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Der Israelit · 1889-02-25 · Heft 16 (25.2.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 16 (25.2.1889)
Date
1889-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WWst W FördttW D. Gellles mir M. Kevens ln Mus. Gemeint M KGle. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. WMWWW KORMjjjjN. hcfer. BttCbh^r.dlunff jSSl* Israelit ^eschurnn Montag, den SS. Februar 5649 (1889). Leitender Artikel Die Dröteuston u. das Ziel des AvlisemNiswilS. Von Jsaac Hirsch. Wenn es der antisemitischen Agitation auch nicht gelungen ist, eine „Judenfrage" für die legislatorischen Organe in Deutschland zu construiren, d. h. die deutschen Regierungen und Parlamente zu veranlassen, für die Bürger mosaischen Bekenntnisses besondere Gesetze zu schaffen, durch welche sie in Ausübung und Genuß der den Bürgern christlichen Bekenntnisses staatlicher Seits gewährten politischen, bürgerlichen und religiösen Rechte und Freiheiten beschränkt werden, so dürfte dieses weniger auf einen Mangel an Rührigkeit und Ausdauer oder auf eine skrupulöse Wahl der Agitationsmittel zurückzuführen sein. Man muß vielmehr den Führern und Faiseurs der judenfeindlichen Bewegung in Deutschland das Zeugniß ausstellen, daß sie unermüdlich an allen Orten gleich den „dunklen Sprecherinnen" Macbeths über Land und Meer ziehen und überall den schrecklichen Zaubertrank brauen, um „in gährend Drachengift" der „Menschenliebe Milch" zu wandeln. Wahrlich, ihre Schuld ist es nicht, wenn ihr „namenloses Geschäft" noch nicht den erhofften Erfolg erzielt hat. Sie haben es an Nichts fehlen lassen. Was nur immer geeignet scheint die Leidenschaft zu wecken, haben sie in den Kessel gethan und tragen emsig die Reiser zusammen, um das Feuer unter ihm zu erhalten. Es zeugt von der sittlichen Kraft des deutschen Volkes und der Festigkeit der deutschen Regierungen, daß die Hezenswünsche des Antisemitismus noch ihrer Verwirklichung zu harren haben und dessen heiße Leidenschaft noch nicht gesättigt ist. Man würde sich gleichwohl sehr täuschen, wollte man dem Glauben Raum geben, die antisemitische Bewegung verlaufe im Sande und hätte keinerlei Spuren zurückgelaffen. Wer den Erscheinungen des Tages nicht blind gegenüberfteht, kann sich vielmehr der Wahrnehmung nicht verschließen, daß die Drachensaat nicht umsonst in den Schooß des Volkslebens ausgestreut ist und hier und dort Früchte zeitigt, die bitterer sind, „denn Galle und Wermuth." Es liegt nicht in der Absicht dieser Betrachtung, auf diese Erscheinungen des Näheren einzugehen. Wir wollten nur auf dieselben hindeuten, um die Nothwendigket darzuthun, von einem sowenig erquicklichen Thema, wie dem Antisemitismus zu sprechen, einem Gegenstände, der bereits fast bis zum Ueberdruß von der jüdischen Publicistik behandelt worden ist. So lange der Angriff erfolgt, so lange hat auch die Abwehr zu dauern, und es hieße geradezu eine Vernachlässigung der Pflicht, wollte man Gewehr bei Fuß stehen, wenn der Feind unablässig mit frischer Mannschaft den Vernichtungskampf erneuert. Vor Allem aber wäre Schweigen am Unrechten Orte, wenn im feindlichen Lager der Versuch gemacht wird, unter falscher Fahne zu kämpfen, wenn man sich daselbst anschickt, fein eigentliches Wesen zu verhüllen, um sich der Sympathie maßgebender Kreise zu versichern. Derartige Versuche sind wiederholt gemacht worden, insbesondere von der sich „christlich-sozial" nennenden Fraction des Antisemitismus, bezw. deren Hauptorgan, der „Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung." Wir haben wiederholt Veranlassung nehmen müssen, gerade dieses antisemitischen Kundgebungen entgegenzutreten und constatiren gern, daß wir uns damit auch mancher Zustimmung außerjüdischer, und zwar strenggläubiger christlicher Kreise zu erfreuen hatten.

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