Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1889)
- Date
- 1889-01-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447952--27852-2475505- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
69 genannt, von seinem Geburtsort Sbarisch bei Lemberg. Im Jahre 1823 als Sohn eines armen Schochet geboren, befaßte er sich mit dem Studium der hebr. Sprache, in welcher er sich bedeutende Kenntnisse erwarb. 1847 kam er zuerst nach Jassy und ließ sich dann in Botuschan nieder, wo er eine Talmud-Thora errichtete. Aber es ging ihm darin nicht gut und sein ausgezeichnetes musikalisch-komponistisches Talent, sowie eine außergewöhnliche Gabe der poetischen Improvisation ließen ihn nicht an einer Stelle aushalten. Er ging daher, etwa 30 Jahre alt, nach der lebenslustigeren Walachei, wie er überhaupt sein ganzes Leben lang nnftät wanderte und in vielen Städten Rumäniens und sonst im Osten war. In der Walachei — speziell Bukarest hatte er bald einen großen Bekanntenkreis unter den angesehensten Israeliten, die Soireen veranstalteten, in welchen er — es war ihm schon zum Lebensberuf geworden — ihnen seine Lieder und Stegreifdichtungen vortrug, sowie durch seine witzigen Einfälle u. Schnurren dieGesellschaft erheiterte. Hauptsächlich that er dies gegen Honorar, aber er zog es oft vor, bei Freunden ohne Geld, als bei Fremden gegen Entgelt zu unterhalten; ich selbst habe ihn, wohl 1866 oder 1868, in Jassy singen und vortragen gehört. Das Hauptfeld seiner Dichtung war die inoffensive Satyre, die Anekdote und der Humor, aber auch viele ernste und besonderes moralisirende Dichtungen hat er verfaßt, die in ihrer Gesammtheit auf den Kulturzustand der rumänischen Israeliten früherer Generation einen großen Einfluß ausgeübt haben. Die Produkte seiner Muse, die zum Theil in Hebräisch, zum Theil in Jargon- Jüdisch, sind in ihr Leben übergegangen und seine Lieder werden noch lange unter ihnen gesungen werden. Größtentheils sind sie zusammengefaßt in den Werken: „Makal Choholim", „SchewerPoschim", „Maaßeh Chason", „Ssifße Jeschenu" (Prosa) und in einer Dichtung „Romania", die seinerzeit in der Zeitschrift „Haschachar" erschienen ist, in welcher er gegen die Rumänen auftrat, weil sie die Israeliten verfolgten. Ein wie begeisterter Sänger er war, möge man daraus erkennen, daß als er 1854 in Sebastopol (Krim Rußland) sich niedergelassen und darauf das Bombardement der belagernden Mächte sein Wohnhaus entzündeten, er Angesichts der Flammen, die seinen Besitz verzehrten, einen Trauergesang anstimmte, in welchem er mit hehrer Inspiration sein Unglück besang. Sbarscher-Ehrenkranz war eine sehr gutmüthige und mildthätkge Natur und wenn jemand seine Hilfe in Anspruch nahm, so war er gleich zur Hilfe bereit. Nicht nur einmal hat er sich bet den Vornehmsten der Gemeinden, mit welchen er im besten Verhältniß lebte, verwendet, um sie, wie in Rumänien meist üblich, zu einer augenblicklichen Sammlung zu veranlassen, die in wenig Stunden eine ansehnliche Spende ergab. Für seine eigene Person war er völlig selbstlos und bei seinen geringen Bedürfnissen sein Leben lang^ arm. Sein einziger Besitz war seine Stimme und sein Talent. Zum Sterben 60 Jahre alt, war er ewig jung geblieben. Er ruhe in Frieden! Dr. Cor mann. Wochen - Kalender. Donnerstag, 17. 3an., Jo. Schebat ixy nvon Freitag, 18. Jan., 16. Schebat. Samstag, 19. Jan., 17. Schebat nrv Sabbat-Ausgang 5 Uhr 25 Min. (Mainzer Uhr). M Abonnements- und Zlnteratenannabme D 5* für Frankfurt a IN. bei H. Konffnnrnn, Buchbandl; für Wiirzbnrabei Inrob ÄNinbergev; Hg für München bei ft. Äetteiheirn, Färbergraben _ H 2lj; für Förch in Bch-ern bei M. Dornberger, gj (9 bebr. u. deutsche Buchhandlung. Abonnement»- und Inseratenannahm» jjffür Hamburg bei A. Gotdschmidt, Buch.' S Handlung, Äohlhöfen Nr. 35; für Uöln bei Leo Frank, probsteigaffe (?; In Böhmen,, Z Mähren u. Österreich. Schlesien bei Iaeob j K. Kranket», Buchhandlung in Prag. /gesucht ein Lehrling für Druckerei und Papierhandlung (En gros et en detail). 296 A. Levy, Lübe ck. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. e^ür sof. Besetzung e. Selle als Religionsö lehrer, Ehassan und Ehochet werden von Reflectanten die Einsendung v. Zeugn. unter II B 346 an die Exped. dss. Bl. erbeten. (Fixer Gehalt 5—600 Mk. mit bedeutenden Nebeneinkünften.) ^ür mein Produkten - und Metall-En- O 8rv3 - Geschäft suche einen mil guten Schulkenntnissen versehenen Lehrling, Sohn achtbarer Eltern. 366 Bremen. L. Fischer jr. HUM^einen Freunden, Bekannten und Gönnern die ergebene Mittheilung, daß ich meine Restauration von der Mühlgasse 4 nach der Nerostraße Nr. 4 verlegt habe. 365 Wiesbaden, 10. Jan. 1889. 365 Adolf Straust. Cfcn meinem gemischten Waarengeschäfte <0 ist eine Lehrlings- und Volontairftelle sofort zu besetzen. 375 Elias Heimann, Homburg a. M. (Unt ertranken, Bayern) ^Kin junger Mann, welcher in der Ledergerberei und Zugehör unterrichtet ist, wird gesucht. Offerten mit Angabe von Referenzen, Alter rc. werden franco erwartet bei der Wittwe S. Cohen, Ledergerberei in L? s ch (Holland). 285