Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1889)
- Date
- 1889-02-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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was verdient, wird er dafür von Vielen „beleidigt" (d. h. davongejagt und materiell ruinirt!), der „Rumäne" (d. h. die Regiernng!) rächt (!) sich gegen ihn mit „Beleidigungen" (!) Bei uns (in der Walachei) aber ist es nicht so; unsere verehrlichen Nachbarn von jenseits der Donau behandeln uns als „Machen" und fragen Sie nur, was für Bedeutung dieses Wort hat, nämlich en canaille! Noch mehr: als Dorfschänker wird er (der mazedonische Grieche rc.) langsam, langsam Pächter und dann Gutseigenthümer." (Dies und der Spirituosenverkauf sind die beiden Gewerbe, welche die Griechen rc. nach der Wal ach ei locken). „Ich (Kopalniceanu) habe eine Reihe landwirthschaftlicher Verträge zur Hand, besonders aus den Ortschaften, wo die Bauernrevolten im vorigen Jahr stattgefunden haben; ich war über einige derselben erschreckt und wie ich näher hinsah, waren die drückendsten Bedingungen aufgebürdet von den Pächtern und Gutsbesitzern fremder (d. h. griechischer rc.) Nationalität...." Aus der Rede des Abgeordneten und vielfachen Exministers Kopalmceanu ist wohl auch für den Begriffsstutzigen durchaus klar ersichtlich, daß es in der Walachei keine israelitischen Schänker in den Dörfern gibt, wie der bissige Herr Bergner in seiner „Judenherrschaft" dreist behauptete, sondern solche der verschiedensten christlichen Nationalitäten, was zu allen Zeiten so gewesen ist. — Ebenfalls zu dieser letzteren Sache gehörig ist der Jnspektionsbericht des Dr. Felix für das letzte Quartal 1888 betreffend den 1. Sanitätsbezirk (Distrikt Bottuschan). Es heißt darin: „Die Behandlung der Kranken in den Hospitalen läßt viel zu wünschen übrig und der Distrikt (also die politische Behörde) trägt nur in schwachem Verhältnisse zu den Ausgaben der Krankenhäuser bei. Von den sechs Civilhospitalen des Distrikts Bottuschan gehören zwei der St. Spiridonstiftung, die von der Distriktsbehörde keine Subvention beziehen, eines ist der Bottuschaner israelitischen Gemeinde gehörig. Daselbst fand er in Präsenz „16 Kranke, deren Zahl zur Winterzeit auf 36 wächst. Das Lokal ist alt, aber es wird gut unterhalten. Die Hospitalswäsche ist in hinreichender Quantität vorhanden, nur fehlen chirurgische Instrumente. Im Jahre 1888 wurden 185 Kranke behandelt. Die Gratiskonsultationen mit unentgeltlichen Arzneien für ambulante Kranke werden von 15 bis 20 Personen täglich aufgesucht. Die öffentliche Hygiene der Stadt Bottuschan hat im letzten Jahre einen bemerkenswerthen Fortschritt gemacht...." Aus diesen amtlichen Mittheilungen des den Israeliten, wie ich schon bei anderer Gelegenheit durch Beispiele zeigte, nicht freundlich gegenüberstehenden Sanitätsinspektors Dr. Felix ist zu ersehen, daß was in Bezug auf Gesundheitspflege an den Israeliten liegt, alles gethan wird, obwohl das Können nicht gleichen Schritt hält mit dem Wollen. Dagegen wird den öffentlichen Behörden der Vorwurf gemacht, daß sie nicht genug thun, und bei diesen hält das Wollen nicht gleichen Schritt mit dem Können. — Einer Lokal- Mittheiluug des in Bottuschan erscheinenden Blattes Bratiamscher Anhängerschaft „Eurierul Roman" vom gleichen Zeitraum entnehme ich Folgendes: „Der Wohlthätigkeitsverein „Viitorul" (die Zukunft), der Herrn St. Gane zum Vorsitzenden hat, eröffnete Mittwoch sein neues „Nacht-Obdach." Die wahrhaft nützlichen Früchte, welche dieses kleine Institut in der schweren Zeit des vorigen Winters zeitigte, hat den Verein ermuthigt alles anzuwenden, um auf dem eigenen Grundstück des Vereins ein neues Lokal zu erbauen, welches viel bequemer und hygienischer eingerichtet ist, als das provisorisch gewesene. (Für 10 Bani oder 8 Pfennigen bat man ein gutes Schlafen, sowie Morgens und Abends Thee mit je einem Stück Brod.) Bei der darauf stattgefundenen festlichen Vereinigung wurde von den Comitömitgliedern Major Strica, Dr. Hajnal, Kaufmann Moses A b r a m o w icz und anderen Anwesenden einige Hundert Frcs. zur Vergrößerung des Vereinsfonds gezeichnet." Alle diese Sachen muß man kennen, um sich mit Behauptungen von deren Nichtvorhandensein nicht zu blamiren; und eS sind offizielle bezw. uns gegnerischen Quellen, aus welchen ich diese Mittheilungen schöpfe. — Aus Con stan z a in der Dobru d sch a wird mitgetheilt, daß bei Gelegenheit der Wahl von sechs Gemeinderätheu in jener Stadt auch unser Glaubensgenosse Herr MosesRosanis als solcher gewählt wurde. Als gewissenhafter Korrespondent kann ich nicht umhin, diese Nachricht zu registriren, ich muß jedoch auch bemerken, daß sie nichts zu bedeuten hat. Denn, wie ich schon in meinen Aufsätzen „Zehn Jahre" (II. S. 1086) bemerkte, haben sämmtliche Einwohner des neuen Landestheils die bürgerlichen (aber nicht politischen) Rechte. Dies aber hat auf die Israeliten des eigentlichen alten Rumänien gar keinen Einfluß, so daß wenn z. B. Herr Rosanis nach Bukarest übersieoelte, er damit der bürgerlichen Rechte verlustig gehen würde, die eben nur für die Dobrudscha gelten. Daß wir im alten Rumänien selbst die bürgerlichen (bezw.) auch nur kommunalen) Rechte nicht haben, weiß man ja zur Genüge.