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Der Israelit · 1889-01-24 · Heft 7 (24.1.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 7 (24.1.1889)
Date
1889-01-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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die Braut hingegen einer arabischen Familie angehörte, und, ungeachtet der vielen Jahrhunderte, während welcher die spanischen Juden den Orient bewohnen, sich namentlich bei Ceremonien, sowie auch bei Familienfesten noch viele alte Sitten erhalten haben. Die Trauung und Feier fand im Hause der Braut statt. Zu diesem führt eine lange, enge Gasse (Nebenstraße der Llüski-Straße, die lebhafteste in Kairo), welche im Harr El-Jelmd (Quartier der eingeborenen Juden, auch hier Ghetto genannt) liegt. Diese Gasse ist in ihrer ganzen Länge mit zahlreichen Fähnchen (roth und weiß, in der Mitte der Halbmond und der egyptische Stern sfünftheiligj) und mit bunten Lampen dekorirt, welche an quer über die Straße gezogene Leinen hängen. Selbst derjenige, welcher den Ort nicht kennt, wo die Feier ftattfindet, findet ihn sofort; denn von weitem schon strahlt uns das Licht von zahlreichen großen, weißen Laternen, welche an der Hausthür und den Fenstern der oberen Etagen des Brauthauses angebracht sind, entgegen. Außerdem hört man ebenfalls von weitem schon die geräuschvolle, melodielose, für europäische Ohren sehr monoton klingende Musik des auf dem Hofe postirten Orchesters, aus 15 Mann bestehend, welche beim Eintreten eines Gastes aus ihrer langsamen Spiclweise heraustreten und eine Art Marsch aufspielen, welcher jedenfalls den oben bereits Versammelten auzeigen soll, daß ein Hochzeitsgast naht. In der That kommt dem neu Eintretenden auf der Treppe ein in Schwarz gekleideter (mit Stambul-Rock, dem Salon-Rock der Araber bekleideter) junger Manu, ein Verwandter des Hausherrn entgegen, welcher den Gast mit einer ganzen Formel von Begrüßungen empfängt und ihn in den für die männlichen Gäste hergerichteten Rauchsalon führt. Beim Eintreten erheben sich alle bereits Anwesenden und begrüßen den Eintretenden durch eine höchst elegante Handbewegung an chen Tarbusch (Kopfbedeckung). Eine gegenseitige Vorstellung findet aber nicht statt, diese ist eine hier von den meisten ungekannte Sache. Kaum hat man sich niedergelassen (die bereits Anwesenden thun dies dann erst, wenn es der Hinzukommende gethan hat), so kommt ein Diener (Neger), welcher auf einem großen, reichverzierten, silbernen Präsentierteller Limonade (arabisch Casusa) in Gläsern herumreicht, sowie ein anderer, welcher auf einem großen, weißen Porzellanteller Cigaretten präsentirt. Die Honneurs macht hier die Mutter der Braut, unterstützt durch eine ledige Tochter. Die Damen werden ebenfalls in einen separaten Salon geführt, welcher ziemlich weit von dem der 124 Herren liegt. Trotzdem mau hier schon zahlreiche europäische Toiletten sieht , so wird doch in dieser Beziehung orientalisch-türkische Sitte aufrecht erhalten, und jede Berührung oder Annäherung zwischen beiden Geschlechtern ängstlich vermieden. Beim Pafsiren des Damenzimmers hat man Gelegenheit, einen flüchtigen Blick hineinzuwerfeu, und da sieht man denn einige wirklich schöne Gesichter und stattliche Figuren, besonders die Türkinnen und Araberinnen in ihren reichverzierten Nationalkostümeu dürfen hier Anspruch auf Schönheit machen. Fast sämmtliche Damen rauchen Cigaretten, eine hier stark eingeführte Sitte. Nur junge Mädchen in Gegenwart älterer Damen rauchen nicht. Ein längere Zeit anhaltender rauschender Tusch des Orchesters verkündet jetzt das Nahen des Rabbiners (Chacham). Dieser tritt ebenfalls in den Herrensalon ein, zu seiner Linken befindet sich sein Assistent, der sogenannte Dajou. Alle Gäste erheben sich von ihren Sitzen und begrüßen den Rabbiner und seinen Assistenten durch Händedruck und eine wiederum höchst elegant ausgeführte Verbeugung. Eine eigeuthümliches Geschrei, eine Art Trillerruf, ertönt nun plötzlich aus dem Damenzimmer, ein Zeichen, daß die Braut naht. Der Rabbiner erhebt sich, alle anderen thun desgleichen. Die Braut erscheint, geführt von ihrem Bruder, welcher sie dem au der Seite des Rabbiuen harrenden Bräutigam übergibt. Mittlerweile hat sich das Zimmer mit Damen angefüllt, welche sich alle um die Braut herumdrängen. Der Rabbiner spricht eine hebräische Formel, während welcher sein Assistent einen seidenen Gebetmantel (Talis) über das Brautpaar breitet, welcher dessen Köpfe bald bedeckt. Dann reicht der Dajon dein Rabbiner ein Glas Rothwein, wovon der letztere zuerst (?), dann der Bräutigam und die Braut, aber beide immer noch bedeckt, trinken. Der Rabbiner spricht wieder eine hebräische Formel, hebt den Gebetmanlel auf und reicht dem Bräutiganl die sogenannte Kethubah (hebräische Bezeichnung für Heirathskontrakt), welche dieser unterschreibt. Während des Unterschreibens leuchten die Augen der Braut hell auf, und die Frauen erheben das oben erwähnte Trillergeschrei (Freudenrufe), in welches die Kapelle mit einem nationalen Hochzeitsmarsch einfällt, welcher eher einem wilden Lärm als einem Hochzeitsmarsche gleicht. Denn die armen Instrumente müssen da tüchtig herhalten, namentlich Pauke und Trommel. Nachdem die wilde Musik verstummt ist, erklärt der Rabbiner in arabischer Sprache die Ehe für geschlossen und rechtsgiltig, kraft seiner Bestallung als Rabbiner seitens der viceköniglichen Regierung.

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