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Der Israelit · 1889-03-14 · Heft 21 (14.3.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 21 (14.3.1889)
Date
1889-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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IsraelitIeschmun Zkltslhrlfl m FörderW jüb. Geistes unö D. Hebens in Inns, Gemeinde miD Kihnie. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 14. März 5649 (1889). Leitender Artikel. Hebende, was dir KmateK gethan! Von vr. Adolf Blumenthal. Berlin, S. März. Es ist eine alte Geschichte, die wir den Lesern erzählen wollen, nach den Ergebenissen der modernen Forschung just 3210 Jahre alt. Müde und matt zieht ein Volk, das soeben seine Sklavenketten abgestreift, durch die Wüste dahin. Das wunderbare Walten des Allmächtigen war an diesem Volke wieder einmal sichtbar geworden; die Völker hören es, beben, Zittern erfaßt die Bewohner Philistäas, bestürzt sind die Fürsten Edoms, es zagen alle Einwohner Kenaans. Da kommt Amalek, das von grundlosem Haß erfüllte Amalek, überfällt die Schwachen des Nachtrabes, die Tücke gilt weniger dem Volke, sie gilt dem das Volk beschützenden Gott. Der Prophet steht auf der Spitze des Hügels den Glaubensstab in der Hand; er betet, bis daß die Sonne sich neigt und der Feind im Thale geschlagen wird mit der Schärfe des Schwertes. Und der Ewige mahnt das Volk: „Gedenke, was dir Amalek gethan!" Nie sollte Israel vergessen, die in Amalek ausgeprägte Bosheit zu bekämpfen, nie vergessen, mit der Tücke und Hinterlist zu ringen, bis daß sie geschwunden von der Erde, ja, „Gott selbst führt Krieg gegen Amalek von Geschlecht zu Geschecht!" (Exodus 17, 16.) Es ist eine alte Geschichte, doch ewig bleibt sie neu! Der Haß ist unsterblich gleich der Liebe. Als der erste jüdische König den Thron bestieg, da regte sich der Feind, und so oft dieser auch zu Boden geschlagen wurde, gleich jener hellenischen Sagenget statt hob er sich, dem Tode hohnlächelnd, mit ver-i jüngter Kraft empor. Im heiteren Frohsinn lebten die Väter unter persischem Scepter: da kam Amalek! Die Verleumdung schleicht an den Fürstenthron, und Vernichtung ist ihr Losungswort. Doch in den Nächten der Gefahr schläft nicht der König der Könige, Heil und Rettung ward den Schuldlosen, die Amalekitrnbosheit unterlag. Und wie oft in der Geschichte ist Amalek wieder gistgetränkt, verderbenbringend dem jüdischen Volke genaht! Israel zog in die Verbannung: Amalek begleitete sie, es zog in die Gasse: Amalek lanerte vor ihrer Thür, es zog in den Tod: Amalek lachte ihrer Qual. Die ganze jahrhundertelange Geschichte unserer Väter ist ein Kampf mit Amalek gewesen, ein Kampf gegen den Haß, ein Kampf gegen die Bosheit. Die Finsterniß schwand, die Sonne strahlte auf, der göttliche Spruch schien seine Giltigkeit verlieren zu sollen. Aber nein! das Sinaiwort ist für die Ewigkeit gegeben: ein Frevler, wer es wagt, daran zu zweifeln oder zu deuteln! Dieser Gedanke trat uns näher, als wir heute in dem „R eichsboten", dem Organ des Hofpredigers Stöcker, die Zeilen lasen: „Der Spruch: „Gedenke, was Amalek dir gethan scheint allmählich zum Schlachtruf des Judenthums, welches das Christenthum zu seinen Füßen zwingen will, werden zu sollen. Die „Co ns. Corresp." hat mit ihren Bemerkungen über die Verurtheilung des Rabbinats-Kandidaten Bernstein, wie allerdings vorauszusehen war, in ein Wespennest gestochen. Im „Israelit" und „Jeschurun" widmet ihr Dr. Adolf Blumenthal einen geharnischten Leitartikel, in dem als Preis eine Million dafür ausgesetzt wird, wenn der Nachweis erbracht wird, daß Christenblut in dem Rituell der Juden überhaupt jemals eine Rolle gespielt habe. Der Artikel schließt mit den Sätzen: „Und dies blöde Ammenmärchen erfrecht man sich heute noch aufzuspielen, um die gefährlichen Leidenschaften der Völker zu wecken? Und diese ruchlose Lüge erdreistet man sich heute noch auszusprechen, heute in unserm erleuchteten Zeitalter, heute, wo ein Kaiser Friedrich uuf

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