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Der Israelit · 1889-02-07 · Heft 11 (7.2.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 11 (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. M 11. Israelit««»Jeschurun. 3ritrü)vifl zur Förderuug jiiö. ©elftes uud D. Lebens ln Mus. ©emeinöe und Schule. Gentrak-Hrgan für das orfßoboxe AudentHum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den V. Februar 5649 (1889). Leitende Artikel Die Hhora üver Alles. Mainz, 5. Februar. Von all den großen Eigenschaften, welche unser Lehrer Moscheh besaß, wird von der heiligen Schrift nur sein Demuth, seine wahrhafte Demuth hervorgehoben. „Und der Mann Moscheh war demüthig gar sehr, mehr als alle Menschen auf der Oberfläche des Erdbodens." Die wahrhafte Demuth besteht nicht darin, daß man sich den Menschen gegenüber demüthig benimmt und von sich in der größten Bescheidenheit spricht; es gibt viele Menschen, denen Demuth und Bescheidenheit, die sie äußern, nur als Deckmantel der Eitelkeit und des Hochmuths dienen; die wahre Demuth besteht vielmehr darin, daß man die Vorzüge seiner Mitmenschen neidlos anerkennt und keinen Kummer empfindet, wenn sie mehr erlangen als uns zu erreichen vergönnt ist. — Nach dieser Darlegung erscheint ein Midraschwort zu dem Wochenabschnitte des kommenden csabbats sehr verwunderlich. Wir lesen (2. B. M., Cap. 28, B. 1): „Und du, bringe nahe zu dir den Aharon, deinen Bruder, und seine Söhne mit ihm aus der Mitte der Kinder Israel ihn zum Priester einzusetzen Mir, Aharon, Nadab und Abihu, Elasar und Jthamar, die Söhne Aharons." Hiezu bemerken unsere Weisen im Midrasch Rabbah: „So heißt es auch in der heiligen Schrift (Psalm 119, B. 92): w ’ywy» in-nn ’W? ’rroN. Wäre nicht Deine Lehre meine Wonne, dann wäre ich verloren in meinem Elend.*) Als *) Wir sind hier der gewöhnlichen Uebersetzung gefolgt; am Schluffe dieser Abhandlung werden wir diesen Vers in anderer Weise deuten. der Heilige, gelobt sei Er, zu Moscheh sprach: Gib dem Aharon und seinen Söhnen die erbliche Priesterwürde, da war Moscheh bekümmert; aber Gott sprach zu ihm: Die Thora, die ausschließlich Mein Eigenthum gewesen, habe Ich dir gegeben, denn, wenn sie nicht wäre, so würde Meine Welt zu Grunde gehen." Der Kummer, den Moscheh empfunden haben soll, als seinem Bruder die erbliche Priesterwürde zugetheilt wurde, entspricht durchaus nicht dem Charakter unseres großen Lehrers, seiner oben geschilderten Demuth, mit welcher die Thora ihn rühmt, und auch die Antwort, die ihn trösten soll, ist nicht recht verständlich. Hätte Gott nicht die Thora durch Moscheh geben lassen und ihm dennoch die erbliche Priesterwürde ertheilen können? Um diesen Ausspruch unserer Weisen zu verstehen, müssen wir der hier besprochenen Angelegenheit auf den Grund zu kommen suchen und müssen zuerst zwei Fragen erörtern. Erstens, warum ist die Demuth die einzige Eigenschaft, welche die Thora in Bezug auf Moscheh betont, und zweitens, warum hat Gott in der That nicht die erbliche Priesterwürde Seinem Diener Moscheh verliehen? Zu der hohen Würde, zu der Gott unfern Lehrer Moscheh berufen, durch ihn der Welt die Thora zu geben, war die wahrhafte Demuth das erste und hauptsächlichste Erforderniß. Hoch werden die Gesetzgeber der Nationen gepriesen ob ihrer Weisheit, Einsicht und Umsicht, womit sie weise und wohlthuende Gesetze ersonnen und gegeben. Unser Lehrer Moscheh aber hatte nicht nöthig, Weisheit, Einsicht und Umsicht zn bewähren; er war nichts als der Bote unseres Gottes, als das Werkzeug in Seiner Hand. Alle die Gesetze und Vorschriften, die durch ihn gegeben wurden, bekunden

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