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Der Israelit · 1889-05-16 · Heft 39 (16.5.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 39 (16.5.1889)
Date
1889-05-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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689 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Westphalen. Schon jetzt wird in verschiedenen Wahlkreisen der Provinz Westphalen u. A. in den Wahlkreisen Bochum-Dortmund von einigen Parteien lebhaft für die Reichstagswahlen gearbeitet. Die Social-Demokeaten konnten es sich nicht versagen, in den Ostertagen ihre Machwerke an den Mann zu bringen. In mehreren Städten der Mark wurden dieselben während der Nachtzeit verbreitet. Wie es heißt, wollen die Social-Demokraten bei der nächsten Reichstagswahl in den Kreisen Bochum- Dortmund mit den Zählkandidaten auftreten. Eine andere Partei, deren Thätigkeit sich weniger der Oeffentlichkeit entzieht, ist die antisemitische. Seit geraumer Zeit arbeitet diese Partei mit großer Umsicht und Einigkeit. Fast wöchentlich hält der Hauptmann der westphälischen Antisemiten, Dr. König- Witten, in verschiedenen Ortschaften der Mark Volksversammlungen ab, indem er, laut den Berichten der „Westph. Reform", unumwunden ausspricht, daß die Antisemiten in den obenangeführten Kreisen Bochum-Dortmund selbstständig vorzugehen gedenken und dabei ist derselbe schon mit solcher Prophetie ausgestattet, daß er einen glänzenden Sieg verspricht. Wir wollen vorläufig abwarten, bis die Wahlschlachten vorbei sind und dann können wir ja das Resultat sehen. In Anbetracht, daß außer der Partei der Antisemiten auch noch gerade im Wahlkreise Bochum-Dortmund die Deutsch-Freisinnigen, die National-Liberalen, die Sozialisten und das Centrum mit eigenen Candidaten aufzutreten beabsichtigen, ist allerdings der prophetisch vorausgesagte Sieg des obenangeführten Antisemitenhäuptlings sehr zweifelhaft. Wir wollen aber „dem echten sauberen Patrioten" seine kindische Freude nicht jetzt schon verderben. Qui vivra, verra. A. St. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth, 11. Mai. Das Abgeordnetenhaus verhandelte heute das Budget des Ministeriums des Innern und im Rahmen desselben den Voranschlag der subventionirten Theater, in erster Linie aber der Oper, die bekanntlich unter den früheren Intendanten in die schlimmsten finanziellen Nöthen gerathen war. Die Discussion des Gegenstandes hatte schon gestern begonnen und war im Rahmen einer mit sachlichen Waffen geführten Erörterung geblieben, bis der Antisemit Komlossy, ein katholischer Priester, es für angemessen fand, heute der Debatte eine persönlich antisemitische Pointe zu geben. Die scharfe Abfertigung, welche dieser Herr vom provisorischen Minister des Innern, Gabriel Baross, unter lauter Zustimmung des gesammten Hauses erfuhr, ist ungemein bezeichnend für die tiefgehende Wendung des öffentlichen Geistes in Ungarn, die sich hauptsächlich unter der unmittelbaren Rückwürkung des staatsgefährlichen Treibens der Antisemiten in Oesterreich vollzogen hat. Je schlimmer es drüben getrieben wird, um so ängstlicher ist man in Ungarn darauf bedacht, gleich die ersten Anzeichen der Wiederbelebung dieser Strömung, unter welchen Ungarn vor Jahren gelitten hat, mit der nöthigen Energie zurückzuweisen. Mit der Kritik, welche an der gegenwärtigen Opernleitung von Freund und Feind geübt worden, können die Hauptfactoren derselben, der königliche Commissär und Staatssecretär Franz v. Beniczky wie der