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Der Israelit · 1889-05-06 · Heft 36 (6.5.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 36 (6.5.1889)
Date
1889-05-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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643 hielt in seinem Wege inne nnd mit den Armen gesticulirend setzte er seinen traurigen Jdeenlauf und seinen Gang fort. Wohl hatte er tausende von Lcidensgenossen, aber diese waren größtenteils noch jung, viele auch noch unverheirathet und diesen durfte es auch leichter fallen, sich auch anderwärts eine neue Lebensstellung zu erringen. Aber er war bereits in den Fünfzigern, hatte Frau und Tochter und führte bisher solch ein ruhiges, behagliches Leben. Er war als junger Maun eingewandert, hatte seine schönsten Jahre hier verlebt und nun soll er seine gesicherte soziale Stelle aufgeben, den Wanderstab ergreifen, mit Weib und Kind eine Irrfahrt antreten und aufs Neue den Kampf ums Dasein aufnehmen. — Dort, durch einen kleinen Garten von der Straße geschieden, lag das Häuschen, sein trautes Heim in nächtlicher Stille. Am offenen Parterrefenster gewahrte er das milde Gesicht seiner Frau, während die schlanke, von einem lichten Kleide umwallte Gestalt seiner Debora sich am grünen Plane abzeichnete. Im Grase zirpt eine Grille, in ihrem Schlage girren die Tauben und das epheuumrankte Häuschen, von dem Mondlichte stellenweise umflossen, bietet inmitten der prosaischen, pustenden Fabrikstadt den lieblichen Anblick einer Idylle, daß er für einen Moment seine trüben Gedanken vergißt und wie geblendet, die Augen schließt. Aber in seiner Brusttasche ruht der verhängnißvolle „Ukas", die furchtbare Wirklichkeit grinst ihn an, und er getraut sich kaum die Schwelle seiner Behausung zu betreten. Sein scheuer Blick, das zuckende Gesicht, auf welchem sich seine inneren Empfindungen abspiegeln, muß natürlich den Seinigen auffallen und er wird mit ängstlichen Fragen bestürmt, was ihm zugestoßen sei. Neublum zwang sich ruhig zu erscheinen, was ihm aber nicht gelingen wollte und beim Anblick seiner mit zärtlichen Worten ihn überhäufenden Frau und Tochter, konnte er es nicht verhindern, daß eine Thräne, von der Rührung erpreßt, ihm die Wange herunterträufelte. Er schöpfte tief Athem, Frau Neublum drang mit ängstlichen Bitten in ihn, ihr seinen Kummer mitzutheilen und Debora bedeckte seine Hände mit Küssen. Josef faßte sich einigermaßen und begann: „Beruhigt Euch, meine Lieben; es ist nichts vorgefallen, worauf wir nicht schon seit Monaten gefaßt waren und wir theilen nur das Schicksal unserer übrigen Glaubensgenossen, welche jenseits der russ. Grenzpfähle das Licht der Welt erblickt haben. Wir waren ja stündlich gewärtig, daß das Unvermeidliche eintreffen werde, nun es geschehen, dürfen wir nicht verzweifeln, sondern müssen auf Gott vertrauen. Er wird uns nach unserer alten Heimath wohlbehalten geleiten und uns auch dort nicht verlassen. Ich habe eine vierwöchentliche Frist, unsere Angelegenheiten zu ordnen, eine kleine Prolongation wird sich auch erwirken lassen, ich werde nicht die Hände in den Schooß legen, verlieret nicht den Muth." Er hielt inne und eine beklemmende Stille trat ein. Frau Rebekka Neublum faltete die Hände und heftete ihre Blicke gen Himmel. Nur Debora wurde von einer hefttgen Erregung ergriffen, abwechselnd blaß und roth, ihre Augen umflorten sich und wie im Innersten erschüttert verließ sie hastig das Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Hlöffeksprung. rin D3 '7 J Q Vt N Y m 'y AI y w Ayl a NL? Ain 03 y n ' 1 II i \ -> n y ' q A3 y — — — PA * — | W | W i i 9 Di” n? y rix ly n i Y Dl” fl '2 Dfl — n ■je D'H i Die Lösung ergibt einen Vers, welcher im ")DN enthalten ist und an den jetzigen Zeitabschnitt erinnert. Anmerkung. Die Namen der Einsender von richtigen Lösungen der Seder-Abend - Räthsel konnten wir wegen Raummangel nicht veröffentlichen, da ihre Anzahl zu groß. Wochen - Kalender. Donnerstag, 9. Mai, 8. Jjar »w'vki myn Freitag, 10. Mai, 9. Jjar. Samstag, 11. Mai, 10. Jjar 'J pnD "IN2 Sabbat-Ausgang 8 Uhr 25 Uhr (Mainzer Uhr).

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