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Der Israelit · 1889-02-21 · Heft 15 (21.2.1889) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 15 (21.2.1889)
Date
1889-02-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Zweite Beilage zu.V l^öes „Israelit" & „Ieschurun". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Fürth (Bayern), 17. Februar. Einen herben Verlust bat unsere altjüdische Gemeinde zu beklagen, in dem Tode eines ihres achtbarsten und edelsten Mitgliedes, des Herrn David JchenHäuser, der heute zur letzten Ruhestätte geleitet wurde. Der Heimgang dieses allgemein geschätzten Mannes ist um so mehr zu beklagen, als er noch zu jenen in der heutigen Zeit leider immer seltener werdenden Männern gehörte, die trotz ihres Reichthums und ihres Ansehens an den Idealen und Satznngeil der wahren, unverfälschten Religion mit unerschütterlicher Glaubenstreuc fefthalten. Und diese Glaubenstreue verlieh ihm auch jene bewunderungswürdige Geduld, mit der er das über ihn verhängte körperliche Leiden ertrug; dieser Glaubenstreue entsprang nicht minder jene seltene Bescheidenheit und Herzensgüte, die er stets gegen Jedermann an den Tag legte, und jene bekannte Mildthätigkcit und Opferfreudigkeit, die er stets gegen Arme und Nothleidende im vollsten Maße bewährte. Welcher Liebe und Hochachtung der Verblichene sich allenthalben zu erfreuen hatte, bewies das imposante Leichenbegängniß, dem Juden und auch Christen aus den verschiedensten Ständen folgten. Am Grabe schilderte der Herr Rabbiner in trefflicher Weise die Tugenden und Eigenschaften des im 60. Lebensjahre Heimgegangenen. Der Verblichene hinterläßt eine Wittwe, die ihrem Gatten während der langen Leidenszeit mit bewunderungswerther Liebe und Aufopferung zur Seite gestanden, vier Söhne und zwei Töchter. Gott tröste die Hinterbliebenen. A. M—z. Aus Württemberg, 11. Febr. Während sich in den letzten Jahren unsere Tagesblätter — einige strengkirchliche wie „Reichspost", u. a. ausgenommen — von allen antisemitischen Hetzereien ferngehalten haben, brachte in den letzten Tagen die „Württ. Landeszeitung" einige Mittheilungen, welche das jüdische Gefühl verletzen müssen. In einem Artikel „Ideal und Wirklichkeit im Sozialismus" finden sie Juden als die wichtigsten Vertreter in der Geschichte des „Sozialismus". Als Apostel par excellence werde von den Sozialdemokraten der Jude Karl Marx betrachtet, der den revolutionären Terrorismus predigte, und jetzt verkünde ein anderer Jude, I. Stern (früherRabbiner in Battenhausen) ganz andere sozialistische Dogmen. Wozu fügt das Blatt in solch auffallender Weise die Konfession sozialistischer Agitatoren bei, denen doch ganz gewiß ihr Glaube ganz gleichgiltig ist? Gewiß blos darum, um die Bekenner der jüdischen Religion als Anhänger der sozialistischen Partei zu verdächtigen. Mit gleicher judenfreundlichen Gesinnung bringt dieselbe eine Korrespondenz aus Brackenheim: „Wiederholt haben Israeliten hiesige Liegenschaften erworben und mit erheblichem Gewinn wieder an verschiedene Bürger veräußert. Diesem Zwischenhandel entgegenzutreten, hat sich eine große Anzahl von Einwohnern vereinigt, nichts mehr von Juden zu kaufen und in einem öffentlichen Aufruf zum Beitritt ad hoc einzuladen. — Es ist überhaupt bezeichnend für unsere gegenwärtigen Zustände, was man mit dem Begriffe „jüdisch" identifizirt. So schreibt ein pädagogisches Organ in seinen Neujahrsbetrachtungen: „Man hört gegenwärtig von „jüdischem Gei st e" reden, der auch das deutsche Volk mehr und mehr durchfresse. Ob man recht hat, gerade diesem Namen dem damit gemeinten Geiste beizulegen, ob derselbe gerade seine Vertreter in den Semiten habe, und ob sein Ursprung gerade in der Naturanlage jenes Volkes sich finde, diese Frage berührt uns hier gar nicht. Es ist jedenfalls ein großes Unrecht, wenn man damit die Angehörigen eines Volkes kurzweg in einen Topf wirft. Wir führen diese weitverbreitete Benennung hier nur an, weil sie mit einem Worte jedem Leser den Geistescharakter nach einmal verbreiteten Wortgebrauche deutlich macht. Aber das, was man damit bezeichnen will — abgesehen von der antisemitischen Verhetzung — ist leider wahr. Der Geist des Materialismus in gänzlich idealloser Weise, dabei der Geist der Jmpietät, der Selbstsucht, der zerstörenden, tödtenden, weil nur verneinenden Kritik, der Geist, der gar nichts schaffen und bauen will, als nur des Jchs irdische Bequemlichkeit und eitle Ehre, der Geist, der eben hauptsächlich Geld und wieder Geld sucht, dieser Geist hat weit um sich gegriffen." Das versteht also unsere Zeit unter „jüdischem Geiste". Stuttgart, 18. Februar. Ihre Majestät die Königin Olga haben dem Verein zur Unterstützung armer Israel. Lehrer und Vorsänger Württembergs

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