Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 37 (9.5.1889)
- Date
- 1889-05-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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MWWWW^MW 656 Schrittes das Zimmer. Sie hatte den Schritt des Majors erkannt, der um diese Zeit der Kranken seinen Besuch abzustatten Pflegte; sie mußte daher eilen, ihn von allem zu benachrichtigen. Orloffski war aufrichtig erfreut, als er vernahm, daß sein Schützling endlich zu vollem Bewußtsein gelangt war, und Frau Karawelawska war überglücklich, als er der Art und Weife, durch die sie die Kranke wenigstens für den Moment beruhigt hatte, seine volle Anerkennung aussprach. „So lange es möglich, müssen wir das arme Kind zu täuschen suchen, und darum ist es unerläßlich ihr Hiersein geheim zu halten." „Gewiß, gewiß, Herr Major, namentlich um meines Mannes willen. Wenn der wüßte, daß Löwenstein's Tochter hier im Hause ist — und gar daß ich sie pflege — am Ende würde er sich noch von mir scheiden lassen", fügte sie lachend hinzu, „denn so gut und gescheidt er im Uebrigen ist, wo es sich um einen Juden handelt, da ist er gleich aus dem Häuschen." „Fürchten Sie nichts", entgegnete der Major, „ich nehme alles auf mich. Aber, wollen Sie jetzt nicht wieder hineingehen? sie könnte erwachen —". „Gleich, gleich, Herr Major, gleich gehe ich hinein. Ich will nur eine Tasse Bouillon mitnehmen, das arme Ding, sie ist noch gar so schwach." Sie eilte in die Küche und kam nach wenigen Minuten mit dem erwähnten Stärkungsmittel zurück. „Ich denke mir, sie wird jetzt wach sein." Sie begab sich zurück in das Krankenzimmer, der Major folgte ihr auf dem Fuße. Leah war in der That erwacht; als sie den Major erblickte, überzog eine leise Röthe ihre sonst ltlienbleichen Wangen. Freundlich grüßend trat er näher und forschte theilnehmend nach ihrem Befinden. Schüchtern beantwortete sie seine Fragen und sprach dann in leise geflüsterten Worten ihren Dank aus für die Gastfreundschaft, die er ihr in Abwesenheit ihrer Eltern erwiesen. „Aber, liebes Fräulein, das ist ja nicht der Rede werth. Wenn ich eine Tochter hätte, hätten Ihre Eltern in ähnlichem Falle dieselbe nicht auch mit Freuden bei sich ausgenommen?" „O, gewiß", flüsterte Leah. „Also sehen Sie, daß Sie mir durchaus nicht besonderen Dank schuldig sind. Ihr Vater hat mir durch seine Geschäftskenntniß manchen Dienst erwiesen; ich freue mich daher aufrichtig, ihm einmal einen Gegendienst erweisen zu können." „Hat mein Vater nicht geschrieben?" fragte Leah schüchtern. „O gewiß, er erkundigt sich fleißig nach dem Befinden seines Töchterchens und versichert auch, daß es Ihrer Mutter bedeutend besser geht." Die Kranke athmete tief auf, es erschien ihr alles so seltsam, geradezu unbegreiflich. „Ist kein Brief für mich gekommen?" fragte sie leise. „Nein, Fräulein, Briefe dürfen Sie nicht erwarten. Der Arzt hat Ihrem Vater ausdrücklich erklärt, daß Sie, wegen Ihrer Kopfwunde noch mehrere Wochen weder schreiben noch lesen dürfen. Wie könnte da Ihr Vater Ihnen schreiben?" Leah athmete abermals tief auf, eine Thräne füllte ihr Auge; die Aussicht noch Wochen lang ohne direkte Nachricht von ihren Eltern verharren zu müssen, zog ihr das Herz zusammen. Der Major sah ihre Erregung und in freundlichen Worten bemühte er sich, sie zu beschwichtigen. (Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch öeu Buchhandel jtt bestehe» bei E. F. Steinacker. Lripstg. Daßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hanptdlatt): Leitende Artikel: Die Sprüche der Väter. — Handwerk und schwere Arbeit bei den Israeliten Rumäniens. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 2mal Berlin. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. — England : London. — Feuilleton: Schuld und Sühne. — Inhalt der ersten Beilage: Telegramm: Berlin. — Leitender Artikel: Literarischer Bericht — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Gailingen. Mannheim. Leipzig. Berent. — Oesterr. -Ung. Monarchie: Wien. Budapest. S. A. Ujhely. — Feuilleton: Paschol. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Görlitz. Lissa i. P. — Oest.- Ungar. Monarchie: 2mal Wien. Pesth. — Verantwortliche Redaction: Di. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu drei Beilage«.