Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XXX. Jahrgang. Ztveite Seilllge M M 3 öes „Israelit" & „Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. gar noch Eingang fänden in die friedlichen Räume der Schule." Deutschland. Mainz. Der heutigen Nummer liegt ein Extrablatt bei, worin auf die segensreiche Thätigkeit des Dr. Jo öl'schen Lehr- und Erziehungs-Instituts des Herrn Dr. Barnaß in Pfungstadt bei Darmstadt hingewiesen wird, und wir verfehlen nicht, die Anstalt auf Wärmste zu empfehlen. Weißenfels, 4. Januar. In Ihrem gesch. Blatte vom 2. d. Mts. fand ich eine Notiz betreffs der schon seit geraumer Zeit vacanten dritten Lehrcrstelle in Oftrowo und erlaube mir diesbezüglich folgende Erwiderung. Mir scheint es, daß die Hauptursache dieses Uebelstandes ganz wo anders zu suchen ist. Zu dieser Annahme glaube ich mich um so mehr berechtigt, da ich dieselbe auch durch ein Beispiel motiviren kann. Ein College von mir, der in der Nähe von Halle eine Neligionslehrerftelle bekleidete, machte an das Provinzial-Schul-Collegium in Posen ein Gesuch, worin er diese Behörde um Uebertragung einer Lehrerftelle im Bezirk Pos e n ersuchte. Bor einigen Tagen wurde ihm der Bescheid, daß seinem Gesuche nicht stattgegeben werden kann. — Wenn nun in der Provinz Posen Mangel an Lehrern ist, warum wurde das Gesuch dieses Mannes, der ein ganz gutes Prüfungszeuguiß aufweisen kann, zurückgewiesen? M. F. Breslau. Die „Schlesische Schulzeitung" nimmt von der Thatsache Notiz, daß jüngst auf dem Christophoriplatze in Breslau ein neunjähriges Schulmädchen unflätige antisemitische Flugblätter vertheilt und auf die Frage, wer ihm diese Blätter zur Bertheilung gegeben, geantwortet habe: der Herr Lehrer. Die „Schles. Schulzeitung" protestirt dagegen, daß man etwa von diesem einen Lehrer aus die Gesinnung der Breslauer Lehrerschaft Schlüsse ziehe, und versichert ganz bestimmt, „daß nur vereinzelte maßlose Hitzköpfe" einer derartigen Handlungsweise fähig wären. „Im Uebrigen ist es," so schreibt das genannte Blatt, „nicht unsere Sache, dem Falle weiter nachzuforschen, das kann uur Pflicht der Behörde sein. Auch könnten die Vereine wohl erwägen, welche Maßregeln sie gegen Genossen dieser Art anzuwenden hätten. Im höchsten Grade zu bedauern wäre es, wenn hetzerische Bemerkungen Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pefth, 28. Dezember. Der oberste Gerichtshof verhandelte heute eine Affaire, welche mit dem berüchtigten Tisza-Eszlarer Prozesse zusammenhängt. Im Laufe der Verhandlung jenes Prozesses hatte einer der Vertheidiger, Dr. Ignaz Heumann, Advokat in Nyiregyhaza, folgende Worte gebraucht: Abermals ertönt die Anklage, zu deren Bekräftigung das ganze Comitat, angefangen von seinem Verwaltungs-Oberhaupte bis zum letzten Dorfrichter, auf unsittlichen, ungesetzlichen und unstatthaften Wegen nach falschen Beweisen jagt." In Folge dieser Aeußerung erhob der Ober-Fiscal des Szabolcser Comitats im Interesse des Verwaltungskörpers die Klage wegen Verleumdung und Ehrenbeleidigung gegen Dr. Heumann. Das Strafverfahren wurde auch eingeleitet, aber auf Beschluß des Gerichtes erster Instanz eingestellt, da der Ober-Fiscal keine Vollmacht vom Beamtenkörper erhalten hatte. Die königliche Tafel änderte diesen Bescheid ab und ordnete die Fortsetzung des Verfahrens an. Der oberste Gerichtshof hat jedoch heute den Einstellungsbeschluß der ersten Instanz bestätigt. Triest, 18. Dezember. Die vom „Israelit" schon angekündigte, bevorstehende Neuwahl unseres Cultusvorstandes findet nun bestimmt in den letzten Tagen dieses Monates statt. Das 40jährige Regierungsjubiläum unseres Kaisers wurde schon Tags vorher, am Sabbat, festlich begangen, indem unser verehrter Oberrabbiner Melli ein warmempfundenes Gebet für den allgeliebten Herrscher sprach, worauf der Tempelchor die Volkshymne absang. Ueber Antrag seines Mitgliedes, Cav. Castiglioni. hat unser Cultusvorftand beschlossen, an der hiesigen Religionsschule noch eine fünfte Klasse zu errichten und zugleich auch für die nächstfolgenden zwei Jahre den Betrag von 250 fl. als Prämien jener Zöglinge der genannten Lehranstalt zu bestimmen, die sich dem Berufe eines Lehrers, Cantors oder Schächters widmen. Dem hiesigen jüdischen Spitale wurde von unserem Cultusvorstande für die nächstfolgenden zwei Jahre eine jährliche Subvention von 300 fl. angewiesen.