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Der Israelit · 1889-03-11 · Heft 20 (11.3.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 20 (11.3.1889)
Date
1889-03-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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368 des großen Kirchenrathes in einem 40jährigen Zeitraum Außordentliches leistete. Was er für den Verein für Wöchnerinnen gethan, dessen Vicepräses er ca. 50 Jahre war, dafür zeugen treffende Beweise, die Anhänglichkeit Tausender. Auch fühlte sich die „All. Jsr. Univ." gedrungen, ihn zum Ehrenmitglied zu ernennen. Es dürfte auch nicht uninteressant sein zu vernehmen, daß er gerade an seinem 30. Geburtstage als Mohel auftrat, als 5. Generation in seinem Geschlecht, die sich mit der Mila beschäftigte und noch bis zu seinem 80. Lebensjahre dieses Amt ausübte. Fügen wir hinzu, daß seine Hand und sein Haus stets für Jeden geöffnet blieb, so daß Niemand dieses unbefriedigt verließ, so haben Sie in kurzen Umrissen ein Bild von dem Unvergeßlichen, der überall die Fahne des orth. Judenthums hoch empor hielt und in seiner Toleranz und gerade durch diese die Fäden unserer ganzen Gemeinde zusammenhielt. Bemerkenswerth ist auch noch, daß er es gewesen, der mit feinem sel. Schwager Herrn M. I. Goudsmit, Parnes der Gemeinde, z. Z. nach Frankfurt a. M. kam, um den sel. Rabb. Samson Raphael Hirsch für Amsterdam zu acquiriren. Trotzdem sich der große Verblichene alles weitere Ceremoniell verbat, ja darum letztwillig ersuchte, keine Lobessprüche an seinem Grabe zu erheben, konnte er es doch nicht verhindern, daß sich Tausende und abermals Tausende, man berechnet ca. 25000, von allen möglichen Städten herbeiströmten, man bemerkte u. a. die Municipalität, die meisten OberrabbinerHollands u. s. w. um dem großen Todten das letzte Geleite zu geben, und zahlreich waren die angesammelten Thränenausbrüche. die dem Vater Ries folgten, mehr noch als alles von der tiefen innigen Liebe, der großen, aufrichtigen Sympathie zeugend. Die Wunde, die uns geschlagen, wird so leicht nicht vernarben. Amsterdam hat einen seiner besten Bürger, das Judenthum einen seiner edelsten Söhne und Stützen verloren. rraasn. Afghani st an. Her«t, im Januar. Unser ehemaliger Emir, Achmed Eyub Khan, Sohn des verstorbenen Emirs Schir Ali, befindet sich bekanntlich seit vergangenem Jahre als Gefangener der englischen Regierung in Indien. Achmed Eyub ist als großer Judenfreund bekannt und hat er, wie der „Israelit" seinerzeit auch gemeldet, als er im vergangenen Jahre von Persien nach Bagdad gebracht wurde, um dort auf einem englischen Dampfer nach Indien eingeschifft zu werden, dem Chacham-Baschi daselbst, Chacham Elischa, einen Besuch abgestattet, und später auf dem in der Nähe dieser Stadt befindlichen angeblichen Grabe des Hohepriesters Jeschua (pnairr p ynsnn») seine Andacht verrichtet. Wie indisch-persische Blätter melden, hat die englische Regierung beschlossen, den Beamten im indischen auswärtigen Amte, Herrn Ellis, einen Israeliten aus London, der eben jetzt in einer diplomatischen Mission am Hofe des Fürsten von Sikkim, an der tibetanischen Grenze weilt, zum „politischen Agenten" oder deutlicher gesprochen, zum Oberaufseher, Wächter und Hausmarschall Achmed Eyub Khans zu ernennen. Letzterer wird so dann gänzlich unter dessen Obhut zu stehen kommen. Achmed Eyub Khan zog vor zehn Jahren mit einer großen Armee aus unserer Stadt, um die Engländer aus Afghanistan zu verjagen, wurde aber von ihnen aufs Haupt geschlagen. Als strenger Gläubiger wird sich der hohe Gefangene in sein bitteres Schicksal zu fügen wissen, zumal ihm doch die Hoffnung bleibt, daß die englische Regierung ihm eines Tages wieder die Freiheit geben und ihn vielleicht sogar zum Emir von ganz Afghanistan machen wird. Nebst dieser Hoffnung nimmt der Ex-Emir zugleich auch das schöne Bewußtsein mit sich in die Gefangenschaft, daß er stets ein milder und gerechter Fürst für seine jüdischen Unterthanen war, und wenn er auch keinen Christen d. h. Engländer, in seinem Reiche dulden wollte, so trug nicht seine Intoleranz die Schuld daran, sondern nur die Furcht, daß seine fanatischen Unterthanen den Fremden ihren Zorn fühlen lassen würden, wodurch es dann zu Verwickelungen mit der englischen Regierung hätte kommen können. Den Juden gegenüber war Achmed Eyub, dessen Dynastie sich rühmt, vom Könige Saul herzustammen und deren Prinzen sich noch heute „Bene-i-Jsrael (Kinder Israels)" nennen, dagegen ein guter und gerechter Landesvater, und lebten sie daher unter seiner Regierung glücklich und zufrieden. — Achmed Eyub Khan braucht seinen jüdischen Gefängnißwächter nicht zu fürchten, denn die Güte und Huld der Königin Victoria bürgen dafür, daß sie dem Enkel des Königs Saul und ehemaligen Emir von Herat die Bitterniß der Gefangenschaft nicht allzu schwer empfinden lassen, und andererseits bürgt wieder der Charakter des Herrn Ellis dafür, daß er seinem hohen Gefangenen die ihm gebührende Hochachtung nicht versagen wird. Wochen - Kalender. Donnerstag, 14. März, n. Adar II Dipio *inDN nriyn Freitag, »5. März, 12. Adar II. Samstag, 16. März, 13. Adar II -ns? nttns 18 Sabbat-Ausgang 6 Uhr 50 Min. (Mainzer Uhr). Sonntag, 17. März, 14. Adar II □'-»£> Montag, 18. März, 15. Adar II \V/W

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