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Der Israelit · 1889-01-10 · Heft 3 (10.1.1889) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 3 (10.1.1889)
Date
1889-01-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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54 In einer Zuschrift an die hiesige Statthalterei, die ihm diesbezüglich einen strengen Auftrag ertheilt hatte, erklärt unser verehrter Oberrabbiner, daß er sich in Zukunft den behördlichen Anordnungen fügen und alle aus einer gemischten Ehe hervorgegangenen und ebenso auch die unbeschnittenen Kinder in die Gemeindematrikel eintragen werde, er kann jedoch nicht umhin, eine hohe k. k. Statthalterei darauf aufmerksam zu machen, daß durch ihren erwähnten Auftrag, dem jüd. Glauben große Nachtheile entstehen werden. Er werde daher solche Kinder, trotzdem er sie in die Gemeindematrikel eingetragen, nie als Juden anerkennen und sie auch nie zum jüdischen Religionsunterrichte ebenso auch zu keiner religiösen Handlung zulassen. Der in unserer Gemeinde bestehnde Verein zur Bekleiduug und Beschulung der Armen hat im vergangenen Synagogenjahre 326 fl. für seine Zwecke verausgabt. Der schon seit Langem hier bestehende Gevatter- und Wöchnerinnen-Vercin (1a kraternitä dei padrini), dessen Hauptaufgabe es ist, jedem neugeborenen Knaben einen passenden Gevatter beizustellen, hatte im vergangenen Synagogenjahre einen Ueberschuß bon 426 fl. aufzuweisen, von dem er nun die Hälfte, gemäß seiner Statuten an die Kasse der Cultusgemeinde für wohlthätige Zwecke abführcn mußte. Sehr verdient um das Blühen dieses echt jüdischen Vereines hat sich unser verehrter Oberrabbiner im Verein nitt dem verehrten Präses unseres Cultusvorstandes, Herrn Heinrich Sälen;, > gemacht.! Der hochbetagte Amtsdicner (;n rru rvW) unseres Oberrabbiners, Herr Leone Cusin, der sich hier seines Biedersinnes halber allgemeiner Achtung erfreuete, ist in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Unser Cultusvorstand hat dem braven Alten sein ganzes Gehalt als Pension angewiesen. Kascha«. (Ungarn.) Eine erschütternde und tieftraurige Nachricht habe ich den Lesern des „Israelit" mitzutheilen: Am 1. Januar!. I. rüüj-n verstarb hier Rabbi Israel Friedmann $"•?;, Schwiegersohn des berühmten Rabb. Samuel I u n g r e i s n. Nach dreiwöchentlichem Krankenlager ist der in dem besten Mannesalter stehende, rüstige und bewegliche Mann dem Typhus erlegen. Wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel trifft dieser Trauerfall seine trostlose Familie, seine zahlreiche Freunde und Verehrer. Das Begräbniß fand unter großer Theilnahme statt, kein Auge blieb trocken; denn nicht nur der Familie und den Freunden ist er abgestorben, die hiesige orthodoxe Gemeinde und das Judenthum haben einen hervorragenden Mann verloren. Möge der trostlosen Wittwe, nu, und den Hinterbliebenen kleinen Kindern in ihrer tieftraurigen Lage beistehen und ihnen Kraft geben, ihren großen Verlust tragen zu können. Frankreich. Paris. Die Deputirtenkammer hat für das Rabbinerseminar 22000 Frcs., für den israelitischen Cultus überhaupt 158900 Frcs. votirt. Die Herren Oberrabbiner Zadoc Kahn, Dreyfuß Vrisac, Herausgeber der „Revue Internationale de l'Enseignement" und Ollendorff, Direktor im Handelsministerium, wurden zu Mitgliedern des internationalen Congresses des Primarunterrichtes, welcher anläßlich der diesjährigen Ausstellung Zusammentritt, ernannt. E n g l a n d. Loudorr, 23. Dezember. Der „Tadlet" berichtet mit Genugthuung über eine herrliche Predigt, welche kürzlich der Bischof Dr. Johnson in Calcutta gehalten hat. Der Prälat verurtheilte darin ganz entschieden den Judenhaß als unchristlich und gottlos, beweisend, daß kein Volk die erhabene jGoltesidee reiner und unverfälschter bewahrt hat, als gerade das zerstreute Israel. „Wie ein Wahrzeichen der grauen Vorzeit", rief er, „steht diese Heerde inmitten feindlicher Nationen und, obwohl es ihr zum Vortheile gereichen würde, hat sie sich unentwegt geweigert, mit fremden Landessitten auch fremden Glauben anzunehmen. Mit bewunderungswürdiger Zähigkeit hält sie an den Satzungen ihrer Väter fest, und wäre es Frevel an Gott und Menschen, ihr diese Anhänglichkeit als ein Verbrechen anrechnen zu wollen. Wir Christen könnten von den Juden vieles lernen. Sie waren es, die zuerst den Lichtblitz der göttlichen Wahrheit in die nachtverhüllte Welt warfen, und ihnen verdanken wir es in erster Linie, wenn uns jetzt die enge Pforte offen steht, die zum Tempel der Wahrheit und der höchsten Erkenntniß führt. Alle Ableugnungen und Verdrehungen vermögen an dieser theologischen Thatsache nicht zu rütteln. Lieben wir also die Juden als unsere Brüder; tragen wir ihnen nicht solche Vergehen nach, die sie gar nicht begangen haben. Neben wir Toleranz im Sinne unseres heiligen Glaubens, der jeden Haß als gottlos verwirft!" ... Selbst der ultramontane „Tablet" kann nicht umhin. dieser herrlichen Predigt des greisen Bischofs seinen Beifall zu spenden.

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