Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 30-31 (15.4.1889)
- Date
- 1889-04-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX. Jahrgang. Zweite Beilage M M 30 & 31 des „3srnflit” & „Ieschurun". ZeitungSnachrichte« ttufr Gsrrespoudeuze« Deutschland. K. Berliu. Zum Andenken an den großen, dahingeschiedenen Rabbiner S. R. Hirsch y: wurde hier auf Anregung eines Enkels desselben ein Verein für homiletische und halachische Vorträge gegründet, unter dem Namen „Rabb. Hirsch-Verein", /a# r6ru". Der Verein besteht aus jungen Leuten, deren ernstes Streben es ist, dem großen Manne, unter dessen Namen sie sich vereint, nachzueifern. Allsabbatlich werden von Rabbinats- und Lehramtskandidaten abwechselnd homiletische und halachische Vorträge gehalten. England. London, 9. April. Heute Nachmittags fand die Preisvertheilung in der Talmud-Thora-Schule statt, wozu sich eine große Anzahl Talmudgelehrter und angesehener Gemeindemitglieder einfanden. Diese Lehranstalt hat zum löblichen Zwecke, den hier eingewanderten polnischen Kindern Unterricht im Hebräischen (Bibelübersetzung, Mischna und Gemara) zu ertheilen und wird das Budget lediglich durch Wochenbeiträge von nicht reichen Leuten gedeckt. Mehrere hundert Kinder lernen jeden Abend, nachdem der Tagesunterricht in der Freischule, die sie besuchen, beendigt ist, noch zwei volle Stunden Hebräisch. Der Unterricht wird im Jargon ertheilt und verleihet dieser Anstalt den Charakter eines altmodischen -nn. — Der erste Vorstand Herr Goodmann und der zweite Vorstand Herr Leopold Löwenstein (aus Frankfurt a. M.) erwerben sich große Verdienste, um das Gedeihen dieses vorzüglichen Lehrhauses, und richtig bemerkte Herr Löwenstein in seiner Ansprache, daß möglicherweise, wenn die Anstalt von den Reichen gegründet worden wäre, nicht solche treffliche Resultate erzielt worden wäre. — Es ist zu wünschen, daß für die Beschaffung größerer Lokalitäten nun auch baldmöglichst gesorgt werden möge, damit den sich täglich meldenden Jungen Aufnahme gewährt werden könne —, denn leider sind in den jüngsten Monaten Hunderte von Anmeldungen aus Mangel an Platz unberücksichtigt geblieben. — Wir möchten daher anrathen, die bisher durchgeführte Regel, die reichen Leute nicht um Spenden anzugehen, keinesfalls zum Prinzip zu erheben. — Australien. Melbourne. Herr Ephraim Zox wurde zum siebtenmale in die gesetzgebende Versammlung der Provinz Victoria gewählt. Feuilleton. Iur He schichte der Juden in Hesterreich. (Schluß.) Auch in Bezug auf einige noch bestehende Ehehinderniffe wird von protestantischer Seite mehr als von jüdischer Seite geklagt: ein katholischer Geistlicher, welcher die höheren Weihen empfangen oder eine Ordensperson, welche das Gelübde der Ehelosigkeit abgelegt hat, darfauch nach dem Uebertritt zum Protestantismus nicht hetrathen; auch bleibt das eheliche Band unlöslich, wenn auch nur ein Theil zur Zeit der geschloffenen Ehe katholisch war. Da es wohl kaum Vorkommen dürfte, daß ein katholischer Geistlicher zur jüdischen Religion Übertritt, so berührt diese Bestimmung die Juden sehr wenig. Dr. Witz schließt sein Werkchen mit einem umfangreichen Verzeichniß der Geschenke und Gaben, welche Kaiser Franz Joses für evangelische Gemeinden, Unterrichts- und Wohlthätigkeitsanftalten gespendet hat. Ein solches Verzeichniß findet sich bei Wolf nicht. Hat er es vergessen oder ist ihm darüber nichts bekannt geworden? Wenden wir uns nun zu dessen zweitem bereits erwähnten Werke „Aus der Zeit der Kaiserin Maria Theresia" (A. Hölder, Wien 1888) so können wir uns kürzer fassen. Es ist leicht begreiflich, daß nach dem Meisterwerke Arenth's weder viel Neues geboten, noch das durch ihn firn? Charakterbild der Kaiserin wesentlich in 1' fi f ' dm konnte. Doch lassen sich immer noch munaK Züge in ihrem Porträt schärfer darstellen, manche Details zur genaueren Kenntniß ihres Charakters an's Licht ziehen. Diese bescheidene Aufgabe hat sich Wolf gestellt und sie, soweit es in einem Heftchen von kaum hundert Seiten thunlich war, gelöst. Wo viel Licht, da ist auch viel Schatten, sagt man gewöhnlich. Ob unsere modernen Optiker dieses Diktum so unbedingt approbiren, weiß ich nicht; aber im politischen Leben hat es noch immer seine Berechtigung, und so wenig ein Kaiser die Gesetze