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Der Israelit · 1889-02-28 · Heft 17 (28.2.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 17 (28.2.1889)
Date
1889-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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307 hier aufgegeben, weil die neue Maschine nicht arbeiten will; da hat der Herr Verwalter gleich gesagt, ich müßte heute wieder herfahren, weil der gnädige Herr sicherlich heut kommen würden. Und heute hat er mir's nochmals extra befohlen." Orloffski fuhr sich mit der Hand über die Stirn; jetzt erinnerte er sich, er hatte heute am Morgen mehrere Briefe auf seinem Schreibtische gefunden, doch in seiner Aufregung war er nicht in der Stimmung gewesen sie zu lesen, hatte sie daher uneröffnet in seinen Koffer geworfen, um sie bei seiner Ankunft auf seinem Gute zu lesen; der von Iwan erwähnte Expreßbrief fand sich vermuthlich darunter. Dieses Zusammentreffen war ihm höchlichst willkommen, denn er hatte schon die erstaunten Gesichter seiner Leute gefürchtet, wenn er, ohne sich anzukündigen, sie überraschen würde. Doch jetzt, da er sich erwartet wußte, erschien ihm plötzlich alles in einem anderen Lichte, selbst die unangenehmen Ereignisse, die seine Reise veranlaßt hatten, traten für den Moment in seinen Gedanken zurück. Ohne sich, in weitere Erörterungen einzulassen, setzte er sich in seinen Wagen und fuhr seinem Gute zu. Es war bereits Dämmerung, als er sein Landgut erreichte. Der Verwalter und seine sämmtlichen Leute begrüßten ihn mit ehrfurchtsvoller Herzlichkeit, denn er war allen ein milder Gebieter. Namentlich der Verwalter war hocherfreut, daß sein Herr, wie er wähnte, so rasch seiner Aufforderung herzukommen, entsprochen hatte. Er hatte auf Befehl des Majors eine neuerfundene landwirthschaftliche Maschine verschrieben und nun stand der theuere Koloß und schien zu nichts zu verwenden, und die Feldarbeit, für die die Maschine bestimmt war, drängte. „Gott sei Dank, Herr Major, daß Sie da sind! — Seitdem das große Veest gekommen ist, habe ich keine ruhige Minute mehr und —" „Es ist wahr, gnädiger Herr", fiel die Frau des Verwalters lachend ein, „seitdem die Maschine gekommen ist, ist mein Mann wie ausgewechselt, er schläft nicht und ißt nicht —" „Wer kann da essen oder gar schlafen, wenn man nicht weiß, was man mit so'nem Thiere anfangen soll!" rief der Verwalter heftig. „Wann ist denn die Maschine angekommen?" fragte der Major. „Gestern vor acht Tagen." Wie I und seitdem haben Sie weder gegessen noch geschlafen?" „Na, nun gar nicht — das kann man doch auch nicht sagen. Der Herr Major wissen's doch, die Frauensleute können übertreiben — und die Meinige ist gar groß darin. Aber, daß ich in diesen acht Tagen viel gegessen oder viel geschlafen hätte, das könnte ich selber auch nicht sagen." „Warum haben Sie mir denn nicht geschrieben?" „Ich bitte, gnädiger Herr — man will doch nicht gar so dumm erscheinen. Zuerst versucht man's selber herauszubringen, calculirt hin, calculirt her — aber wenn schließlich alle Stricke reißen —" „Dann darf man sich hängen", lachte seine Frau. Ihr Mann warf ihr einen mißbilligenden Blick zu. „Der Herr Major wollen gütigst entschuldigen, die Frauensleute sind nun einmal nicht anders — „Lassen Sie Ihre Frau nur reden", erwiderte Orloffski lächelnd, „meine selige Mutter hat große Stücke auf Ihre Karawclowska gehalten und darum lasse ich auch nichts auf sie kommen." Frau Karawelowska knixte geschmeichelt. „Der gnädige Herr sind gar zu gütig, sind der echte Sohn Ihrer gottseligen Frau Mutter. — Aber was das eiserne Beest gnbelangt, das meinen Mann um seinen Appetit und seinen Schlaf gebracht hat, so möchte ich glauben, Ihre gottselige Frau Mutter hätte 's einfach in die Rumpelkammer stellen lassen." „Das möchte ich nun gerade nicht behaupten", versetzte der Major, „aber wo ist denn die Maschine? ich will sie doch gleich einmal in Augenschein nehmen." „Sie genau zu betrachten, dazu dürfte es für heute zu spät sein, es ist bereits zu dunkel." „Und überdieß vor dem Schlafengehn muß man sich mit dergleichen nicht abgeben", fügte die Frau hinzu, „sonst ißt man nicht und schläft auch nicht, und der gnädige Herr scheinen ohnedies ermüdet zu sein von der Reise." „Frau Karawelawski hat recht", sagte Orloffski, „ich bin heute etwas müde, lassen wir die Maschine bis morgen." ' II. Mehrere Wochen waren verstrichen, Orloffski befand sich noch immer auf seinem Gute zur Verwunderung aber auch zur Freude seiner Untergebenen. Denn er beanspruchte wenig, und es war dennoch ein anderes frischeres Leben, wenn der Gutsherr daheim war. Zwar fand man es auffallend, daß keiner seiner Freunde und Bekannten ihn aufsuchte und daß er selbst den Verkehr mit den Gutsbesitzern der Umgegend mied; aber er hatte sich mit eiliem solchen Eifer auf das Studium der Landwirthschaft geworfen, hatte unaufhörlich mit seinem Verwalter Pläne zur Verbesserung zu berathen, daß der alte Mann behauptete, er meide

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