Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1889)
- Date
- 1889-01-17
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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■ rt-" 95 die Kämpfer für die konfessionelle Schule auf protestantischer wie auf katholischer Seite betrachten, so müssen wir gestehen, sie waren und sind nicht unsere Freunde. Gleichwohl darf uns das nicht abschrecken, die jüdisch-konfessionelle Schule zu erstreben. Es sind im Judenthum keine hierarchischen Gelüste, die uns deren Erhaltung wünschenswerth machen, es ist allein die Erhaltung und Befestigung der jüdischen Religion bei der Heranwachsenden Jugend, es ist bei uns keine Macht frage sondern eine Lebensfrage des Jndenthums, die dem Einflüsse des Staates auf die Bildung und Erziehung der Jugend in keiner Weise entgegentreten will. Uns gilt NJH NnirbDT NJH. (Schluß folgt.) Lehrer-Konferenz-Dericht Aus Hessen. Den ersten diesjährigen Ehauukahtag benutzten die isr. Lehrer des Rabbinatsbezirks Fulda zu einer unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialrabbincrs Dr. Ca hu '"j stattgefundeneu Konferenz. Erschienen waren sämmtliche Lehrer bis auf einen, der am Kommen verhindert war. In Ermangelung eines Referats, (ein solches konnte in der zuletzt stattgefundcnen Konferenz nicht bestimmt werden, weil der Herr Vorsitzende am Erscheinen verhindert war) bat Herr Kollege Nußbaum-Hersfcld den Herrn Vorsitzenden, sich ausznsprcchen über Vorgefundene Mängel bei Schulprüfungen. Herr Dr. Cahn war gern bereit dazu und begann zunächst über das „Hebr. Lesen" sich ausznlassen. Er fand es ttcy beklagenswerth, daß die hebr. Sprache gar oft als Aschenbrödel behandelt wird und verwies auf das Erlernen einer der neueren Sprachen, wobei man mit einer viel größeren Genauigkeit und oft unter viel schwierigeren Verhältnissen vorgehe, am stiefmütterlichsten würden Sch'wa und Dagesch behandelt. Im Laufe der nun folgenden Debatte, die sich sehr lebhaft gestaltete, und an der sich fast alle Anwesenden betheiligten, wurde bemerkt, daß in den Seminarien wohl genügend „hebr. Grammatik" gelehrt, auf das eigentliche Lesen aber zu wenig Gewicht gelegt würde und daß deshalb der Lehrer zunächst an sich selbst die bessernde Hand anlegen müsse. Von einer Seite wurde zwar bemerkt, daß in der uns zugemessenen, kurzen Zeit wohl kaum alles zur Zufriedenheit ausgeführt werden könne, in der Erwiderung jedoch darauf hingewiesen, daß das Kind ebenso schnell das Richtige erfasse und behalte, wie auch das Falsche und daß man höchstens wenige Wochen mehr gebrauche, um das Kind zum korrekten Lesen zu bringen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen kam man zum Beten, und wurde vom Herrn Vorsitzenden die bedeutungsvolle Bemerkung gemacht, daß in unserer Zeit überhaupt fast gar nicht m e h r gebetet würde. — Die meisten Besucher der Gotteshäuser, besonders aber die Kinder, stieren vor sich hin und wenden nur von Zeit zu Zeit ein Blatt ihres Gebetbuches um, um möglichst „mitzukommen"; aber hier gilt das Wort: „Besser wenig und gut, (richtig) als viel und schlecht (oder gar nicht). Als von einem der Anwesenden die Frage aufgeworfen wurde, ob es unbedingt nöthig sei, die Gebete vor »"n grammatisch richtig vorzutragen und dabei auf große Männer hingewiesen wurde, die solches nicht gethan, wurde diese Frage bejaht mit dem Hinweise dadurch, daß sonst der Sinn des Gebetes gar oftmals entstellt werden würde (was an vielen Beispielen treffend rrackgewiesen wurde;) als das einzig Richtige wurde das Beten bezeichnet, das für das eigene Ohr hörbar sei, also weder dein lauten Beten, noch dem bloßen Lippenbewegcn oder gar Gedanken-Beten das Wort geredet. Der zweite Punkt der Verhandlungen betraf das Gebet übersetzen. Es wurde allseitig anerkannt, daß das Kind nicht bloß übersetzen, sondern das Uebersetzte auch verstehen lernen muß, und daß ein Uebungsbuch (etwa das von Wiesen-Osterode herausgegebene, das aber genauer übersetzt sein muß) hierbei gute Dienste leisten würde. Unterdessen war es 1 Uhr geworden, und um auch den körperlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen, versammelte man sich zum gemeinschaftlichen Mahle, das unter heiterer Laune und unter gegenseitigem Austausch interessanter Erlebnisse eingenommen wurde. Nach Schluß des Tischgebets wurde mit dem geschäftlichen Theil der Konferenz fortgefahreu, an der Reihe war: D e r Religionsunterricht. Dieses umfangreiche Gebiet wurde zwar nach verschiedenen Seiten hin ausführlich dargelegt und hierbei besonders das vom Director Ludwig Stern in Würzburg herausgegebene 'wvp nVun als eine wahre Perle unter den vorhandenen Lehrbüchern der Religion bezeichnet, wegen der schon vorgerückten Zeit konnte man aber an eine erschöpfende Darlegung nicht denken, und wurde deßhalb beschlossen, in einem Referate für die nächste