Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1889)
- Date
- 1889-01-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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58 übrigen anerkannten Schulen noch nicht als erbracht angesehen. Um so wichtiger war der günstige Ausfall dieser Prüfung für die ganze Zukunft der Schule, die dadurch eine wesentliche Eonsolidirung gewonnen hat. Auch die Isr. Volksschule der Religionsgesellschaft wird als in gedeihlicher Entwickelung begriffen bezeichnet und die im Februar erfolgte Revision der Vorgesetzten Behörden als Bestätigung dafür angeführt. Es wird sodann auf die übrigen wichtigsten Cultusanstaltcn verwiesen; wie Synagoge, Bad, Fleischhallen immer mehr jeder nur möglichen Vervollständigung und Verbesserung entgegenstreben. — Der Bericht erwähnt alsdann der Anregung des Rabbiners zur Errichtung eines eigenen Mazzobackhauses. Die hierfür bis jetzt freiwillig gezeichneten Spenden belaufen sich auf circa 12,000 M. Die Verwaltung wird der Ausführung dieses Projektes ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden. Zur Errichtung eines Gebäudes für die Volksschule hatte Herr Selig G o l d s ch m i d t 100,000 M. und Herr Freiherr Carl v. Rothschild 26,000 M. bewilligt. Nachdem die landesherrliche Genehmigung dieser Schenkungen nunmehr erfolgt ist, wurde bereits ein Grundstück erworben und die Inangriffnahme des Baues einem besonderen Baucomit« seitens der Verwaltung übertragen, so daß voraussichtlich der Bau im Frühjahr begonnen werden kann. Au Widmungen und Stiftungen zählt der Bericht für das Berichtsjahr zunächst 6 Freiplätze für die Realschule auf, wofür die taxmäßige Summe von 15,600 M. entrichtet wurden. Zur pietätsvollen Erinnerung au die scl. Frau Clementinc G o l d s ch m i d t widmeten deren Sohn und Schwiegersöhne den Betrag von 6000 M. zur massiven Einfriedigung des Friedhofs. — Die M. H. Ba ß'sche Stiftung wurde von Herrn Moritz Baß und dessen Geschwistern mit M. 1500 bedacht. — Ein ungenannter Freund weist endlich den Betrag von M. 1000 der Unterstütznngskasse von Lehrern und Lehrerinnen der isr. Volksschule zu. Auch die der Leitung der Religionsgesellschaft unterstellte von Herrn Baron Wilhelm von Rothschild gegründete und unterhaltene Georgine Sara v o n R o t h sch i l d'sche H o sp i t a l ft i f t u ng fährt fort aufs wohlthätigstc zu wirken und leidenden Menschen, Heilung und Linderung ihrer Leiden zu verschaffen. Die stattlichen Zahlen, welche der Rechenschaftsbericht über das finanzielle Gebühren der Gesellschaft anfweist, könne« wir hier übergehen. — Das Bisherige dürfte genügen um jedem Freunde des überlieferten Judenthums, mit freudiger Genugthunng durch das Bewußtsein zu erfüllen, daß mi rrray min in der Frankfurter Religionsgesellschaft eine hingebende Pflege finden, die dieses Gemeinwesen zu einer dni tj; macht. Möge der Geist, der diesen Kreis zielbewußt wirkender Männer geschaffen und vergrößert hat, für alle Zukunft weiter wirken, und sich jetzt, wo der gefeierte Führer den Seinen nicht voranwandelt, sich in seiner ganzen Größe bewähren. Zeilnngsnachrichten und Correspondcnzen. Deutschland. München, 10. Januar. Die Mehrheit des Collegiums der Gemeindebevollmächtigten trat dem Magistratsantrag bei, 210,000 M. aus Gemeinde- Mitteln als Kirchenzuschüsse zu gewähren und zwar 150,000 den Katholiken, 56,000 den Prostctanten, 10,000 den Israeliten. Zuvor war der Antrag des natioualliberalcu Hänle, auch den Altkatholikeu 10,000 M. zu bewilligen, mit 31 gegen 29 Stimmen angenommen worden. Ans Baden. Vom Großh. Oberrathe der Israeliten sind die Herren Bez.-Rabbiner beauftragt für die Gemeinden ihres Sprengels, welche eines Predigers entbehren, Festtagspredigten zu verfassen, welche beim öffentlichen Gottesdienste an den Feiertagen vom Lehrer oder Vorsänger zum Vortrag gebracht werden. Diese schöne Einrichtung verfehlt die segensvolle Wirkung nicht, wenn die Reden in volksthümlicher Sprache gehalten und von rein jüdischem Geiste durchdrungen sind. Selbstverständlich kommt es hierbei auch sehr viel auf die Art und Weise des Vortrags an. Es liegen dem Einsender dieses solche oben gedachte Reden vom Herrn Bezirksrabbiner Schleßinger in Brette« vor, die sämmtlich nach Form und Inhalt für Synagogenreden an hohen Feiertagen als wohl geeignet erscheinen und muß ich besonders die jüngste hervorheben, in welcher das Neujahrsfest, der Versöhnungstag und das Laubhüttenfest als verbrüdert und zusammenhängend dargestellt werden; dieselbe ist geeignet, sowohl an dem einen, als an dem anderen Fest vorgetragen zu werden. Diese Rede ist ein Meisterstück der Homilie. Es bleibt nur noch der Wunsch übrig, daß die Reden nicht nur Worte bleiben, sondern zur segensreichen That übergehen.