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Der Israelit · 1889-05-02 · Heft 35 (2.5.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 35 (2.5.1889)
Date
1889-05-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. habr. Euchi- , „ M 35. Israelit««*Zeschurun. Ikttschrlst W FördttW jlid. Grljtrs und jSd. Kkbrus in Haus. Gmeiudr Md Mule. Kentrat-Hrgan für das orthodore Judentum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Donner st ag, den 2. Mai 5649 (1889). Leitender Artikel £>ie Sprüche der Waler. Viertes Buch. II. Mainz, 29. April. Die erste Frage, welche wir im vorigen Kapitel in Bezug auf den Ausspruch ben Soma's aufgeworfen haben, ist die, warum der Weise gerade die vier, von ihm namhaft gemachten Eigenschaften erörtert und nicht auch andere, anscheinend ebenso wichtige und bedeutende. Auch Rabbi Jochanan faßt diese vier Eigenschaften zusammen, indem er sie als die Vorbedingungen des prophetischen Geistes bezeichnet (Nedarim 38 a.). Rabbi Jochanan sagte: „Der Heilige, gelobt sei Er, läßt den prophetischen Geist nur auf einem solchen Manne ruhen, der ein Held, der reich, weise und demüthig ist." Die zuletzt angegebene Eigenschaft läßt sich mit der entsprechenden in ben Soma's Ausspruch ganz gut vereinen, da der Demüthige seine Mitmenschen ehrt. Die beiden Weisen scheinen wiederum einen Ausspruch des Propheten Jirmijahu sich zum Vorbilde genommen zu haben (Cap. 9, V. 22 und 23): „So hat gesprochen der Ewige: Nicht soll sich rühmen der Weise mit seiner Weisheit und nicht soll sich rühmen der Held mit seinem Heldenthume, nicht soll sich rühmen der Reiche mit seinen! Reichthume; sondern mit diesem mag sich rühmen der sich Rühmende: einzusehen und erkennen Mich, denn Ich, der Ewige, übe Liebe, Recht und Wohlwollen auf Erden, denn an diesen habe ich Wohlgefallen, spricht der Ewige." Die drei ersten von dem Propheten namhaft gemachten Eigenschaften stimmen wörtlich mit denen unserer Mischnah überein; auch die vierte läßt sich leicht mit der vierten Eigenschaft, die ben Soma nennt, in Uebereinstimmung bringen: wer den Menschen Liebesthaten erweist, wer das Recht zu handhaben sich bemüht, wer die Handlungen seiner Mitmenschen niit Wohlwollen beurtheilt, der ehrt die Menschen und wird von ihnen geehrt. — Da nun ein Prophet und zwei weise Lehrer Israels diese vier Eigenschaften, nicht mehr und nicht weniger, hervorheben, so müssen wohl diese alles Gute und Herrliche umfassen, was der Mensch zu erlangen vermag. Der Hauptbestandtheil des Menschen ist seine unsterbliche Seele, der Geist, ein Hauch gleichsam vom Geiste Gottes; die Seele wohnt in dem Körper; die Vereinigung beider ist der Mensch; als Drittes kömmt hinzu der Besitz: was mein ist an Kleidern, Speisevorräthen, mein Haus, meine Felder, mein Gold, mein Silber 2c. Der Mensch kann jedoch als Einzelwesen nicht leben; er ist auf Geselligkeit und Gesellschaft angewiesen. Gerade ben Soma ist es, der diese Wahrheit uns lebendig zur Anschauung bringt, wie wir es im vorigen Capitel (nach Berachoth 58 a.) ausführlich dargeftellt haben. Dort hat es der Weise ausgesprochen, daß ein Mensch für sich allein unmöglich ein menschenwürdiges Dasein zu führen vermag; die Menschen müssen miteinander und füreinander leben; es gesellt sich also zu Seele, Körper, Besitz noch ein Viertes der Umgang, der Verkehr mit den Mitmenschen. Die Ausbildung des Geistes nennen wir Weisheit, die Ausbildung der Körperkraft nennen wir Heldenstärke, die Ausdehnung des Besitzes nennen wir Reichthum, und Ehre heißt die Art des Verkehrs mit den Mitmenschen, welche der Achtung und dem Wohlwollen derselben entspringt. Wir sehen also, daß diese vier Eigenschaften den ganzen Menschen und was zu ihm gehört umfassen; es

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