Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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o ^•' -• 38 ter mit Rossen und Wagen, und als der Letzte aus Israels Stamm mit allem Zubehör das Bett des Meeres verlassen und das jenseitige Ufer erreicht hatte, da ließ Gott die Wogen des Meeres über die Aegypter Zusammenstürzen und begrub sie sammt Rossen und Wagen in den Fluthen. Hier offenbarte sich das Königthum Gottes in anschaulicher Weise, und so lehrt auch der Talmud, daß eine Magd am Schilfmeere mehr geschaut als später die Propheten Gottes. Nun überkam alle Söhne und Töchter Israels die unerschütterliche Ueberzeugung: „Der Ewige wird König sein immer und ewig! Und warum? Denn es war gekommen das Roß Pharao's mit seinen Wagen und mit seinen Reitern in das Meer und es brachte der Ewige über sie die Gewässer des Meeres, und die Kinder Israel gingen auf dem Trockenem mitten durch das Meer." Unsere Weisen haben angeordnet, daß nach dem Lesen des Schema, Abends und Morgens, der Rettung am Schilfmeere gedacht werden muß. Auf die Leiden in Mizrajim find andere Leidenszeiten gefolgt. Oftmals schien es, daß Israel, daß das Volk, welches das Königthum Gottes auf Erden bezeugt, verloren sei. Hinter ihm die heranstürmenden Feinde, vor ibm das offene Meer, welches es zu verschlingen drohte. Höhnend fragten die Feinde: „Wo ist euer Gott, wo ist der mächtige König, der euch zu retten vermöchte?" In Wahrheit und in Treue hat es sich an uns bestätigt, daß Er ist der Ewige, unser Gott und Niemand außer Ihm, und daß wir sind Israel, Sein Volk. Er hat uns befreiet aus der Hand der Könige, unser König hat uns stets erlöst aus der Gewalt aller Unterdrücker. Wie Er einst unsere Väter durch das Schilfmeer geführt und ihre Verfolger in die Fluthen versenkt hat, so wird unser König unser Erretter sein zu allen Zeiten. Der Ewige wird König sein immer und ewig." So sprechen wir an jedem Abende, und am Morgen lautet es in ähnlicher Weise: „Eine feststehende, unerschütterliche Wahrheit ist es, daß Du bist der Ewige, unser Gott, und der Gott unserer Väter, unser König, der König unserer Väter, unser Erlöser, der Erlöser unserer Väter, unser Schöpfer, der Fels unseres Heils; unser Befreier und unser Erretter, so ist von ewig her Dein Name, es ist kein Gott außer Dir. Die Hilfe unserer Väter bist Du von ewig Her gewesen, ein Schild und ein Helfer ihren Kindern nach ihnen in jeglichem Zeitalter. In Wahrheit, Du bist der Erste und Du bist der Letzte, und außer Dir haben wir keinen König, Erlöser und Helfer. So hast Du einst das Schilfmeer gespalten, die Uebermüthigen darin versenkt und Deine Lieblinge hindurchgeführt. Du erniedrigst die Stolzen, erhöhst die Niedrigen, befreiest die Gefesselten, erlösest die Demüthigen, hilfst den Armen und erhörst Dein Volk zur Zeit, da sie flehen zu Dir. Daher sprachen die Erlösten am Ufer des Meeres: Der Ewige wird König sein immer und ewig." Abends, wenn die Nacht hereinbricht mit all den Gefahren, die sie manchmal zu bergen pflegt, morgens, ehe wir unser Tagewerk beginnen, oftmals inmitten einer uns feindlich gesinnten Umgebung, ist das unser Trost, unsere Hoffnung, unsere Zuversicht, daß unser Vater im Himmel nicht einen Augenblick lang die Zügel der Weltkenkung ans der Hand legt. Gar oft stand im Laufe der Jahrtausende unser Volk vor einem tosenden Meere, das es zu verschlingen drohte, während die Feinde hinter uns herstürmten, um uns zu vernichten. Der König des Weltalls hat uns stets trockenen Fußes hindurchgeführt, uns den Verfolgern entrissen und die Uebermüthigen bestraft. So war es, so ist es, und so wird es sein, denn der Ewige wird König sein immer und ewig. Samson Wapßael Kirsch im Lichte seiner Zeitgenossen. Von Dr. Adolf Blumenthal. Berlin, 5. Januar. Der große Glaubenskämpfer, welcher in den letzten Stunden des verflossenen Kalenderjahres seine Augen zum Todesschlummer geschlossen, hat manchen Gegner gehabt, aber keinen Feind — so rühmte ihn ein Nachruf in einem politischen Blatte. Und fürwahr, in dieser ehrenden Thatsache liegt die wahrhafte Größe dieser Lapidargestalt! Nur wenige Helden unseres Zeitalters haben auf der Wahlstatt des Glaubens wie er gerungen und gekämpft, kaum ein zweiter hat gleich ihm den Siegeslorbeer so duftend und so reich um die Schläfe gewunden, niemand ist so von der heißinnigen Liebe seiner Anhänger, von der Ehrfurcht seiner Gegner, von der Achtung aller Welt getragen worden, wie Samson Raphael Hirsch. Und wozu soll der Freundesmund ihm Hymnen künden, die ihm schon längst aus anderem Lager erklungen, wozu Freundesliebe auf seinen Grabstein eine Inschrift setzen, die schon längst der gegnerischen Feder entflossen! Es ergreift einen wunderbar, wenn man die Zeitschriften der dreißiger und vierziger Jahre durchblättert und da fast auf jeder Seite den Verblichenen im strahlendsten Lichte seiner Zeitgenossen bewundern darf. Die