Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1889)
- Date
- 1889-03-28
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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•*TT-?'- 471 Anrrgnng bej. DrslhWe int Gründung eines nllgemetnen drntsih-lstnel. kehrcrdnndes. Von Wolff, NUrich. Im August 1887 hielt ich auf der Lehrerkonferenz in Emden über das in der Ueberschrift genannte Thema einen Vortrag, und meine Ausführungen fanden bei fast allen dort anwesenden Kollegen ungetheilten Beifall. Es wurde darum auch der Vorsitzende unseres Vereins beauftragt, den Vorständen sämmtlicher Lehrervereine in Deutschland Mittheilung über unsere Idee zugehen zu lassen und dieselben aufzufordern, unseren Gegenstand auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz zu setzen. Es ist dies denn auch fast ausnahmslos geschehen. Die Ergebnisse jener Beschlußfassungen sind uns in der Folge mitgetheilt worden; sie waren theils zusagenden, theils ablehnenden Inhalts. Die Ablehnungen erfolgten jedoch alle unter Begründungen, die uns nicht im Zweifel ließen, daß man von unserem Ziele keine Ahnung hatte. Wir können hierbei uns selbst von einer gewissen Schuld nicht lossprechen, da wir den betreffenden Vereinen nur die kurz gefaßte Resolution zugesandt und es versäumt hatten, einen Auszug aus dem genannten Referate beizulegen. Es ist mir darum auch in der diesjährigen Konferenz der Auftrag geworden, meine Arbeit in gedrängter Kürze zu veröffentlichen. Es ist meines Wissens das erste Mal, daß eine Versammlung isr. Lehrer das in der Ueberschrift genannte Thema auf die Tagesordnung gesetzt hat, obwohl recht gut vermuthet werden darf, daß schon mancher Kollege dieser Idee im Geiste näher getreten sein mag. Wenn ich nun heute mit einer kurzen Ausführung des Referats hervortrete, so bitte ich vor allem um ein wenig Nachsicht, falls ich hie und da etwas vortragen sollte, das vielleicht vor Ihren kritischen Urtheil nicht Gnade finden sollte. Ich selbst bilde mir nicht ein, Ihnen hiermit ein fertiges Ganze vorzulegen, bin auch nicht so eigensinnig, gerade darauf Gewicht zu legen, daß nur im Sinne meiner Darlegung die weitere Anbahnung und Ausführung dieser Angelegenheit erstrebt werden müsse. Es ist mir nur ausschließlich darum zu thun, eine Anregung zu geben, und dann noch nebenbei in großen Zügen das Ziel zu zeigen, dem wohl die gesammte deutsch-isr. Lehrerschaft zuzusteuern hätte. V. K. Einigkeit macht stark; darum gipfelt meine Forderung in dem Rufe: Vereinigung zu einem achtunggebietenden Ganzen behufs Förderung unserer speziellen Gesammtinteressen! Diese Forderung darf ich wohl als ein Ergebniß der Nothlage bezeichnen, in welchem sich unser Stand noch immer befindet. Die Forderung aber muß jedem Denkenden auch berechtigt erscheinen, wenn er sich die mannigfachen Schäden vergegenwärtigt, die der Lage der deutsch-isr. Lehrerwelt anhaften; sie ist aber auch geradezu eine Nothwendigkeit geworden gegenüber den Mißständen und Vergewaltigungen, die uns gerade von der Seite bereitet werden, die am meisten Ursache hätte, uns in unseren Bestrebungen und Forderungen entgegenzukommen. Der Lehrerstand im allgemeinen, und namentlich der israelitische ist noch immer der bestgehaßte, gegen den man in der Gemeinde nicht selten schreiende Ungerechtigkeiten zu begehen sich erlaubt, und dem man dabei so oft Anmaßung und zu hochgehende Forderungen zum Vorwurf macht. Der Druck, der hier und dort auf unseren Schultern lastet, nöthigt uns in den meisten Fällen bald aus diesem, bald aus jenem Grunde zum Schweigen: und wagt es je ein Unerschrockener seine Stimme zu erheben, so erschallt sie ungehört 2b by nv Soll ich Ihnen, v. K., von Mißachtung und Zurücksetzung reden, die uns fast überall entgegengebracht werden; soll ich Ihnen von Kränkung und Hohn erzählen, dem viele unter uns ohne ihr Verschulden an manchen Plätzen ausgesetzt sind? Nein, ich will und brauche es nicht; denn ich weiß, Sie verstehen mich. Gehe ich zu weit, wenn ich behaupte, daß es wohl vorkommt, daß man dem isr. Lehrer, dem Glaubensbruder, die schriftlich oder mündlich gegebene Zusage bricht, obwohl es doch früher in Israel heilige Sitte gewesen, selbst dem Nichtjuden gegenüber fein Wort zu halten, auch wenn man getäuscht worden war?! (S. Josua 9). — Hören Sie doch nur einmal dem stellenlos gewordenen Lehrer zu, der den „Kollegen in Stellung" besucht und dessen Mildthätigkeit in Anspruch zu nehmen gezwungen ist; ach, was erfährt man da oft von Herzlosigkeit und Gewaltthätigkeit! Weiter! Da ist eine Stelle vakant geworden; sie wird in den Zeitungen ausgeschrieben, und es melden sich die Bewerber. Die Gemeinde prüft zuvor die eingesandten Zeugnisse, zieht dazu noch genaue Erkundigung über den in Aussicht Genommenen ein und läßt schließlich den Kandidaten zur Probe kommen. Wenn dieser dann „Gnade vor den Herren", in manchen Fällen auch wohl vor den Damen gefunden, dann kommt das Engagement zu Stande. Nicht wahr, die Gemeinde sieht sich vor, und sie thut recht daran. Aber der Lehrer — hat auch er die Probe auf das Exempel gemacht d Hat auch er sich über die herrschenden Zustände in seiner neuen Gemeinde erkundigt oder auch nur erkundigen können2 In den meisten Fällen nicht. Er hat nichts von der Behandlungsweise, die seinem Vorgänger geworden, in Erfahrung bringen können; er ahnt auch wohl nichts von dem Kniff in seinem Kontrakte, der seine ganze Stellung ins Wanken bringen kann; er merkt nicht die deutungsfähige Klausel,