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Der Israelit · 1889-04-08 · Heft 28 (8.4.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 28 (8.4.1889)
Date
1889-04-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mchrlst Mir FSrdkmg jSd. Gcistes ttnü \B. febetts iii Mus. Gmeillbe uus Mule. KenLrat-Zrgan für das ortöodore Iudentßum. for. Buohhs:-. diu M 28. Israelit «* Jeschumn Herausgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Montag, den 8. April 5649 (1889). Leitender Artikel Kagadah schek Feßach. Vierte Serie. VIII. Mainz, 1. April. WLP'1 131*1 121«Sn ns ’JSl 1DbU» riDS O1LP .dh'n p«n *6öm ind inos „Kräftig — wie es heißt (2. B. M., Cap. 1, V. 7). Und die Söhne Israels waren fruchtbar, vervielfältigten sich, und vermehrten sich und wurden stark ungemein sehr, und voll ward das Laud ihrer." In dem von der Hagadah angeführten Beweisverse finden wir sechs Ausdrücke, von denen der eine den andern ergänzt; sie waren fruchtbar, alle ohne Ausnahme, kein Unfruchtbarer war unter ihnen; sie vervielfältigten sich, durch zahlreiche Geburten, indem eine jede Frau stets mehreren Kindern aus einmal das Leben gab; sie vermehrten sich, denn während sonst bei Drillingen, Vierlingen rc. die Kinder bald zu sterben pflegen, blieben diese alle am Leben; und sie wurden stark, denn, während sonst derartige Kinder zart und schwächlich zu sein pflegen, wurden diese stark und kräftig: iw to — das Wort iw heißt auch „Vermögen"; während sonst durch eine zahlreiche Nachkommenschaft das Vermögen vertheilt und dadurch verkleinert wird, erhielten sich die Nachkommen Jakob's auf der Höhe des Wohlstandes. „Und das Land ward ihrer voll." Unsere Weisen bemerken im Midrasch, daß diese letzte Bezeichnung in unserem Verse nicht im Wortsinne zu nehmen sei, da ja natürlich die Egypter trotz allem die überwiegend große Mehrzahl der Einwohner des Landes bildeten. Die Weisen geben diesen Worten der heiligen Schrift eine merkwürdige Deutung, indem sie lehren: Und das Land ward ihrer voll — in den Theatern und in den Circushänsern. Die Israeliten, die sich eines großen Wohlstandes ersreueten, suchten die Vergnügungsstätten im Lande derart häufig und zahlreich aus, daß man hätte meinen so len, der größte Theil der Einwohnerzahl des Landes bestehe aus Israeliten. Was war die Folge davon? ünnDn um» ijrn „Und es mißhandelten uns die Egypter und sie machten uns arm und legten uns eine harte Sclaverei auf." Namentlich die Vergnügungssucht der Hebräer war es, welche den Neid der Egypter hervorrief und sie zu den härtesten Maßregeln veranlaßte. Diese Vergnügungssucht ist eine beklagenswerthe Eigenschaft, welche viel Leid und viele Schmerzen über Israel gebracht hat. Auch in unseren Tagen ist die antisemitische Bewegung größtentheils dadurch hervorgerufen worden, daß so viele unserer Glaubensgenossen den Neid der Nichtjuden heraussordern. Im Theater, im Circus und an allen öffentlichen Vergnügungsplätzen sind die Juden und Jüdinnen stets so stark vertreten, daß es nur zu sehr Aufsehen erregt. Noch vor wenigen Jahrzehnten widmeten die Söhne Israels die Erholungsstunden nach des Tages Mühen und Lasten dem Studium der heiligen Gotteslehre; sie kamen zusammen, um gemeinsam in der schriftlichen und der mündlichen Lehre ihren Geist auszubilden und ihr Wissen zu vermehren. Von diesem Streben sind nur noch geringe Spuren vorhanden. In Folge der Freizügigkeit haben sich sehr viele Juden in den großen Städten niedergelassen, und sie genießen die Vergnügungen der Großstadt in vollen Zügen. Daher sind auch die Großstädte: Berlin, Wien, Breslau, Leipzig rc. die Hauptsitze und Impulse des Antisemitismus. Wärest du weise, mein Volk, und genössest du die dir gewordene Freiheit mit Mäßigung,

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