Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 37 (9.5.1889)
- Date
- 1889-05-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. Ztveite BeUage?u^37i>es„Israelit"L„Aeschurun'. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Görlitz, 2. Mai. Der hiesige sehr angesehene Rabbiner Dr. Freund ward von durchgehenden Pferden im nahen Marklissa schwer verletzt. Lissa i. P., 28. April. Hier fand in Anwesenheit des Regierungs- und Schulraths Herrn Snoy aus Posen, des Landraths Herrn v. Hellmann, sowie der Kreisinspectoren und der Vertreter der städtischen Behörden und der Synagogengemeinde die Einweihung des neuerbauten israelitischen Schulhauses statt. In den Reden, die gehalten wurden, namentlich den Ansprachen des Regierungsvertreters, des Bürgermeisters und des Rabbiners Herrn Dr. Bäck kam die Freude und die Genugthuung darüber zum Ausdruck, daß für die israelitische Jugend endlich ein Schulhaus geschaffen sei, welches sich nicht nur durch Stattlichkeit und Schönheit des äußeren, sondern auch durch die Vollkommenheit und Zweckmäßigkeit in dem inneren Ausbau auszeichne. An die Feierlichkeit in der Aula schloß sich ein Diner in dem Kaiserhofhotel, welches durch gehaltvolle Toaste gewürzt war. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 3. Mai. Die leider nur zu gewiß constatirte Thatsache, daß ein großer Theil der bisherigen Besucher des Wiener Saatenmarktes sich gegen eine Abhaltung dieses für unsere Stadt so wichtigen Marktes in Wien ausgesprochen und als Grund für die Verlegung in eine andere Stadt die Gefahr angegeben hat, bei der heute in Wien herrschenden Strömung Beschimpfungen und verletzenden Angriffen ausgejetzt zu sein, gab heute Herrn Cornelius Vetter Anlaß, in der Gemeinrathsfitzung eine im gewohnten Tone gehaltene Philippika gegen die schlimme „Judenpresse" zu richten, welche die armen, unschuldigen Antisemiten für dieses Vorgehen der Saatenmarktbesucher verantwortlich macht. Herr Vetter wurde von einigen Rednern gebührendermaßen zurechtgewiesen; eine Mühe, welche wir unsererseits diesem Herrn gegenüber für vollkommen überflüssig erachten. Der Verlauf der theilweise stürmischen Sitzung war folgender: Matzen au er stellt folgenden Dringlichkeitsantrag: „Dem Vernehmen nach werden von der Repräsentanz mehrerer ungarischer Städte Anstrengungen gemacht, um die Abhaltung des diesjährigen internationalen Saaten- und Getreidemarktes in Pesth durchzusetzen. Abgesehen von dem bedeutenden Schaden in ökonomischer Beziehung, welcher durch Verlegung des Saatenmarktes von Wien in eine andere Stadt einer großen Anzahl von Wiener Geschäftsleuten erwachsen würde, wäre diese Thatsache auch dem Ansehen der Stadt Wien insoferne sehr abträglich, als hiedurch die bisherige Bedeutung Wiens als Mittelpunkt eines regen und hochwichtigen Handelsverkehrs herabgedrückt würde. Die Gefertigten halten es daher für eine Pflicht des Wiener Gemeinderathes, insoweit es demselben möglich ist, für die Abhaltung des diesjährigen Saatenmarktes in Wien einzutreten, und erlauben sich demnach den Dringlichkeitsantrag zu stellen: Der Herr Bürgermeister werde ersucht, sofort die ihm diesfalls geeignet scheinenden Schritte eiuzuleiten, beziehungsweise durch persönliche Intervention in obigem Sinne zu wirken." Bürgermeister Uhl erklärt, daß er schon am 17. April mit dem Vorstand der Frucht- und Mehlbörse, Herr Naschauer, als bekannt wurde, daß der Saatenmarkt heuer nicht in Wien abgehalten werden soll, eingehend conferirt und nach einer langen Unterredung von ihm die Versicherung erhalten habe, daß er sein Möglichstes aufbieten werde, um es zu veranlassen, daß der Saatenmarkt in Wien stattfinde. Der Bürgermeister theilt ferner mit, daß er in derselben Angelegenheit mit dem Ministerpräsidenten Grafen Taaffe gesprochen habe, der sich gleichfalls für die Abhaltung des Saatenmarktes in Wien lebhaft interessirt. Der Gemeinderath ersehe daraus, daß das Möglichste bereits geschehen ist; diese so wichtige Angelegenheit werde er gewiß nicht außer Augen lassen und, so weit es in seiner Macht stehe, dahin wirken, daß der Saatenmarkt wie bisher in Wien abgehalten werde. (Beifall rechts.) Vetter: Ich möchte die ergebene Anfrage an den hochgeehrten Herrn Bürgermeister richten, ob er uns vielleicht sagen könnte oder Aufklärung geben würde, was die Ursache ist, daß der Saatenmarkt von Wien verlegt werden soll. Es interessirt uns dies nmsomehr, als in der jüdischen Presse den Antisemiten die bekannte perfide Verdächtigung zugeschleudert wird, daß sie die Ursache der Verlegung sind. Ww sind es schon gewohnt, von diesem Gelichter