Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1889)
- Date
- 1889-01-31
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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v \ . '.Tr ■ ' ■• .;.• r- .-7 166 Budapest. Ein Israelit und ein demselben Glauben angehörendes Mädchen gingen eine gesetzliche Ehe ein. Zehn Jahre nach Schließung derselben übertrat der Mann zum evang. Glauben, während die Frau Jüdin blieb. Bald darauf brachte die Frau ein Kind weiblichen Geschlechtes zur Welt, dessen Jmmatrikulirung von der Pester isr. Religionsgemeinde zurückgewiesen wurde. Der Gatte suchte beim Bürgermeister an, daß sein Kind in die Liste der Konfessionslosen ausgenommen werde, doch seine Bitte wurde ihm unter Hinweis auf die Statthalterin- Verordnung vom Jahre 1775 abgeschlagen und er gleichzeitig angewiesen, alle seine nach dem Glaubenswcchsel zur Welt gekommenen Kinder, ferner diejenigen, die bei seinem Glaubenswechsel noch nicht 7 Jahre alt waren, durch den Seelsorger der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde taufen zu lassen. Der Kultusminister, an den die Angelegenheit appellirt wird, hat den Bescheid des Oberbürgermeisters vollinhaltlich bestätigt. — Ein anderer interessanter Fall ist der folgende: Ein gesetzlich angetrautes isr. Ehepaar trennte sich bald nach der Trauung. Der Mann übertrat zum reform. Glauben und die Frau reichte gegen ihn die Scheidungsklage ein. Als sie schon etwa drei Jahre nicht mit einander lebten, gebar die Frau ein Kind männlichen Geschlechtes. Die Mutter wollte das Kind als jüdisches immatrikuliren lassen, die Pester isr. Religionsgemeinde wies jedoch ihr Ansuchen mit der Motivirung ab, daß die Ehe gesetzlich noch nicht gelöst sei. Der Magistrat sprach gleichzeitig aus, daß der als legitim präsumirte Knabe im Glauben seines Vaters, im reformirten getauft werden müsse. Diesen Bescheid hat das Kultusministerium gleichfalls bestätigt. Indien. Kalkutta, 2. Januar. Unser neuer Vicekönig, Marquis of Landsdowne, hat sein hohes Amt schon angetreten und veranstaltete sogleich zu Ehren der hiesigen Gesellschaft eine „Levee" d. h. einen Empfangsabend, zu dem mehr als tausend Einladungen versendet wurden. Die hiesige jüdische Gemeinde war bei dem Empfange durch sechzehn ihrer Mitglieder vertreten, unter denen sich auch die drei Gabbaim und der Herausgeber des „Paerach", Elia Moses Dauweh Cohen, befanden. Die Gattin unseres Vicekönigs, Marchiones of Landsdowne, hat für die hiesige Damenwelt ein „Drawing Room", einen Theeabend veranstaltet und zu demselben 286 Einladungen versendet. Von der hiesigen jüdischen Gemeinde wohnten nur drei Damen diesem Theeabend an, während die übrigen vier, die gleichfalls geladen waren, sich etnschuldigen ließen. Der hiesige jüdische Lehrer, Salomon Abad Tuwaina, hat soeben in Jerusalem das Buch Kohelet mit der von ihm angefertigten arabischen Uebersetznug drucken lassen. In Bombay hat der Chasan der dortigen Synagoge pdjd" Chacham Nissim Elischa Elia Zacharjah das Gebetbuch: o'tied p"p jroDD ruttn mroBf bzb roten no mit der von ihm angefertigten arabischen Uebersetznug der Oeffentlichkeit übergeben und zwar unter dem Titel: d’d: ntpyo um so seinen Namen zu verewigen, und bilden die acht Buchstaben zugleich das Akrostichon: d-ihd -p:u non mntp rony nmo roomne in\ Es ist dies das zweite Mal, daß in Indien ein hebräisches Gebetbuch gedruckt wurde, da es jetzt gerade fünfzig Jahre sind, daß der Chacham Elazar Aron Jraki Hakohcu ein solches hier drucken ließ. Der Preis des neuen Gebetbuches beträgt vier Rupien. Die hiesigen Blätter registriren die Freudenbotschaft, daß Herr Esra Sassun, der mit einer Rothschild verheirathet ist, von seiner Gattin mit einem Sohne, der zugleich der Erstgeborene ist, beschenkt wurde. Die Sassuns stammen bekanntlich aus Bombay, ursprünglich aus Bagdad. B o r d e r - I n d i e n. Bombay, im Januar. Die jüdische Gemeinde in London wird in den nächsten Tagen einen seltenen Gast in ihrer Mitte sehen. Es ist dies eine Tochter unserer Gemeinde, Frl. Mirjam Samuel, die vor kurzem erst an der hiesigen Universität ihre Prüfungen abgelegt und dabei den Grad eines B. A. (Bachelor of Arts), was dem deutschen Maturazeugniß entspricht, erhalten hat. Frl. Mirjam Samuel, Tochter eines hier eingewanderten persischen Kaufmanns, hat gar keinen öffentlichen Unterricht genossen, sondern stets nur privat stndirt und sich doch dabei sämmtliche Gegenstände des Gymnasiums vollständig angeeignet. Das Fräulein gedenkt nun nach London zu gehen, um dort Medicin zu stndiren, worauf sie sich hier in ihrer Vaterstadt als Aerztin niederlassen wird. Frl. Samuel ist unseres Wissens die erste persische Jüdin, die es in der Gelehrtenwelt zu einem solchen Range gebracht hat und steht ihr zweifelsohne eine glänzende Carriöre noch bevor, da die Orientalinnen, wie man weiß, sich ungerne von einem Manne behandeln lassen und einen weiblichen Doctor beiweitem vorziehen. Hinter - Indien. Mandalay (im Königreiche Birma). Der Vorsteher unserer jungen und kleinen Gemeinde, Herr Hilali (»tern 0"n lrote) hat an den Chacham