Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1889)
- Date
- 1889-01-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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61 Ehrenpräsident und Frau Rosalie Stern als leitende Präsidentin. Dr. Klein eröffnete die Sitzung mit einer hübschen Ansprache, in welcher er hervorhob, daß der Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens, trotzdem er monatlich an 60 fl. für seine humanen Zwecke verausgabte, doch schon über ein Vermögen von 1300 fl. verfügt. Lobend gedachte der Vorsitzende der höchst ersprießlichen Wirksamkeit der Vereinsdamen und dankte allen Gönnern des Vereins, namentlich aber, und zwar protokollarisch, der hochherzigen Frau Johanna B i s ch i tz, welche im Namen des Baron Hirsch für die Verabreichung von Gratiskost an arme Schulkinder 100 fl. dem Dr. Klein zukommen ließ: der Frau Siegmund Brody, welche sowohl für heuer, als auch für das Jahr 1889 je 100 Gulden spendete; der Frau Joseph Reiner, welche nahmhafte Beträge, und das ganz besonders von der Familie Goldberger de Buda, dem Vereine zugeführt und der Frau Sigmund Ro sen sto ck, welche nahezu 300 Gulden für Vereinszwecke aufbrachte. Hierauf meldete die Vicepräsidentin Frau Dr. Adolf P a t a y folgende neue Spenden an: von Goldberger de Buda 100 Gulden, von Leo Weiß 100 Gulden, von Wilhelm v. Leipziger 25 Gulden, von der Louiseumühle ein Sack Mehl und noch einige kleinere Spenden, wofür ihr und den edlen Spendern lebhafter Dank votirt wurde. Die Generalversammlung nahm den Jahresbericht genehmigend zur Kenutniß, ertheilte der Vereinsleitung das Absolitorium und wählte Frau Jenny R o s e n st o ck zur provisorischen Schriftführerin. Namens der Generalversammlung dankte noch Herr D. H. Spitzer der Frau Präsidentin, dem Ehrenpräscs, der Frau Dr. Klein, welche die Kasse führt und dem Gesammtvorstande, worauf der Vorsitzende die Sitzung schloß. Budapest. Wie das Amtsblatt meldet, hat Se. Majestät der König den Richter an der Budapester kön. Tafel Dr. I g n a z N e u b e rg e r zum fupernumerären Richter an der kön. Kurie ernannt. (Wie bekannt ist die kön. Kurie der höchste Gerichtshof Ungarns.) Dem Direktor des Budapester statistischen Bureaus, Herr Joseph Körösi, ist von der Medical College in Philadelphia für sein dem Kongresse in Washington unterbreitetes Werk über die Blattern das Doktor-Diplom verliehen worden. Herr Körösi war 'als Vertreter Ungarns beini Washingtoner medizinischen Kongreß anwesend und nahm an den Verhandlungen thätigen Antheil. Man sprach von ihm immer nur als dem gelehrten ungarischen Doktor. Da er kein Arzt ist, so verwahrte er sich gegen das Prädikat, nun aber hat ihm das College das Recht hiezu verliehen. Kis-Czell. Der hiesige Großgrundbesitzer Ludwig R o s e n b e r g ist mit Akklamation zum Bürgermeister dieser Stadt ernannt worden. Szegedin. Hier starb im hohen Alter von 81 Jahren Frau Johanna Ko hu, geb. Pollak. Sie war die Gründerin und durch 51 Jahre die Präsidentin des Szegediuer isr. Frauenvereins. Der Verein ließ gelegentlich seines halbhundertjährigen Bestandes ihr Bild in Oel malen und der Obergespan überreichte ihr in der feierlichen Sitzung den ihr vom König verliehenen goldenen Verdienstorden mit der Krone. Sie war sehr wohlthätig und eine wahre Mutter der Armen. Rumänien. Dr. C. Bukarest, 11. Januar. Schon früher habe ich Ihnen mitgetheilt, daß von Zeit zu Zeit, namentlich in der Moldau, Unterrichtskurse für Erwachsene eingerichtet werden, um ihnen in unentgeltlicher Weise das nothweudigste Wissen im Lesen und Schreiben beizubringen. Gewöhnlich sind es höhere Gymnasiasten, die dazu die Initiative ergreifen, durch Gründung eines diesbezüglichen Vereins. Leider aber dauern solche, ebenso wie die Lernlust der sich Meldenden und wie alle Anläufe in Rumänien theils durch Abnahme des Interesses, theils durch materielle Sorgen, welche Gleichgiltigkeit gegen alle anderen Lebensbedürfnisse Hervorrufen, nur kurz an und erst nach geraumer Zeit entsteht dann wieder ein solcher Verein zu kurzen! Leben. Wie aus Jassy gemeldet wird, ist jetzt wieder ein Kursus für Erwachsene und zwar diesmal von dem Präsidenten der einen israelitischen Vereins- (Gemeinde-) Schule, Herrn Nach m ann s o h n, der sich schon seit Jahren für das Schulwesen eifrig bemüht, eingerichtet worden. Der Unterricht wird im Rumänischen, Deutschen und Hebräischen allabendlich zwischen 9 und 10 Uhr ertheilt und wir wollen hoffen, daß die jetzige Einrichtung sich länger, jedenfalls so lange erhält, als sie noch nöthig sein wird. — Ans dem „Monitoral Official" entnehme ich, daß der Blech-Dachdecker Maier G o l d st e i n aus Tirgowischte, während er auf dem Dach der Kirche im Dorfe Petrari arbeitete, auf der Blechbedachung ausgleitete und von einer Höhe von sechs Klaftern stürzend, nach einer halben Stunde verstarb. Nächst dem Bedauern, den wir über diesen Fall empfinden, ist es gut zu konstatiren, daß der Dachdecker Israelit ist und daß man dies auch im