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Der Israelit · 1889-03-04 · Heft 18 (4.3.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 18 (4.3.1889)
Date
1889-03-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Zweite Beilage juM18 des „Israelit" & „Ieschunm". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Wiesbaden, 1. März. Gestatten Sie mir von dem Ableben einer edlen Frau zu berichten, die aus hochadeligem chr. Hause entsprossen, eine fromme, gottesfürchtige Jüdin geworden und länger als ein Vierteljahrhundert all den Pflichten, die unsere heilige Religion deren Vekenrrern auflegt, stets gewissenhaft nachgekommen ist. — Elise von Höchst euer entstammte einer hochangeseüenen Familie aus Reval, wo ihr Vater Oberappellationsgerichtsrath war. Als sie ihren kranken Bruder nach Bad Soden begleitete, lernte sie dort dessen Arzt, den vor 8 Jahren in Frankfurt a. M. verstorbenen und damals in diesen Blättern rühmlichst erwähnten Or. meä. $8 au man u n"y hochschätzen. Sie trat zum Judenthuine über und heirathete den Mann ihrer Wahl. Seitdem lebte sieIstreng nach dem jüdischen Gesetze und proteftirte noch in ihrer letzten Stunde gegen die Mittel, die ihr der Arzt vcrordnete und die sie mit den rituellen Vorschriften nicht für übereinstimmend hielt. — Auch in Bezug auf die Wohlthätigkeit war sie eine echte Tochter Israels geworden. Ein armes jüdisches Waisenkind erzog sie wie die eigene Tochter. Mit ihrer christlichen Familie blieb sie stets in freundschaftlichem Verkehr; aber eine gleiche Anhänglichkeit hatte sie für die Verwandten ihres verewigten Gatten rry; ihr Vermögen vermachte sie — ihre Ehe war kinderlos geblieben — zu gleichen Theilen ihren/ jüdischen und ihren christlichen Angehörigen. Sie war eine Frau von klarem Verstände, von hervorragender Geistes- und Herzensbildung. Ihr Andenken wird bei Allen, die sie kannten, stets ein gesegnetes bleiben. rraan Hamburg. Eine Geburtstagsfeier wurde vorgestern in dem Israelitischen Altenhause, das an der Louisenstraße vorm Dammthor belegen ist, begangen. Der in weiten Kreisen, auch als früheres Bürgerschaftsmitglied bekannte Herr S. Fries feierte dort seinen 80. Geburtstag. Die Verwaltung wie auch die Bewohner des Hauses hatten zur Feier des Tages das Zimmer des Geburtstagskindes mit Guirlanden geschmückt, wie auch Kränze und Blumen in großer Menge einliefen. Der Vorstand, resp. die Verwaltung hatte ein Festessen arrangirt, an dem nicht allein Herr Fries und die Bewohner des Hauses, sondern auch einzelne Mitglieder der Verwaltung iheilnahmen. In fröhlicher Stimmung blieb man bis in die Nacht hinein beisammen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien. In einer gestern stattgehabten antisemitischen Wählerversammlung des dritten Bezirkes wurde die Frage discutirt, ob die antisemitische Partei die Wiederwahl Dr. Mandl's unterstützen solle. Die Debatte ergab nur, daß in den Reihen der Antisemiten bereits Zwiespalt eingerissen ist. Man will sich nicht dadurch lächerlich machen, daß man als antisemitisches Wahlcomite einen Juden als Candidaten aufstellt, findet aber andererseits auch nicht den Muth, cinmüthig gegen Dr. Mandl vorzugehen. Voraussichtlich werden die Anhänger V e t t e r's gegen Dr. Mandl, der Anhang Dr. L ueger's aber für denselben stimmen, so sehr man sich auch heute den Anschein gibt, als hätte der Umstand, daß die Liberalen Dr. Mandl keinen Gegen- Candidaten entgegenftellen, sie gezwungen, offen gegen Dr. Mandl Front zu machen. Allerdings wurde Herrn Dr. Mandl starker Tabak geboten. Es wurde ihm gesagt, daß er von der Judenschaft eigens ausgestellt wurde, um einen „Ausnahmsjuden" zu spielen, daß er die Corruption in den dritten Bezirk verpflanzt und seit vierzehn Jahren cultivirt habe. Wer habe Dr. Mandl, der kein Vermögen besitzt, die 6000 fl. gezahlt, welche er für seine Reichrathswahl ausgegeben I Er sei ein „Werkzeug des Großkapitals" u. s. w. Das Alles beweist indeß noch nichts. Die Antisemiten kochen ihre Suppe viel heißer, als sie dieselbe essen. — Der Deutsch-demokratische Verein im dritten Bezirke hielt heute Abends eine sehr gut besuchte Versammlung, auf deren Tagesordnung eine Besprechung der bevorstehenden Gemeinderathswahlen stand. Der Versammlung wohnten auch Reichraths-Abgeordneter Dr. Kronawetter, welcher bei seinem Erscheinen stürmisch begrüßt wurde, sowie Mitglieder des Bürgervereins im dritten Bezirke bei. Nach einer Trauerkundgebung für den Kronprinzen Rudolf erstattender Obmann,^ Herr Eduard Bauer, das Referat über die bevorstehenden Gemeinderathswahlen. Was zunächst die Candidatur des Gemeinderathes Dr. Mandl, welcher Heuer zur Wieder-

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