit · 1889-06-12 · Heft 46-47 (12.6.1889) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 46-47 (12.6.1889)
Date
1889-06-12
Page
– (sequence 23)
Language
German
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811 Hüten muß man sich aber vor jener Liebe, deren eigentliches Wesen Schwäche und Weichlichkeit ist. Wunderbar scharfsinnig sind die Kinder in der Ausnützung der Nachgiebigkeit ihrer Erzieher. Haben sie einmal herausgefunden, sie können durch ihr Schmeicheln und ihr zutrauliches Wesen die Anforderungen entkräften, dann glauben sie sich ein Recht erworben zu haben, das sie nach Kräften ausnützen. Darum muß der Lehrer den Spruch beherzigen: „Die Liebe, die versagt, gibt doppelt". In den Gemüth und Herz und damit auch zugleich den Geist bildenden Unterrichtsfächern kann nur ein von Liebe zur Sache und zum Unterricht erfüllter Lehrer Ersprießliches erreichen. So wird ein mit Innigkeit und Wärme vorgetragenes Lesestück oder Gedicht selten seine Wirkung auf die Schüler verfehlen, und diese Wirkung gibt sich lebhaft kund in dem Aufleuchten des Kindesauges und öfters in dem unwillkürlich sich entringenden Ausruf : Wie schön! Wie rasch ist ein solches Stück erfaßt, und für das Vergessen braucht nicht leicht Sorge getragen zu werden, denn sind die Saiten der Kindcsseele einmal in Schwingung gebracht, dann klingen sie auch lange nach. Aber ein solcher Erfolg kann auch nur erzielt werden durch die Liebe, die den rechten Lehrerton findet. Das gleiche gilt auch von den anderen Unterrichtsfächern. Ist das Interesse des Kindes durch das Interesse und die lebhafte Mitempfindung des Lehrers erweckt, dann kommt der Lerneifer von selbst, und der Unterrichtsgegenstand schlägt Wurzel. Will man es aber aus ein bloßes. Eintrichtern absehen und mit störriger Beharrlichkeit einen Lernmechanismus einrichten, dann erzieht man, wiewohl mit vieler Mühe, hoch aufgeschossene Halme, die aber leer von Gehalt sind, denn: „Was man dem Menschen zwingend anerzieht, ist nichtig, was man wohlwollend aus ihm herauszieht, ist wichtig." (Schluß folgt.) Aus der Praxis. Der Zusammenhang der iru uw nrro und der drei folgenden ist scheinbar ein sehr loser und deren Zusammmenstellung eine scheinbar zufällige. Es will uns allerdings auf den ersten Blick bedünken, als ob von Zusammenhang nicht die Rede sein konnte. „Hahn und Heide, Sklave und Weib" — sehr sonderbar, und für manchen aufgeklärten Juden Veranlassung genug, lieber das ganze Morgengebet hinter den Rücken zu werfen, als so gegen Logik, Toleranz und guten Ton zu verstoßen. Versuchen wir jedoch eine schlichte, einfache Erklärung, und wir staunen, wie auch hier die „Feuersunken" unserer Weisen uns entgegenleuchten. In der ersten ro-D bietet das Wort 'rat? einige Schwierigkeit. Es wird gewöhnlich Hahn übersetzt; und wenn es auch angenehm ist „Hahn im Korb" zu sein, wenn der Hahn auch ein wohlschmeckendes, stolzes Thier ist, das sich sogar des poetischen Beiwortes „Hausprophet" erfreut, so möchte ich ihm doch die nj'3 absprechen; denn tü'2 ist keinesfalls „Jnstinet." nra ’db'? ’D heißt es Jjob 38, 36. Hier denkt doch Niemand an „Hahn", »d» heißt nach den besten Erklärer» (Siehe Gesenius' Wörterbuch) „Blick". „Auge" und Vers 36 heißt: Wer hat Weisheit in die Nieren gelegt, oder dem Auge Unterscheidungsvermögen gegeben. (Aehnlich Zunz.) Auch in der Lithurgie treffen wir »iup und zwar in dem Machsorstück von welcher beginnt ntc6 rva^n nw und hier denkt auch natürlich kein Mensch an „Hahn". Die Bedeutung »dp „Auge" dürfte wohl festftehen. Auch paßt zu „Auge" — dem „Spiegel der Seele" — ,-ira; sagen wir doch auch im Deutschen , ein „gutes, wohlwollendes, mißgünstiges, kluges" Auge. In der ersten .1212 spenden wir also dem Schöpfer Dank für das körperliche Licht. In der zweiten pd-d kommt der nM der „Heide". Was fehl: dem Heiden? „das geistige Licht", im Gegensatz zum welcher das geistige Licht, die Thora, empfangen. Jetzt folgt nay der Sklave. Was fehlt dem Sklaven? die körperliche Freiheit. „Der Körper des Sklaven gehört seinem Herrn." Und die vierte ntw. Was fehlt dem Weibe? Die geistige Freiheit. Das Weib ist geistig beschränkt. Dieses ist keineswegs ein Tadel für das weibliche Geschlecht, sondern es weist ihm nur die Stellung an, die es in der menschlichen Gesellschaft einnehmen soll. Die Lebensweisheit der Rabbinen steht hier ' in schönster Harmonie mit den Resultaten der neuesten Erfahrungswissenschaft. Der weibliche Geist ist nicht empfänglich für die höheren Probleme, ihm fehlt die Schwungkraft, die höheren Stufen der Weisheit zu erklimmen. Und dieses ist ein Glück. Denn was ist unweiblicher als ein philosophirendes Weib, und seitdem die „höhere Tochter" in Mode gekommen, hat die edle Weiblichkeit viel von ihrem Zauber verloren, nicht zum Vortheil unserer Familien. dd’jd ro miaa Der Ehrenplatz der Königstöchter — und das ist jedes edle Weib — ist das

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