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Der Israelit · 1889-02-21 · Heft 15 (21.2.1889) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 15 (21.2.1889)
Date
1889-02-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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822 aus Anlaß der Ueberreichung des Jahresberichts wieder eine huldvolle Gabe von 45 M. bestimmt; auch Se. Majestät der König hat bei diesem Anlaß sein Wohlwollen für den Verein kundgegeben. Nach einer Urkunde vom Jahre 1789 zählte die hiesige Stadt fünf jüdische Familien in diesem Jahre; heute zählt sie ebenso viele hundert Familien und ist die größte israel. Gemeinde Württembergs. Ulm zählt nach dem soeben erschienenen Adreßbuch unter 35300 Einwohnern 667 Israeliten und Neu-Ulm unter 8900 Einwohnern 113 Israeliten. Siegbnrg (Rheinprovinz), 14. Februar. Es ist bisher als ein großer Mangel empfunden worden, daß in ganz Preußen noch keine Präparanden-Anstalt besteht, in welche die dem Lehrerberufe sich widmenden Zöglinge eintreten können, um für das Seminar und im Sinne desselben nach einheitlichem Plane vorgebildet zu werden. Diesem längstgcfühlten Bedürfniß wird nun in unserer Provinz Rechnung getragen werden und zwar durch den Lehrer Herrn M. Fleischhacker Hierselbst, welcher mit Beginn des neuen Schuljahres eine Präparanden-Anstalt eröffnet, an welcher unter seiner Leitung noch drei Lehrer unterrichten werden. Siegburg ist als Sitz eines Königlichen Lehrerseminars und eines Gymnasiums als Ort für eine solche Anstalt geeignet, insbesondere auch, weil die hiesige Gemeinde eine orthodoxe ist, so daß die Zöglinge nach ihrer Vorbereitung in das Kölner Lehrerseminar eintreten können. Die Aufnahme der Schüler erfolgt nach zurückgelegtem 14. Lebensjahre. Oefterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Dem Jahres - Bericht der Wiener öffentlichen israelitischen Vereins-Volks-Schule „Talmud-Thora" für das Schuljahr 1888 entnehmen wir: Mit lebhaftem Schmerze müssen wir constatiren, daß der Rechnungsabschluß für das abgelaufene Jahr entgegen den Vorjahren mit dem namhaften Deficit von 997 fl. schließt. Dieses Deficit führt eine so beredte Sprache, daß wir eigentlich nichts weiter hinzuzufügen brauchten. Ungeachtet der überaus günstigen Resultate unserer vierklassigen Schule, ungeachtet der auszeichnenden Anerkennung, die unserer Schule von den löblichen Schulbehörden, dem löbl. Bezirks- und Ortsschulrathe, insbesondere auch in letzter Zeit zu Theil wurde, und auf die wir mit Stolz blicken können, finden wir dennoch nicht die genügende und angemessene Förderung und Unterstützung seitens unserer Glaubensbrüder, um unsere Schule in ihrem jetzigen Umfange zu erhalten, geschweige denn, um den Bestand derselben zu sichern und an deren Vergrößerung durch Eröffnung einer 5. Klasse denken zu können. Wir gehen nun daran, die Theilnahme größerer Vereine, wie der „Israelitischen Alliance", deren ausgezeichnetes Wirken für Schulzwecke doch allseits rühmlichft anerkannt wird, sowie hervorragender Persönlichkeiten für unsere Schule zu wecken; wir werden weiters trachten, durch einen Appell an die gesammte jüdische Bevölkerung eine größere Schaar unserer Glaubensbrüder zur Förderung und Unterstützung unserer Schule heranzuzichen. Frankreich. Paris. Anfangs dss. Monats wurde hier der rühmlichft bekannte Philantrop E. F. Veneziani begraben. Sein Heimgang wird innig betrauert, der Verstorbene war einsehr thätiges Mitglied desCentral- Comites der Alliance Jsraelite und war der Rathgeber in Wohlthätigkeitssachen des Baron von Hirsch. Veneziani war in Livorno in bescheidenen Verhältnissen geboren und widmete sich dem Lehrerstand. Im Alter von 21 Jahren verließ er Italien und ging nach Salonichi, woselbst er in der Familie Allanti Hauslehrer war. Zehn Jahre später ließ er sich in Konstantinopel nieder und trat als Geschäftsführer in das Haus Camondo u. Cie. ein, worauf er sich verheirathete. Während seines Aufenthaltes in Konstantinopel verkehrte er viel mit türkischen Juden und wurde von diesen sehr verehrt, wegen seines überaus edlen Charakters. Im Jahre 1881 war er in Brody, um den verfolgten russischen Juden helfend beizstehen, hielt sich längere Zeit an der gatizischen Grenze auf, von wo aus er die Ueberfahrt der russ. jüd. Flüchtlinge leitete. In seiner überaus großen Aufopferung für das Menschlichkeitsgefühl war er auch u. A. in der Schlacht bei Plewna. Später ging er nach Palästina, wo er sich längere Zeit aufhielt. Ende 1887 begleitete der Verstorbene den Baron v. Hirsch nach Konstantinopel. Alle Armen, die ihn um seine Hilfe baten, konnten sicher sein, daß er ihnen helfend bestehen würde.

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