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Der Israelit · 1889-03-28 · Heft 25 (28.3.1889) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 25 (28.3.1889)
Date
1889-03-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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458 Liefe seines talmudischen Wissens wohl erkannt und verehrend gewürdigt werden. — Es war keine Phrase, kein Wort, das sich bloß im Momente tiefer Erregung über die Lippen wagen durfte, es war volle, reine, nackte Wahrheit, was von begeistertem Munde an seiner Bahre ausgesprochen wurde, daß da eine n-nn -©d und ein d"» zu Grabe getragen werde. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Bochum, 25. März. Am 20. d. M. wurde hier die 8. Generalversammlung des aus den Synagogen-Gemeinden Bochum, Dortmund, Duisburg, Esten, Gelsenkirchen, Hagen, Hörde, Mülheim a. d. Ruhr, Ruhrort, Steele, Unna und Witten gebildeten Central-Armen-Verbands abgehalten. Der Jahresbericht ergab, daß vom 1. März 1888 bis zum 28. Februar 1889 an 944 Personen, darunter 796 männliche und 148 weibliche, 3236 M. verausgabt wurde. Unter den 796 männl. Personen befanden sich 295 Handwerker, 246 Händler, 74 Commis, 43 Lehrer, 34 verschiedene Berufsarten, 23 Arbeiter, Knechte, Taglöhner, 13 Kaufleute, 7 Rabbiner und 61 ohne bestimmtes Gewerbe. Es waren aus Rheinland 91, Westphalen 56, Norddeutschland 178, Süddeutschland 56, Nichtdeutsche vorzüglich Russen, 558, Nichteuropäische Staaten 5 Personen. Der noch fortwährend anhaltende Durchzug unserer unglücklichen russischen Glaubensgenossen, nimmt die Kaste des Verbandes am meisten in Anspruch und mußte, um das diesjährige Deficit zu decken, von den betheiligten Gemeinden per 1889/90 ein um 25°/0 erhöhter Beitrag ausgeschrieben werden. Die Einrichtung des Central-Verbandes hat sich als eine so vorzügliche bewährt, daß sämmtliche Delegirte ihren vollen Beifall darüber aussprachen. Die Wanderbettelei wird durch solche Centralisation wenn auch nicht beseitigt, doch sehr beschränkt, und das sollte größere Nachahmung finden. Da noch immer viele Schwindler und Betrüger den wirklich Bedürftigen die Gaben schmälern, so wäre es angebracht, wenn Gemeinden, in denen ähnliche Einrichtungen bestehen, sich ihre Erfahrungen gegenseitig austauschen würden, damit solchen Personen ihr unsauberes Handwerk gelegt würde. Dahingehende Mittheilungen nimmt der Armenpfleger des Central-Berbandes, Herr Jonas Simon in Bochum, gern entgegen und wird dieselbe erwiedern. Leipzig, 25. März. In Lindenau, einer bei Leipzig gelegenen Ortschaft, starb der Cantor Gün d el, ein Mann, der oft und vielfach in öffentlichen Versammlungen gegen die antisemitische Bewegung sprach. Er ruhe in Frieden! — Einige Mitglieder des „Vereins für Volkswohl" hatten beim Vorstande die Frage eingereicht, ob nicht für fernerhin es besser sei, wenn man die Juden ausschlösse. Hierauf hat Herr Handelskammervorstand Dr. Günsel sich energisch gegen die antisemitische Hetzerei ausgesprochen und ausdrücklich betont, daß religiöse Streitereien niemals Anklang finden werden. So wird den kommenden Sonntag das Vereinshaus eingeweiht werden und der Segen Gottes ruhe auf dieser großen, ernsten und schönen Unternehmung! In Sachsen hält der Redakteur Werner aus Kassel Brandreden gegen die Juden; seine Erfolge waren jedoch gering. Die Versammlungen waren stets sehr schwach besucht. — In Leipzig wird Herr Werner nicht sprechen, da der hiesige Reformverein den Vortrag nicht honoriren will. — Der Reichs- Herold in Marburg nennt die Anhänger des Antisemitenhäuptlings Fritzsch: Störenfriede, weil sie anläßlich des großen Antisemitentages in Bochum sich all' zu viel angemaßt! Wer ist nun hervorragender: Dr. Böckel oder Theodor Fritzsch? Am 18. März fand hier eine Arbeiter-Versammlung statt, die einstimmig erklärte: der Antisemitismus ist eine Ableitung, um das Volk zu verdummen, wir werden nie die Juden bekämpfen, sondern sie mit ihren Leibern schützen!" — also sprach ein Redner. K. W. Leipzig, 23. März. Der Fall Bernstein wird auch in sächsischen Blättern und Blättchen noch immer besprochen und am meisten geifert darüber Herr Fritzsch in seiner Halbmonatschrist, Leiborgan der Leipziger Antisemiten. Mit Ingrimm wendet sich Fritsch gegen die Betrachtungen Dr. Blumenthals und wünscht zunächst, daß der „Israelit" die zur Wette bereit gestellte Million erst gerichtlich deponire! Fritzsch hat vielleicht die Absicht sich diese Million zu verdienen, dann könnte er freilich den Kleinhandel mit antisemitischen Schmähschriftchen anfgeben! K. Wiesenthal. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 15. März. Vorgestern Abends verschied der hiesigeRabbinats-AssessorHerr Michael Adler nach längerem Leiden im 72. Lebensjahre. Die Nachricht von dem Hinscheiden dieses durch einen vortrefflichen Charakter ausgezeichneten ' Gelehrten hat in allen Kreisen großes Bedauern

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