Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1889)
- Date
- 1889-04-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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506 *mm* ww**- nahmen sie lebhaften Antheil an dem Aufblühen der Colonien dieses Welttheils und an der Belebung des Handels und Verkehrs daselbst. Große und berühmte englisch-jüdische Geschäftssirmen errichteten hier Filialen und Agenturen, wodurch sie auch den Wohlstand ihres Mutterlandes vermehren helfen. Heutzutage beträgt die Anzahl der Juden in sämmtlichen australischen Colonien ungefähr 18,000 bis 14,000. Die letzte Volkszählung ergab nämlich 5000 Juden für die Colonie in Victoria und ebenso viel für Neu-Süd-Wales, während der Rest auf die anderen Niederlaffungen entfällt. Von dey Juden in der Provinz Neu-Süd-Wales befindet sich der größte Theil in deren Hauptstadt Sydney. Hier, in dieser Stadt nehmen die Juden eine achtunggebietende Stelle ein. Unter denselben ragen besonders hervor Sir Samuel Saul und Mr. Julien Salomons. Letzterer ist ein hervorragender Jurist und wurde ihm erst vor Kurzem das Justizportefeuille der Colonie angeboten, das derselbe auch annahm, aber auch sogleich wieder niederlegte. Ersterer ist General-Agent der Colonie in London, und hat er auf diesem Posten seinen Committenten schon große und wichtige Dienste geleistet. Beide Ehrenmänner haben aber auch der jüdischen Gemeinde in Sydney schon große Dienste geleistet, denn Herr Saul war schon mehrere Male Präsident dieser Cultusgemeinde und Her? Salomons war früher Secretär derselben. Unter den andern hervorragenden Juden Sydneys wollen wir nur nennen: die Herren E. Cohen, S. A. Joseph, dann die Träger der Firmen H o f f n u n g, Levy, Benjamin, Marks, Gotthelf, Nathan, Phillips, die auch in der Geschäftswelt eine höchst geachtete Stellung einnehmen. Die Gemeinde von Sydney ist eine ungetheilte, da sie nur eine Synagoge besitzt, die sich in Georgs Street befindet und in ihrer Schönheit mit jedem Andachtsgebäude in dieser Stadt wetteifern kann. Auch dem Innern dieses Gotteshauses hat die Gemeinde große Aufmerksamkeit zugewendet und ist auch die Andacht in demselben eine musterhafte. Leider hat die Gemeinde in ihrem zu großen Schönheitseifer auch mehrere Reformen in den Cultus eingeführt, welche von den englisch-jüdischen Gemeinden gewöhnlich perhorrescirt werden. So werden die Haftorah und einzelne Gebete in englischer Sprache vorgetragen und dann befinden sich in dem Chore auch mehrere Mädchen, deren Anblick wahrlich nicht besonders zur Hebung der Andacht beiträgt. Als Seelsorger der Gemeinde fungirt Rev. A. B. Davis, der dieses heilige Amt schon seit ttm einem Viertel Jahrhundert bekleidet. Während seiner langen Amtsdauer wußte derselbe sich das volle Vertrauen seiner Heerde zu erwerben. Ihm verdankt man es, daß der Sabbat in Sydney heute strenger beobachtet wird, als in irgend einer andern Gemeinde Australiens und sind auch die meisten jüdischen Geschäfte an diesem Tage geschlossen. Wie jede jüdische Gemeinde besitzt auch Sydney seine philantropischen und Wohlthätigkeitsvereine. Die jüdische Mildthätigkeit blüht ebenso herrlich im kalten Schweden, wie im heißen Indien oder unter den sengenden Strahlen der afrikanischen Sonne. Zum Andenken des unvergeßlichen Moses Montefiore jn haben die Juden Sydney's ein paar tausend Pfund zusammengeschosfen, um davon ein Montefioreheim zu errichten. Das Gebäude, das eben vollendet wurde, liegt im Moore Park und ist eine Zierde der Stadt. Sogar ein jüdisch-wissenschaftlicher Verein existirt in Sydney, dessen Präsident Rev. Davis ist. Dieser Verein wurde vor zwei Jahren erst gegründet und darf man sich daher noch keine reiche Fruchternte von demselben versprechen. Leider herrscht auch in Australien wie in Amerika ein zu starker Geschäftsgeist, der den Sinn für jüdische Literatur und Geschichte nicht aufkommen läßt. Auch der religiöse Unterricht leidet unter diesem Umstande ungemein, was gleichfalls auf das jüdische Leben nachtheilig einwirkt. Indessen besitzt Sydney seinen eigenen jüdischen Erziehungsrath, dessen Präsident Herr Cohen ist und der sich aufrichtig bestrebt, den ihm obliegenden pädagogischen und religiösen Pflichten aufs gewissenhafteste nachzukommen. Von den 300 jüdischen Schülern Sydneys nehmen gewöhnlich 250 an dem Religionsunterrichte Theil. Als Oberlehrer fungirt jetzt Herr Louis Pulver, der zu den hervorragendsten jüdischen Pädagogen der Neuzeit gehört und der in seinem Fache große Erfahrungen besitzt. Derselbe war früher durch mehrere Jahre Lehrer an der jüdischen Schule in Melbourne, wo er sich gleichfalls die Achtung seiner Vorgesetzten und die Liebe seiner Zöglinge zu gewinnen verstand. Auch eine Sabbatschule existirt in Sydney, die von Rev. Davis geleitet und gewöhnlich von 160 Schülern besucht wird. Außer Sydney existirt keine andere regelmäßig constituirte jüdische Gemeinde in Neu-Süd-Wales. Indessen befinden sich in dieser Provinz mehrere Minjanim, die später zu blühenden jüdischen Gemeinden heranwachsen dürften. Israel gedeiht doch unter jedem Klima und in jedem Lande und so wird es bald auch in Australien mehrere jüdische Gemeinden geben. n fi m