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Der Israelit · 1889-02-07 · Heft 11 (7.2.1889) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 11 (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
– (sequence 18)
Language
German
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206 den Sultan Abdul Hamid II., verleiten sollen lassen und damit sie unseren Feinden, die auch in Arabien zahlreich, wie der Sand am Meere, sind, keine Waffen gegen uns in die Hand geben mögen. Hier ist nämlich plötzlich ein Jude aus der arabischen Wüste aufgetaucht, der sich für den Messias (n>vn apir) ausgibt und überall verkündet, er sei gekommen, um die Juden Arabiens wieder in das Land ihrer Väter zurückzuführen und dort den Thron Israels wieder zu errichten. Dieser msi rrco (Verlocker und Verführer) heißt Josef Abdalleh (n^tnay *pi\), scheint nicht ohne Geldmittel zu sein, da er seine eigene Leibwache, die aus jüdischen Jünglingen besteht, mit sich führt und auch sonst einen fürstlichen Glanz zu entfalten weiß. Leider findet derselbe täglich mehr Anhänger bei unseren Glaubensbrüdern hier und in den andern Städten des Landes, da sie größtentheils sehr arm sind und sich daher von dem neuen Messias den Heranbruch eines goldenen Zeitalters für die Söhne Israels versprechen. Auch hat der neue Messias sogleich begonnen, die alte Gebetordnung umzuändern und ganz neue Gebete, die auf seine Mission Bezug haben, einzuführen. Leider haben sich auch einige Talmide Chachamim (Rabbiner und sonstige Schriftgelehrte), theils durch Drohungen eingeschüchtert, theils durch Versprechungen und Geldgeschenke von ihm angelockt, dem falschen Messias angeschlossen, der sich nun rühmt, daß auch viele Rabbiner Jemens heute schon willig seinem Befehle lauschen. Als es vor Kurzem hier lange nicht regnen wollte, da befahl der neue Messias allen seinen Anhängern, auf den Friedhof hinauszuziehen, um dort vom Allmächtigen einen ausgiebigen Regen zu erflehen. Auf seinen Befehl wurde zugleich auch eine Bundeslade, mit mehreren Thorarollen in ihr, auf den Friedhof hinausgetragen, während sieben Chachamim Widderhörner (miviv) in den Händen trugen, in die sie fortwährend bliesen. Die anderen Leute trugen Lulabim und verdorrte Eßrogim in den Händen, die sie fortwährend schüttelten und dabei zugleich laut die Hoschanoß recitirten. Bald nachher fing es zu regnen an, so daß der neue Messias sich rühmen konnte, er habe bei dem Allmächtigen den Regen erwirkt. Natürlich glauben auch dies seine Anhänger. Hie und da pflegt der neue Messias um Mitternacht, wenn Alles schon im tiefen Schlummer liegt, buch die Gäßchen unseres Judeuviertels zu laufen, wobei er mit verstellter Stimme ruft: D’mi» o\n uw: ThutBuße, o irrgeführte Söhne! Bessert Euch und kehret wieder zu Gott zurück, denn die Erlösung ist nahe! Dann und wann sendet er einen seiner Anhänger i aus, damit er um Mitternacht die Leute zur Buße ermahne. Natülich heißt es dann am andern Morgen, daß es eine *>ip na (himmlische Stimme) war, welche in der vergangenen Nacht die Bußerufe ertönen ließ. Daß der neue Messias auch Wunder verüben und sich im Augenblicke der Noth auch unsichtbar machen kann, ist selbstverständlich. Auch sein königliches Siegel besitzt er schon, das er seinen amtlichen Schriftstücken beidrückt. Seltsamerweise drücken die Behörden dem Treiben dieses Schwindlers gegenüber ein Auge zu, oder mag auch sein, daß sie ihn für ungefährlich halten, so daß derselbe zum vollsten Aerger unseres Mari und aller rechtlich Denkenden hier sein gotteslästerliches Treiben ruhig fortsetzen und so die Zahl seiner Anhänger täglich vergrößern kann. Hier kann nur ein Schreiben der Rabbiner Jerusalems, die von dem Treiben dieses Schwindlers auch schon Kenntniß haben, etwas nützen, und mögen dieselben sich daher auch baldigst zu einer That aufraffen. — Vor Kurzem ist in der Stadt Demar der dortige Rabbiner Jachja El-Kapach gestorben und gleich einige Tage nachher trat eine Dürre ein, das; sogar die Baumfrüchte welk wurden. Die Juden Damars glaubten nun, daß der Tod dieses Gottesmannes das große Unglück über sie heraufgebracht habe. Mesopotamien. Bagdad, 7. Januar. Vor einigen Monaten erließ der hiesige Ehacham, Schlomoh Bechor Huzin, im „Pärach" von Kalkutta einen Aufruf an alle unsere Brüder im Morgenlandc, in dem er sie bat, falls sie etwas von einem gewissen Moses Babel hören sollten, es ihm sogleich mitzutheilen, da derselbe hier eine Frau im größten Elende zurückgelassen und sich nach dem Auslande geflüchtet habe. Da der „Pärach" im ganzen Oriente verbreitet ist, so gelangte die Kunde von dem Verschwinden dieses zärtlichen Ehegatten bald auch nach Zefat (pbs). Vor einigen Wochen schickten nun die Rabbiner Zefats einen gewissen Heskel Saul Rofoh als Sendbaten nach Südarabien, damit er dort Unterstützungen für sie sammele. Wie dieser nun jetzt im „Pärach" mittheilt, ist es ihm gelungen, den genannten Moses Babei, der eigentlich ein Perser ist, in der Stadt Sama zu entdecken, wo er einen Obstladen besitzt. Selbstverständlich wird der Treulose jetzt gezwungen werden, zu seiner verlassenen Gattin zurückzukehren. Es zeigt sich so wieder einmal, wie nothwendig die Zeitungen für unser über die ganze Erde zerstreutes Volk sind, damit wir uns gegenseitig verständigen können.

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