Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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r-fi Jpz rV:.^' 46 chem schönem Wort der min wechselten hierauf ab und hielten die Theilnehmer bis in die Morgenstunde beisammen. Die Abfahrt am Sonntag-Vormittag gestaltete sich zu einer großartigen, herzergreifenden Ovation. Fast sämmtliche Gemeindemitglieder mit ihren Frauen und Kindern waren auf dem Bahnhofe, um dem scheidenden Seelenhirten thräuenden Auges noch ihre Abschiedsgrüße zu widmen. K. B. Aus Westfalen. Es ist eine leider nicht abzulengnende Erscheinung unserer Zeit, daß, je mehr unsere Generation sich von dem Boden der positiven Religion entfernt und dem Materialismus sich in die Arme geworfen hat, naturgemäß auch ein krasser Jndifferentismus den religiösen Institutionen gegenüber einreißen mußte. Dieses verderbliche luisser iLire hat sich aber auf letztere allein nicht beschränkt; es ist auch der nagende Wurm au der Existenz derjenigen Personen geworden, welche die berufenen Leiter der religiösen Angelegenheiten innerhalb der Gemeinde sind. Man ist daher an manchen Orten nicht so sehr weit von der Anschauung entfernt, Rabbinen und Lehrer als ein nothwendiges Nebel zu betrachten und unterzieht sich dementsprechend allen finanziellen Maßnahmen, welche die materielle Sicherstellung genannter Funktionäre bezwecken, nur mit dem größten Widerwillen. Gemeinden, in welchen solche Vorkommnisse auf der Tagesordnung stehen, gehören leider nicht mehr zu den Seltenheiten. Jedoch das Gros unserer mbrvp — das wollen wir ausdrücklich konftatiren — hält noch so ziemlich an der altjüdischen Pietät gegen ihre Cultusbeamten fest, und daß noch so manche Gemeinde den rabinischen Satz -jm n-pd auch in der Gegenwart voll und ganz zu bethätigen versteht, hat uns das Amtsjubiläum des Lehrers Kaufmann zu Ahlen bewiesen. Am 8. Oktober 1888 waren 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Kaufmann, ein Sohn der Rheinlande, als Lehrer und Cantor in der Gemeinde Ahlen wirkte. Bei seinem Amtsantritte gingen die Wogen der Reform mächtig durch unser Gemeindeleben. Manche Gemeinde ist in das falsche Fahrwasser gerathen, mancher Lehrer in Israel hat damals seinen religiösen Halt verlor-n und ist aus dem sicheren Hafen des gesetzestreuen Judenthums in die Untiefen der Reform gerissen worden. War doch troff no^D toy np'nc keine geringe Erleichterung der Amtsbürde. Zu denjenigen Männern, welche jenem Sturmandrange entschiedenen und erfolgreichen j Widerstand geleistet und sich die Liebe zu unserer altehrwürdigen Religion treu bewahrt haben, gehört auch Lehrer K. Wenn der jeweilige religiöse Geist in einer Gemeinde als der Prüfstein des Wirkens ihrer religiösen Funktionäre gelten kann, so können wir Lehrer K. zu seiner 25jährigen Lehrtätigkeit nur beglückwünschen. — Bereits im verflossenen Herbste rüstete sich die Gemeinde, den Jubiläumstag ihres Lehrers festlich zu begehen. Alle Vorbereitungen zur Feier waren bereits getroffen. Da wurden mehrere Familien durch epidemische Sterbefälle schwer heimgesucht, und in Anbetracht dieser traurigen Sachlage sah man damals von einer offiziellen Festesfeier ab, beschloß dagegen, den Geburtstag des Lehrers K. am 2. Januar cr. in entsprechender Weise zu begehen. Schon mit den Morgenzügen waren an genanntem Tage die Lehrer der Nachbargemeinden herbeigeeilt, um ihrem bewährten Kollegen und Freunde persönlich ihre Glückwünsche darzubringen. Morgens, neun Nhr, begann in der Synagoge, welche in allen ihren Abtheilungen dicht besetzt war, der Festgottesdienst. Derselbe wurde durch ein vollendet vorgetragenes, melodiöses Lied eingeleitet, welches von einem christlichen Kollegen eingeübt und persönlich in der Synagoge dirigirt worden war. Den Glanzpunkt der Feier bildete die von Lehrer Steinweg aus Rheda gehaltene Festrede. Derselbe beleuchtete in s/4stündigem, formvollendeten Vortrage in ernster, würdiger Weise den schweren Beruf des jüdischen Lehrers, wie er sich dem nicht sehr beneidenswerthen Amte der Jugenderziehung zu unterziehen hat, in Leid und Freud ein theilnehmender Freund und treuer Berather seiner Gemeinde sein muß und stets seinen Standpunkt über den Parteien einzunehmen hat. Zum Schluffe betonte der Redner noch ganz besonders das gute Verhältniß, welches gerade in Ahlen zwischen Lehrer und Gemeinde herrsche, denselben zur schönsten Zierde gereiche und andern Orten, wo nicht immer die wünschenswerte Harmonie zwischen der Gemeinde und ihren Funktionären walte, zum nachzueifernden Beispiele werden möge. Nach beendigtem Gottesdienste statteten sämmtliche Gemeindeangehörige dem Jubilar ihre Glückwünsche ab. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß sich im Laufe des Tages unter den Gratulanten auch der Dechant der katholischen Kirchengemeinde einfand , um die Glückwünsche der Pfarrgeistlichkeit darzubringen. — Die zu Ehren des Tages seitens der befreundeten Kollegen und der einzelnen Gemeindeniitglkeder denk Jubilare gewidmeten Geschenke zeugten durchgehends von seinem Geschmacke und praktischem Sinne in der Auswahl. Es würde die Grenzen einer Lokalkorrespondenz überschreiten, wollten wir die einzelnen Geschenke und die aus ■■ 1 n n p. . r* ... -SW.