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Der Israelit · 1889-06-12 · Heft 46-47 (12.6.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 46-47 (12.6.1889)
Date
1889-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX, Hahrgang. M 46 & 47. Israelit Zeschurun. MsWst M FSrdrnivg Mb. Gelkes md Md. Lrbells in Kalls. GelseinSe M Kchsle. Emirat-Hrgan für das ovtßoboxe Judentum. Herausgegeben von Dr. Lehman» in Mainz. Mittwoch, den 12. Juni 5649 (1889). Leitende Artikel Die Sprüche der Wäter. Viertes Buch. VIII. Mainz, 3. Juni. -ddn 'Tmu o idwip »nrnan n« “idddh? “oidd inr« .ftp’ ’nai „Wer ist geehrt? Derjenige, welcher die Geschöpfe ehrt; denn so heißt es (1. Buch Samuel, Cap. 2, V. 30): Denn bie Mich ehren, werde Ich ehren, und die Mich verachten, werden zu Schanden werden." Wir wollen hier die Einwände nicht wiederholen, welche die Erklärer unserer Maßechta gegen diesen dunklen Ausspruch ben Soma's erheben; wir haben dieselben oben ausführlich dargelegt. Wir wollen vielmehr sogleich mit der Erklärung dieses letzten Theiles unserer Mischna beginnen, und die erwähnten Einwände werden dadurch beseitigt werden. „Wer ist geehrt?" Wie in der deutschen Sprache das Wort Ehre, so hat auch in der hebräischen Sprache das Wort -ras eine doppelte Bedeutung. Es gibt eine äußere und eine von innen stammende Ehre. Die äußere Ehre ist diejenige, welche man dem Menschen entgegenbringt. Der Gelehrte, der Reiche, der Mächtige werden geehrt um dieser ihrer Eigenschaften willen, gleichviel, ob sie auch sonst der Ehre Werth sind oder nicht. Die innere Ehre entstammt der ganzen Persönlichkeit des Menschen, der sich bemüht, derart zu denken, zu reden und zu handeln, daß er nach allen Seiten hin ehrenhaft und ehrwürdig erscheint, gleichviel, ob die Menschen ihn ehren oder nicht. Ganz dasselbe Verhältniß findet in Bezug auf den hebräischen Ausdruck für Ehre statt. Das Wort iivo kömmt von „schwer" her. So Jemand „schwer,, wiegt in Bezug auf Kenntnisse, in Bezug auf mächtige Stellung, in Bezug auf reichen Besitz, so wird er geehrt. Die wahrhafte Ehre aber gebührt dem, welcher durch das Gewicht seiner edlen und vollkommenen Persönlichkeit die Ehrerbietung der Mitmenschen verdient. Das ganze Judenthum wurzelt in der Lehre von dem einzigen Gott, dem Schöpfer des Weltalls. Daher beginnt die heilige Schrift mit den Worten: „Im Anfänge erschuf Gott die Himmel und die Erde." Er ist der Schöpfer des Weltalls, und wir sind zu Seinem Dienste berufen. „Alles, was der Heilige, gelobt sei Er, erschaffen, hat Er nur zu Seiner Ehre erschaffen." Wir Menschen, die vollendetsten Geschöpfe des Weltalls, sind dazu da, Seine Ehre zu verkünden. Wir können hinieden das eigentliche Wesen Gottes nicht erkennen; wir vermögen nur nach Seinem Wirken, nach Seiner Schöpfung Seinen Ruhm und Seinen Preis zu verkünden. — Als Salomo, so erzählen unsere Weisen, den heiligen Tempel in Jerusalem erbaut hatte, da wollte er die heilige Lade in das Allerheiligste verbringen lassen. Aber die Thore des Heiligthums öffneten sich nicht. Da ließ Salomo die Psalmen seines Vaters David anstimmen, bis man zu dem 7. Verse des 27. Psalmes gelangte. Dort heißt es: „Erhebet, o Thore, eure Häupter, und erhebt euch, Pforten der Ewigkeit, auf daß einziehe der König der Ehre. Da fragten gleichsam die Thore: Wer ist der König der Ehre? Und die Antwort lautete: Der Ewige ist mächtig und ein Held, der Ewige ist der Held des Krieges. — Und die Thore öffneten sich nicht. — Da forderte man sie auf's Reue auf: Erhebet, o Thore, eure Häupter und hebet die Pforten der Ewigkeit, auf daß einziehe der König der Ehre. — Und auf's Neue fragten die Thore: Wer ist er, der König der Ehre? Und diesmal lautete die Antwort: Der Ewige Ze-

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