Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 19 (7.3.1889)
- Date
- 1889-03-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX. Jahrgang. Erste Beilage }tusl9 des „Israelit" L „Ieschurun". Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzen. Deutschland. Stuttgart, 4. März. Unter den Ende des letzten Monats an der landwirthschaftlichen Akademie Hohenheim Geprüften hat auch ein Glaubensgenosse, Chajim Cohn aus Jerusalem die Diplomprüfung erfolgreich bestanden. Berlin. Die österreichischen Antisemiten sind, so schreibt man uns aus Wien, seit der Verurteilung Schönerers in einer begreiflicherweise sehr gedrückten Stimmung. Um nun ihren gesunkenen Muth wieder zu beleben, hatte sich Herr Stöcker, auf Ansuchen seiner Wiener Freunde, dazu bereit erklärt, einige seiner bekannten und „so beliebten" Vorträge auch in Oesterreich halten zu wollen. Von Seiten seiner Vorgesetzten Kirchenbehörde ist, wie wir von unbedingt zuverlässiger Quelle erfahren, die nachgesuchte Erlaubniß dem Herrn Hofprediger Stöcker verweigert worden. Darüber sind nun wiederum die Wiener Freunde in eine tiefe Betrübniß versetzt worden! Köln. In der Beilage zu Nr. 15 wird von Siegburg die Errichtung einer Privat-Präparanden- Anstalt berichtet, mit dem Schlußsätze, „so daß die Zöglinge nach ihrer Vorbereitung in das Kölner Lehrerseminar eintreten können." Das Kölner Lehrerseminar steht zu dieser projectirten Privatschule in keinerlei Beziehung; wie aus den jüngsten Jahresberichten ersichtlich, beabsichtigt es vielmehr demnächst eine eigene Präparandenanstalt hier in Köln zu errichten. Oberhansen (Rheinprovinz), 25. Februar. Sonntag, 24. d. M., Nachmittags ö1/* Uhr hielt der Antisemitenhäuptling Dr. König-Wirten in Eppinghofen, unweit Mühlheim (Ruhr), im Saale der Wwe. Schönebeck auf Veranlassung seiner „Getreuen" — es hatte sich nämlich in Mühlheim (Ruhr), nachdem im November v. I. Liebermann v. Sonnenberg feine Hetzrede gegen die Juden losgelassen hatte, worüber ich auch den Lesern Ihres geschätzten Blattes bereits schon berichtet habe, ein Verein, unter dem Titel „Deutscher Reformverein" gebildet — eine Versammlung ab. Es hielten sich von dieser Versammlung nicht nur die Juden, sondern all' die besseren und anständigeren Bürger der Gemeinde Mühlheim fern und gaben hiermit letztere ihren Widerwillen gegen die „Schmach des Jahrhunderts", wie der hochselige Kaiser Friedrich III. das Gebühren der Antisemiten schon als Kronprinz gebrandtmarkt hatte, offenen Ausdruck. Es würde die Grenze eines Zeitungsberichtes weit überschreiten, wenn man den Vortrag des Herrn Dr. König in diesem geschätzten Blatte veröffentlichen.wollte; da ja ohnedies die Reden der Antisemiten alle über einen Leisten geschlagen sind. Nur eines wollen wir constatiren. Die in Dortmund erscheinende „Westfälische Reform", das Organ der Antisemitenzunft für Rheinland und Westfalen, schrieb in einem Artikel in einer ihrer Nummern vom vorigen Jahre, daß „Mühlheim (Ruhr) der Brennpunkt des Antisemitismus für's Rheinland wird." Wir können mit Gewißheit behaupten, daß in hiesiger Gegend für derartige Auswüchse kein Boden ist: Dank der Weisheit der deutschen Regierung und dem gesunden Srnne des weitaus größten Theils des deutschen Volkes kann die antisemitische Partei doch nicht von einem praktischen Erfolge seit ihrem Bestehen reden, wenn auch die Ideen derselben in manchen höheren und niederen Kreisen Platz gegriffen haben. Die „Westfälische Reform" berichtet, daß am 10. und 11. Juni in Bochum ein allgemeiner deutscher Antisemitentag ftattfindet. und es sollen bereits hervorragende Antisemiten des Auslandes ihr Erscheinen zugesagt haben. Da ’bte Verhandlungen, die hier gepflogen werden, weder das Interesse der Juden, noch das Wohl und Heil des deutschen Vaterlandes fördern, so können wir die anberaumte Zeit mit der größten Geduld abwarten. A. Stern, Lehrer. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 25. Februar. Baron Hirsch hat wohlthätigen Zwecken neuerlich eine große Summe zugewendet, deren Zinsenerträgniß jährlich 120,000 fl. beträgt. Diese Spende, welche für in Bedrängniß geratene Gewerbsleute in Wien bestimmt ist, wird von einem aus drei Frauen zusammengesetzten Comite (Frau Benevisti, Frau Karl Engländer und Frau Bermann) verwaltet werden. Als juristischer Beirath wurde Dr. Arthur Kuranda dem Comite beigegeben.