Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1889)
- Date
- 1889-02-14
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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248 Heine s Schulzeit. Die Eindrücke und Erfahrungen, die ein Mensch in der Jugend, besonders durch seine Mitschüler, empfängt, sind oft entscheidend für sein ganzes künftiges Denken und Fühlen. Richten sich auf einen Schüler die Spott- und Witzpfeile der Mitschüler, so hat er ein trauriges Dasein. Verdorbene Schulknaben sind in Erfindung von Bosheiten viel reifer, raffinirter und selbständiger als der größte Theil der Lehrer meint. Heinrich Heine hat darin sehr unangenehme Erfahrungen gemacht. Ihm wäre viel Aerger und Erbitterung erspart worden, wenn er den deutschen Vornamen „Heinrich", den er später annahm, statt des englischen Harry, von Anfang an gehabt hätte. Dieser Form seines Vornamens verdankte Heine — wie er selbst in seinen Memoiren berichtet — den empfindlichsten Verdruß seiner Kindheit; die schönsten Frühlingsjahre wurden ihm dadurch vergällt und vergiftet. In Düsseldorf war nämlich ein Mann, der „Dreckmichel" genannt wurde, weil er jeden Morgen mit einem Karren, vor welchen ein Esel gespannt war, die Straßen der Stadt durchzog und vor jedem Hause still hielt, um den Kehricht aufzuladen und aus der Stadt zu schassen. Der Esel hielt still vor den Häusern oder setzte sich in Trab, je nachdem die Modulation war, womit der Michel ihm das Wort Haarüh (Haar — nach links, üh vorwärts, hoit — nach rechts) zuries. Wegen der Aehnlichkeit dieses Wortes mit Harry mußte Heine von Schulkameraden und Nachbarskindern außerordentlich viel leiden. Sie lachten darüber, während Heine weinte. „In der Schule wurde dasselbe Thema mit raffinirter Grausamkeit ausgebentet; wenn nur irgend von einem Esel die Rede war, schielte man nach mir, der ich immer erröthcte, und es ist unglaublich, wie Schulknaben überall Anzüglichkeiten hervorzuheben oder zu erfinden wissen. Wie unterscheidet sich das Zebra von dem Esel Bileams, des Sohnes Beors? die Antwort lautete: das eine spricht zebräisch, der andere sprach hebräisch. Dann: wie unterscheidet sich der Esel des Dreckmichels von seinem Namensvetter? Die impertinente Antwort war: „den Unterschied wissen wir nicht." — „der blonde lockige, sanfte, mädchenhafte Franz, den ich so sehr liebte, verrieth mich einst. Er schloß mich in seine Arme, lehnte seine Wange zärtlich an die meinige, blieb lange sentimental an meiner Brust und — rief mir plötzlich ins Ohr ein lachendes Haarüh! — das schnöde Wort im Davonlaufen beständig modulirend, daß es weithin durch die Kreuzgänge des Klosters verhallte." — Noch roher betrugen sich gegen Heine einige Nachbarskinder jener niedrigsten Klasse, die den Namen Heloten trägt. Sogar arge körperliche Mißhandlungen mußte Heine erdulden. Nehmen wir zu den Mißhandlungen die Spöttereien über seine jüdische Abkunst und seine jüdischen Manieren, die bei seinen Kameraden nicht ansbleiben konnten, so werden wir wohl nicht irre gehen, wenn wir Heines späteren Spott über Religion, Judenthum wie Christenthnm, nicht selten auch über das Deutschthum zum Theil wenigstens in jenen trüben Jugenderfahrungen begründet finden. Wie mancher jüdische Knabe, der seiner Religion wegen Spott und Witzreden über sich ergehen lassen mußte, hat sich dadurch Widerwille gegen seine angestaminte Religion eingeflößt und in mancher Stunde der Verzweiflung, wenn er dem Muthwillen und der Bosheit der Mitschüler nicht erwehren kann, wird er mit Heine „das Judenthum für ein Unglück" halten. Wollen wir deßhalb in unseren Kindern die Liebe zur angestammten Religion erhalten, so laßt uns unsere jüd. Elementarschulen erhalten und wo möglich neue gründen, denn die Eindrücke der Jugend lassen sich nicht leicht verwischen und haften für das ganze Leben. Preis der dreigespaltenen p r Der Preis jedes Inserats Petitzeile oder deren Raum ist demselben in [edfigeii] Klammern 10 Pfennig. _ ry VVKy beigedruckt. In diese Rubrik werden nur Inserate betr. An- und Verkauf alter Bücher ausgenommen. Inserat-Aufträge an die Expedition des „Israelit" in Mainz, Schottstraße 2. Ich suche Lewandowski’s Kol Rinah ut’ fillah noch gut erhalten, zu kaufen. Offerten mit Preisangabe an 1150) Warszawski, so. 90) Breslau. Unterzeichneter verkauft: Predigten von Dr. Michael Sachs, 2 Bde. (fast noch neu). 5 Mk. Bibliothek jüd. Kanzelredner v. Kayserling. 5 Mk. Fcftpredigten für alle Feiertage von Gotthold Salomon. 2 Mk. 1151) A Stern, Lehrer, [0.90) Oberhausen (Rheinland). verkaufe, so weit der Vorrath reicht, einige R o t t: „ Gerettetmit beschmutztem Titelblatt, 60 Pf. B e r e n d: „Verirrt," etwas defect, 20 Pf. Beide Werkchen zusammen bezogen 90 Pf. incl. Porto. Joh. Wirth'sche Hofbuchdruckerei, (Oscar Lehman n), Mainz. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz.