Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 27 (4.4.1889)
- Date
- 1889-04-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. Zweite Beilage }UJ?27 öes„Israelit"L„Ieschuriln". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. In manchen Gegenden ist man — wie wir erfahren — der Ansicht, daß man Geschirr aus echtem Porzellan, welches bereits im Gebrauche gewesen, für nos, ähnlich den Glaswaaren, „kaschern" könnte; das ist ein Irr LH um. Porzellan, welcher Art es auch sei, kann nicht „gekäschert" werden. Bei der Neuanschaffung desselben muß man besonders darauf achten, daß man solches bekömmt, direct, wie es aus der Fabrik bezogen, da manche Porzellanhandlungen das Geschirr für Hochzeiten und andere Festlichkeiten zu vermiethen pflegen. Aus Baden. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, wenn Lehrer, statt unserer Religion mit ganzem Herzen und ganzer Seele anzuhangen, immer mehr in das Fahrwasser der Freireligiosität lenken. Ja, sogar vom Standpunkte der Reform sind sie ganz abgekommen, alle jüdischen Pflichten haben sie abgestreift und sind nur noch ihrem Namen nach, weil er jüdisch klingt, Juden. Und solche Juden hat man in Baden noch zu Lehrern auserkoren, die unsere Jugend in unsere heilige Religion einführen sollen! Es ist höchste Zeit, das Gebühren dieser Herren wegen ihren nichtreligiösen Handlungen an den Pranger zu stellen. Man lese und staune: Ein junger eingebildeter isr. Lehrer, dem das Besuchen der Synagoge kein Bedürfnis, zog es vor am GHiD Morgen den Gottesdienst in der katholischen Kirche in dem Dorfe Fr. im bad. Oberlande, woselbst er stationirt, zu besuchen, und macht in Weihwasser eingetaucht verschiedenemal das Kreuz. Die am Purim Morgen zu hören, das hatte er wegen seiner religiösen Anschauungen nicht nöthig, und er suchte sich deßhalb in der katholischen Kirche dafür Ersatz. Wie ein solcher Lehrer unsere Jugend in unserer heiligen Lehre unterweisen soll, ist mir nicht denkbar, und ein Räthsel bleibt es mir für immer, wie dieser junge Herr, in einem Jahre zu Karlsruhe sich die jüdischen Kenntnisse in dem Maße erwarb, um als Religionslehrer fungiren zu können, denn vorher besuchte er das Gymnasium zu L., wo er nicht nur n:to, sondern auch rurn twn entweihte, in dem er an diesen Tagen Vieles that, was religiös verboten ist. Ich bewundere die jüdischen Lehrkräfte am Karlsruher Seminar, die es fertig bringen, einen jungen Mann, der kaum hebr. lesen kann, in einem Jahre zum Lehrer unserer Religion auszubilden. Hoffentlich werden diese Zeilen ihren Zweck nicht verfehlen und den jungen Lehrer veranlassen, in sich zu gehen und seinen Lebenswandel zu ändern. Frankreich. Paris. Der neue französische Justizminister, welchem auch das Cultusmknisterium untersteht, hat zum Chef seines Secretariats den Advokaten Herrn Joseph 2eott, Sohn Alexander 2eon’§, des Präsidenten des israelitischen Consistoriums von Bordeaux , gewählt. Wenigstens kann jetzt dieser Minister in jüdischen Angelegenheiten, wenn er will, einen Juden befragen. Türkei. Konftantinopel. Kürzlich begegneten zwei griechische Damen am Bord eines Schiffes am goldnen Horn in Konstantinopel einem Israeliten, der ein zweijähriges Kind auf dem Arme hielt. Sie hielten sich verpflichtet, das Kind, welches sie für ein griechisches hielten, den Armen des Juden zu entreißen. Die Abwehr des Unschuldigen, das Dazwischentreten des Capitäns, nichts konnte die Furien beruhigen. Der Streit begann auszuarten, so daß der Capitän genöthigt war, an einer der nächsten Stationen anzulegen und Klägerinnen und Geklagten den Händen der Polizei zu überliefern. Dort hatte der Jude keine Mühe nachzuweisen, daß es ein jüdisches Kind sei, und wurde er demgemäß sofort in Freiheit gesetzt. Amerika. New-Aork. Am 14. Februar eröffnete Prediger Leucht von hier die gesetzgebende Versammlung von New-Aersey mit einem Gebete. Er ist der erste Rabbiner, der bei der New-Aersey Legislatur in dieser Weise fungirte und ist die gegenwärtige Legislatur überhaupt die erste, in welcher ein Jude einen Platz hat. Australien. Sydney. Unter den nach unserem Welttheile eingewanderten fremden Nationen und Völkerschaften nehmen die Juden wahrlich nicht den letzten Platz ein. Gleich vom Anbeginne dieser Einwanderung