artistische Director Gustav Mahler, außerordentlich zufrieden sein. Von allen Seiten wurde anerkannt, daß Herr v. Beniczky in das finanzielle Wirrsal brr früher verlotterten Opernwirthschaft binnen Jahresfrist die entsprechende Ordnung gebracht, ohne das künstlerische Niveau derselben herabzudrücken, gerade weil er nicht in die Fehler der früheren Intendanten verfiel, sich in alle Fragen der Kunst zu mengen, und dem von ihm bestellten artistischen Director Gustav Mahler freie Hand ließ. Dem Director Mahler aber wurde fast von allen Rednern, selbst von den Gegnern Beniczky's, nachgerühmt, daß er während der kurzen Zeit seiner Directionsführung das Menschenmögliche geleistet, und daß es ihm, dem Deutschen, als besonderes Verdienst anzurechnen sei, daß er ausschließlich mit heimischen Kräften und in ungarischer Sprache Opern inscenirt und einstudirt habe, deren künstlerisch so gerundete Aufführung noch vor Monaten als blanke Unmöglichkeit erschienen wäre. Namentlich der Abgeordnete Franz Fenyvessy von der gemäßigten Opposition widmete der Wirksamkeit des Direktors Mahler Worte der wärmsten, beinahe enthusiastischen Anerkeunung. Schon in diesem Stadium der Debatte, an der kein einziger Abgeordneter jüdischer Confession theilgenommen, hatte sich Pfarrer Komlossy durch den wiederholten Zwischenruf bemerkbar gemacht: „Man lobt ihn, weil er ein Jude ist!" „Er macht eine nationaljüdische, aber keine national-ungarische Oper!" Diese Zwischenrufe wurden von allen Seiten niedergezischt. Das schien Herrn Komlossy denn doch ein zu großer Triumpf für einen ftemden Künstler, und so nahm er kurz vor Schluß der Debatte das Wort zu einer geradezu burlesken Capuzinade. Er begann mit dem Geständnisse, daß er zwar niemals die Oper besuche, aber aus den Zeitungen und im Publicum erfahre er, was dort vor und hinter den Eoulissen vorgehe. Dieses letztere Einbekenntniß wurde mit schallender Heiterkeit ausgenommen. Der Director der Oper, Gustav Mahler, sei ein Jude, und sein ganzes Bestreben gehe darauf aus, eine jüdisch-nationale Oper zu machen. Er werde darin wirksam unterstützt von den Kritikern, die gleichfalls Juden seien. Sie schafften heute die Künstler und ihren Ruhm, denn wer ihnen nicht behage, den machen sie herunter. Es sei noch ein Glück, daß die Aristokratie sich von diesem Theater zurückhalte, denn sie wolle die jüdische Atmosphäre in demselben nicht einathmen. Herr Komlossy stellte übrigens der Freauenz der Oper das glänzendste Zeugniß aus, indem er behauptete, er könne dieselbe deßhalb nicht besuchen, weil an der Kasse kein Billet zu haben sei und er den jüdischen Agioteuren nichts zu verdienen geben wolle. Er lehne jeden Kreuzer Subvention für die Oper ab und wünsche deren Verpachtung. Es sei nothwendig gewesen, diese Frage einmal auch aus dem antisemitischen Gesichtspunkte zu beleuchten. Wenn er so singen hören wolle, wie jetzt in der Oper gesungen werde, so sei es das Richtigere, wenn er gleich die Synagogen in der Rombach¬ oder der Tabakgasse besuchen würde. Nach Herrn Komlossy sprach im Interesse der Moral auf dem Theater ganz kurz Herr Daniel Jr any als Präsident des Tugendvereins, worauf Minister Baross unter allgemeiner Aufmerksamkeit speziell Herrn Komlossy antwortete. Die Debatte, sagte der Minister, war bisher ernst und sachlich, mit Ausnahme eines Vorredners, der dieselbe in sehr bedauerlicher Weise in's Komische zog. (Lebhafte Zustimmung.) Ich, als Katholik, protestire gegen die

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