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Der Israelit · 1889-02-11 · Heft 12 (11.2.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 12 (11.2.1889)
Date
1889-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. M IS. IsraelitJeschurun. ZektsHüfl zm Förderaag D. ©elftes und ind. Gebens tu Ans. ©emeinöe and Schale. Genkrat-Hrgan für das orthodore Zudenthum. Herausgegeben von Dp. Lehmann in Mainz. Montag, den 11. Februar 5648 <1888). Leitender Artikel. Auf- und Wedersteigen. Von Dr. D. Mannheime r. Als in Wolken gehüllt auf dem Gipfel des Berges Sinai Mo!es vor dem Allmächtigen weilte, als Gott ihm die schriftliche und mündliche Lehre übergab, auf daß er sie als ewiges, unvergängliches Kleinod seinem Volke mit hinaus in die Wüstenwanderung gebe, da war plötzlich tief unten am Fuße des Berges ein buntes Treiben tmmtten des Volkes Israel. Das nämliche Volk, das noch kurz vorher in freudiger Begeisterung dem göttlichen Gesetze willig Ohr und Herz zu leihen versprochen, das einstimmig gelobet, zu „halten und zu hören", es war schnell abgewichen von dem gottgefälligen Wege, herabgcsunkcn von der idealen Höhe sittlicher Größe, zurückgekehrt in den Schlamm heidnischer Sünden, egyptischen Götzendienstes. Israel hatte ein goldenes Kalb sich verfertigt, Israel hatte Gott vergessen, der so wunderbar und gewaltig es geführt, der die Natur in ihrem Laufe gehemmt, der die Elemente verstummen gemacht um seinetwillen, und in feurigem Glanze am Sinai sich ihm geoffenbart. Und als Gott zürnend hinabblickte auf das sündige Volk, da rief er Moses, dem Lehrer Israels zwei Worte entgegen, die wohl kein Gesetz bedeuten, nicht in die Reihe der sinaitischen Satzungen eiugereiht sind, doch eine wichtige Lehre enthalten, eine ernste Lebensregel in sich bergen, zwei Worte, die auch uns im Leben gar oft mahnend und lehrend entgegenhallen, -n „Steige hinab", so lauten diese beiden Worte. „Steige hinab" ruft Gott dem Lehrer Moses zu, „Deine Kinder haben gesündigt." Und Moses antwortete, so erzählen unsere Midraschweisen, „gestern noch sprachst Du zu mir: „Steige herauf", und heute schon sagst Du: „Steige hinab"? Da antwortete ihm Gott: „Nicht um Deiner Ehre willen, bist du herausgestiegen, sondern um deiner Kinder Ehre willen, denn so sprach ich einst zum Erzvater Jakob: „Die Engel Gottes steigen auf und nieder durch ihn " Was sollte dies bedeuten? Nichts anderes als: „Wenn deine Kinder auf gerechtem Wege wandeln, so werden sie erhöht, und mit ihnen erheben sich auch ihre Führer und Leiter, aber wenn deine Kinder fallen, so fallen mit ihnen auch ihre Führer und Leiter." Darum steige hinab, denn deine Kinder haben gesündigt, sie sind gefallen, und du mit ihnen." So hatte sich Moses erhoben hinauf aus den heiligen Gipfel des göttlichen Berges, so war er auserkoren im lichtumflossenen Glanze in göttlicher Nähe zu weilen, hocherhaben über seinem Volke, ein Mensch im Reiche der Engel. Und warum war ihm diese hohe Ehre geworden? „Nicht deinethalbcr bist du hier", — so sprach Gott — „nein, um willen deiner Kinder." Weil Israel, kaum das drückende Sklavcnjoch von sich abgeschüttelt, am Berge Sinai seine hohe Bestimmung, seine sittliche Reife bewährt, weil es vor allen Völkern froh sich hingcgeben, dem göttlichen Gesetze den Nacken zu beugen, was cs auch enthalte, wie groß auch die Opfer, die es erheische, „halten" wollten sie und „hören." Groß war das Volk und groß durch sie ihr Führer. Doch ach, wie plötzlich war es anders geworden. Das Volk vergaß seinen Gott, nicht mehr bewußt seiner hohen Bestimmung sündigte es und schon erging an dessen Führer der göttliche Ruf „Steige hinab" von deiner Höhe. Denn so zeigte einst Gott dem Vater Jakob im Traume

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