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Der Israelit · 1889-03-28 · Heft 25 (28.3.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 25 (28.3.1889)
Date
1889-03-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Gpste Mage jtt M 25 Des ,,Israelit"L„Ieschurun". Leitender Artikel. Literarischer Wericht. Zum Andenken an Rabbiner Hirsch. Worte bei der zum Ablauf der zu Ehren Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Samson Raphael Hirsch von dem Vereine „Mekor- Chajim" in der Aula der Israel. Religionsgesellschaft veranstalteten Gedächtnißfeier, gesprochen von Dir ec to r Dr. Mend el Hirsch. Frankfurt a. M. Kauffmann 1889. Die vorliegende Schrift, in welcher der Verfasser das Verständniß für die Größe und die hohe geschichtliche Bedeutung Samson Raphael Hirsch's zu vermitteln sucht, hat insbesondere diejenige Seite seines Wirkens zum Vorwurf genommen, in welcher der Verklärte als Mann der Wissenschaft, als genialer Forscher, erscheint. Der Verfasser erkennt in dem umfassenden Wissen die eigentliche Quelle der großartigen Wirksamkeit und den Grund der beispiellosen Erfolge derselben. Hirsch hat sein immenses Wissen durch unausgesetzte bis an sein Lebensende fortgeführte Forschung unablässig vertieft und erweitert, eine Forschung, welche ebensowohl die Bibelexegese, wie das in schriftlicher und mündlicher Lehre niedergelegte Gottesgesetz umfaßte. Er hatte sich die riesengroße Aufgabe gestellt, „den biblischen Text aus sich selber zu erklären." Hirsch's Exegese ist für die jüdische Bibelforschung epochemachend. Er hat ihr eine neue Bahn eröffnet und ist zu den überraschendsten Entdeckungen gelangt, von denen ein nicht geringer Theil zugleich „der mit Unrecht voraussetzungslos genannten, wissenschaftlichen Bibelkritik in ihren vermeintlich unwiderleglichen Behauptungen allen und jeden Boden" entzieht. Verf. erinnert beispielsweise an die auf den Umstand, daß sich irgend eine Spur von dem aus dem Eden strömenden vierarmigen Flusse finden lasse, sich stützende Leugnung der biblischen Angabe und die Verweisung der ganzen Erzählung von dem Paradiese in das Bereich der Mythe. Durch die Erklärung, welche Hirsch von dem Satze t®* otwo onpin rrm (1. B. M. 2, 10) gibt, „fällt aber der ganze angeblich wissenschaftliche Bau wie ein Kartenhaus zusammen." Hirsch weist nämlich darauf hin, daß dwi nicht „Arme", sondern „ganz getheilte Anfänge" bedeute, und demnach die heilige Schrift mittheile, daß der innerhalb des Paradieses einheitliche Strom sich, nachdem er den Garten getränkt, in die Erde verliere und außerhalb deffelben zu vier „Ursprüngen", also zu vier, aus gesonderten selbstständigen Quellen entspringenden Flüffen werde. Als Talmudforscher suchte Hirsch sich jedes Gesetz in seiner Totalität, sowie in den praktischen Folgen seiner Ausführung zu vergegenwärtigen, um sodann den Gedanken zu erschließen, welcher ihnen zu Grunde liegen könne. Er verwarf unerbittlich jede Kombination, sobald sich auch nur die kleinste Einzelheiten der gesetzlichen Bestimmungen nicht ungezwungen nach ihr erklären oder aus ihr ableiten ließ. Er war im Laufe der Jahrtausende der Erste und Einzige, der also Bibel und Talmud durchforschte, der den kühnen Gedanken zu hegen vermochte, die Idee zu ermitteln, welcher unter peinlichster Berücksichtigung aller Einzelbestimmungen, jedes Gesetz entstammen mag. Und es ist ihm gelungen, in großartiger, alle Erwartungen übersteigender Weise, also Bibel und Talmud zu erklären. Zu solchem Forschen befähigte ihn sein immenses rnvnn und sein nicht minder immenses niN'p:}. Er forschte in dem Gottesworte, in jedem Gottesgebote nach dem Gottesgedanken, ropriD peiy, die Tiefe der Gottesgedanken zu ergründen, das war der Inhalt Hirsches wissenschaftlichen Wirkens. Um die Größe dieser bahnbrechenden Wirksamkeit zu kennzeichnen, braucht man nicht erst auf Hirschs großartigen Entdeckungen hinsichtlich der Tum'ah und Tahana-Gesetze, der Opfer, der Stiftshütte zu verweisen, sagt der Verfasser. „Hätte der große Heimgegangene in seinem ganzen Leben auch nichts anderes geschaffen, als die Erklärung zu der gestrigen Sidra d'esmd, er hätte sich unsterblich gemacht." Durch einige Beispiele wird dieser Ausspruch begründet. Hirsch's Werke gehören der Zukunft an, heißt es gegen den Schluß der Rede, und seinen Werken gehört die Zukunft. Er will nicht gelesen, er will studirt sein, damit er ganz und voll gewürdigt werde. Dazu aber ist eine Vereinigung von gründlichem talmudischen Wissen mit ebenso gründlicher allgemeiner und philosophischer Durchbildung erforderlich, wie sie für weitere Kreise wohl erst von der Zukunft erhofft werden kann. Dann erst wird auch in weiteren Kreisen neben der wunderbaren Tiefe seiner philosophischen Forschung auch die wunderbare

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