Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 26 (1.4.1889)
- Date
- 1889-04-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. KeilageM^26 ürs„I8raklit'L„Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr. Deutschland. Heilbronn, 22. März. An Stelle des auf sein Ansuchen aus unbestimmte Zeit beurlaubten Herrn Rabbbiners Dr. Engelbert hier wurde von der Israelitischen Oberkirchenbehörde Hr. Dr. Berthold Einstein aus Ulm, längere Zeit Rabbiuatsverweser in Halle a. d. S., mit der Führung der sämmtlichen Nabbinatsgeschäfte betraut. Frankfurt a. M. Der Verein zur Bekleidung bedürftiger israelitischer Schulmädchen bekleidete im Jahre 1888 149 Mädchen (gegen 130 im Vorjahr). An Geschenken erhielt derselbe M. 1220 (gegen M. 1952 im Vorjahr), an Jahresbeträgen M. 947, an Zinsen M. 300. Das Vermögen beläuft sich aus M. 7600. Hamburg. Dem Bericht des Vereins für Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder zu Hamburg entnehmen wir: Der Verein für Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder zu Hamburg beendigt jetzt das fünfte Jahr seines Bestehens. Trotz besonderer Schwierigkeiten kann der Verein mit freudiger Genugthuung auf die bisherige Thätigkeit zurückblicken, denn sein Zweck, schwachen israelitischen Kindern die Pflege angedeihen zu lassen, deren Beschaffung den Vermögensverhältnissen der Angehörigen unmöglich ist, wurde mit jedem Jahr gefördert, wenn auch die gestellte hohe Aufgabe aus Mangel an Mitteln bisher nur in beschränktem Umfang erfüllt ist. Der Verein richtete alljährlich Sommerkolonien auf dem Lande ein und zeigten die erzielten Erfolge, wie segensreich die den Kindern auch nur zeitweilig zu Theil gewordene Pflege wirkte. Schwach und kränklich, vielfach scrophulös behaftet, wurden die Pfleglinge vom Verein ausgenommen, ihr Gesundheitszustand besserte sich aber während ihres Aufenthalts in den Sommerkolonien meist derart, daß sie nach Auflösung derselben gckräftigt und geheilt zu den Ihrigen zurückkehren konnten. Nur in wenigen Fällen wurden bereits früher berücksichtigte Pfleglinge von Neuem bei dem Verein angemeldet und spricht diese Thatsache am besten für die anhaltende Nachwirkung aut das Wohlbefinden der Kinder. Ein wesentlicher Uebelstand machte sich wieder hvltermaßen gelegentlich der Beschaffung geeigneter Räumlichkeiten für die Kolonien geltend, denn, abgesehen von der stetig wachsenden Anzahl der Pfleglinge und den entsprechend zu vergrößernden Anstaltsräumen, hatten sich bei den ersten Kolonien Mängel örtlicher Art gezeigt, welche bei Einrichtung der späteren vermieden werden sollten und auch nach Möglichkeit vermieden sind. Die Kolonien wurden von Lehrern und Lehrerinnen ständig beaufsichtigt und ist deren umsichtigen Leitung der erzielte Erfolg nicht unwesentlich zu verdanken. Bei günstiger Witterung hielten die Pfleglinge sich immer im Freien auf, nahmen an gemeinschaftlichen Gartenspielen oder Spaziergängen im Gehölz Theil und verbrachten bei ungünstigem Wetter die Zeit im Hause, wo sie sich mit Spielen unterhielten oder ihnen vorgelesen wurde. In wiederholten Fällen wurden hilfsbedürftigen Kindern am hiesigen Platze auf deßfallsiges Gesuch Unterstützungen nach ärztlicher Vorschrift durch Verabfolgung von Wein, Fleisch und anderen kräftigen Nahrungsmitteln gewährt, auch mehrere Male Bandagen und Instrumente beschafft, welche nach dem Ausspruch der Aerzte zur Erhaltung der Gesundheit des betr. Kindes erforderlich waren, deren Preis aber die Vermögensverhältnifse der Angehörigen überstieg. Die Zahl der Pfleglinge belief sich 1884 auf 41, 1885 auf 64, 1886 auf 69, 1887 auf 72 und 1888 auf 73. Wenn bereits bemerkt wurde, daß der Verein sein Zweck aus Mangel an Mitteln bedauerlicher Weise nur im geringem Umfang erfüllen konnte, denn trotz wirklicher Nothlage fand durchschnittlich kaum die Hälfte der erfolgten Anmeldungen von Pfleglingen Berücksichtigung, so vermag der Vorstand seinerseits nicht dringend genug das Interesse des gesammten Publikums für die erstrebten Ziele anzurufen, wobei noch besonders darauf hingewiesen wird, daß gemäß den Statuten ein bestimmter Theil der Jahresbeiträge und anderer Vermögenszuwendungen zwecks Ansammlung eines Kapitals zur Gründung einer Pflegeftätte für schwache Kinder zurückgelegt wird. Im Hinblick auf die erfreulichen Erfolge der in unserer Vaterstadt sür Zöglinge der Volksschulen eingerichteten Kindervolksküchen und zufolge der von maßgebender ärztlicher Seite er-