Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1889)
- Date
- 1889-05-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX. Jahrgang. ftitogt ju M'40 ft es ,Jsraclit”&„3)e|'djurun”. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Baisingen. Die Herren Moses Kahn, Hermann Marx, Jsaac Kahn, Hirsch Kahn in Baisingen, Veit Kahn in Cannstadt u. Heinrich Herz in Hall haben einen Verein „Doresch Tow" gegründet, um die Ausbildung eines jüdisch religiös gebildeten Lehrerstandes (innerhalb Württemberg) für das Königreich Württemberg zu erstreben. Zu diesem Zwecke sollen Württemberger Kinder, die sich dem Lehrerfache widmen wollen und die durch Lust und Liebe, durch Begabung und Leistungsfähigkeit, durch Moralität und sittlichen Ernst sich dazu qualifiziren, aus den Mitteln des Vereins materiell unterstützt Weeden. Die Unterstützung findet nur dann statt, wenn die Zöglinge zu ihrer Ausbildurg eine solche Anstalt (Präparandie und Seminar) besuchen, in welcher gründliches jüdisches Wissen, echte Religiösität in Verbindung mit wahrer, allgemeiner Bildung gelehrt und anerzogen wird. Da eine solche Lehr-Anstalt in Württemberg vorerst nicht besteht, so sind die Zöglinge, welche aus Mitteln des Vereins unterstützt sein wollen, gehalten, ihre Vorbildung an der israelitischen Präparanden-Schule zu Burgpreppach in Bayern, welche den Charakter der Oeffentlichkeit hat und die bekanntermaßen ihre Zöglinge in der oben bezeichneten Weise erzieht, zu genießen. Wir wünschen dem Verein das beste Gedeihen; sein Streben wird dazu beitragen, in religiöser Beziehung einen bessern Geist in die Württemberger Judenheit zu bringen. Italien. Rom p'&o. Soeben lese ich Ihren Bericht aus Turin, nach welchem die Frau eines jüdischen Banquiers daselbst einen Wechselagenten im Streite getödtet hat. Ich hörte diese Geschichte vor einigen Tagen aus dem Munde eines der angesehensten Gemeinde-Mitglieder in Turin, doch mit dem Hinzufügen, daß diese Frau eine Christin sei, mit der jener Banquier in Mischehe lebt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 10. Mai. Bereits liegen Erklärungen der Getreidehändler von Prag, Brünn, Lemberg, Pesth, Temeswar, Neutra, Kanizsa und Oedenburg vor, daß sie wegen der antisemitischen Umtriebe den Wiener Saatenmarkt nicht beschicken werden. — Bei der Eröffnung der Möbel-Ausstellung richtete der Ehrenpräsident Geheimrath Graf Edmund Zichy, die Aufforderung an die Industriellen, sie möchten ihre Hilfsarbeiter warnen, damit sie sich nicht in den unglücklichen Strudel des Nationalttäts- und Konfessionshaders stürzen, der unglücklicher Weise wie ein böser Alp auf dieser Monarchie laste. Wien, 15. Mai. Die von sämmtlichen antisemitischen Gemetnderäthen für Sonntag in die Volkshalle des Nathhauses einberufene Volksversammlung zur Besprechung der Petition betreffs des Saatenmarktes und des Fremdenverkehrs wurde polizeilich verboten. Wien, 16. Mai. Das Abgeordnetenhaus erklärte mit 135 gegen 71 Stimmen die vielumstrittene Wahl des Abg. Rabbiner Bloch, gegen welchen insbesondere die Antisemiten austraten, für giltig. Dafür stimmten die Rechte, die Klerikalen einschließlich des Prinzen Liechtenstein und ein Theil der deutschen Linken. Triest, 5. Mai. Kürzlich traf hier Chacham Arovas aus der heil. Stadt als Sendbote unserer Glaubensbrüder im gelobten Lande ein, um für das dort neu zu errichtende Krankenhaus „Misgab Ledach" milde Gaben zu sammeln. Hier in Triest fand Chacham Arovas einen höchst sympathischen Empfang, da auch in unseren Herzen die Liebe zum Lande der Väter noch heftig lodert und liefen bei ihm an tausend Francs als Spenden für den bezetchneten frommen Zweck ein. Von hier gedenkt dieser Sendbote nach Italien und von dort dann auch nach Frankreich zu gehen. Die vergangenen Festtage sind hier in der schönsten Ordnung verflossen und waren an denselben die Gotteshäuser sehr besucht. Die Gemeinde ließ 3936 Kilogramm Mazzos an die Armen vertheilen und nebstbei spendete sie denselben auch auf Fleisch und Wein 1077 fl. Auch unser verehrter Oberrabbiner Melli hat aus den ihm zur Verfügung stehenden frommen Geldern bedeutende Beiträge an die Armen gespendet. Der Vertreter unseres Oberrabbiners im hies. dritten Tempel, der dorten zugleich auch als religiöser Inspektor fungirt, Herr Laerte Tolentini, wurde gelegentlich des Peßachfestes mit dem hier und in