Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1889)
- Date
- 1889-04-15
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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W"Wffy .sTHia für bflsGÜ^- MM Brchödöxe MudenchundÄ A BON -Q^ i-C/M Q5ESv.^ [1889* 15. AprilZ bhs David Lammt. Ein Soldatentypus. Ob er's wohl ahnen mag, der arme gute Kerl dort in der waldigen Bukowina, daß hier in Lettern, die ihm bislang Hieroglyphen geblieben, sein Ruhm verkündet wird; daß sein Major, zu dem er emporgeblickt wie zu einem der heiligen Propheten seines Volkes, von ihm viel Rührendes und Wackeres erzählte, das nicht in leere Luft verhaucht, sondern hier wiedergegeben sein möge zu wahrer Erbauung und zur Kräftigung des Glaubens an den edlen, tüchtigen Kern des Menschenthums, in welcher äußeren Schale immer derselbe sich uns zeigt. David Lämml war wirklich ein origineller Kauz und selbst die Uniform, die ja Alle gleich machen soll, konnte ihm nichts von seiner scharf ausgeprägten Individualität rauben. Wenn er in Reih und Glied stand, machte er gerade keine schlechte Figur und nur der stets ein wenig vorgebeugte Kopf beeinträchtigte seine militärische Haltung. Daß David Lämml trotz hundertfacher Ermahnungen den Kopf vorneigte, hatte seinen Grund in dem Berufe, destt der Wackere vor seiner militärischen Laufbahn angehörte. Er war nämlich „Belfer" l Was dieser seltsame Name bedeutet? Er ist die Verballhornung des Wortes „Behelfer", mit welchem in den jüdischen Schulen Galiziens der Hilfslehrer, Korrepetitor bezeichnet wird. Als solcher hatte David Lämml der hoffnungsvollen Jugend die Worte der heiligen Schrift und der Gemara in dem traditionellen, Jahrhunderte alten Singsang vorzutragen, wobei der Kopf sich im Takte bewegte und die auf- *) Unbefugter Nachdruck verboten. rechte Haltung verlernte. Ein Blick in das scharfgeschnittene Gesicht David Lämml's, in welchem die Brauen buschig zusammenliefen, hätte gar leicht zu der Ansicht verleitet, man habe einen harten, unbeugsamen Gesellen vor sich, doch entsprach Lämml's Wesen seinem Namen weit mehr als seinem Aeußeren. Ein selsamer Anlaß war's, bei welchem er dem Major zuerst auffiel. Die Kompagnie hatte den Tag über schwere Excerzitien gemacht und dabei sich so wacker gehalten, daß der Major, der erst wenige Tage vorher aus weiter Ferne in die Garnison eingerückt war, sich bewogen fühlte, die Burschen mit Bier und „Würsteln" zu regaliren. Versteht sich, daß Alles mit köstlichem Behagen zugriff und dem seltenen Leckerbissen wacker zusprach. Mit inniger Befriedigung sah dies der Major, der um die im Kasernenhof ausgestellten Tische die Runde machte und die Mannschaft anfeuerte. Nur Einer saß da, mit glühendem Gesichte und verlegen zu Boden gesenkten Blicken, nur Einer, der die vor ihm stehenden appetitlichen Würste unberührt gelassen hatte und dieser Eine war — David Lämml. Betreten schaute ihn der Major an und rief ihm zu, sich zu erheben. Nachdem er den Mann nach seinem Namen befrag! und tief in feine scheuen Augen geblickt hatte, wollte er wissen, weßhalb er das ihm von seinem Vorgesetzten angebotene Mahl verschmähe? Voll Spannung und nicht ohne hämische Schadenfreude blickte die Tischgesellschaft auf den armen David Lämml, der zitternd und voll Angst daftand. Je